Das symbolische Recht kein Blogger zu sein

Bloggeres ite domus © Endl 2007

6.Szene: Das Collosseum, Bloggersdorf: „Childrens Matinee“.
Viele Menschen. Charaktere: Ansager, Filzo als Francis, Judith alias Julie, René als Rech, Alexander als Brian, diverse Kandidaten für Stan/Loretta, A-Blogger, A-Sager, Ausrufezeichen und – last but not least – der „Menschenstückenwegtrager“ und der »Vorwerk-Blutfleckenaufsauger«

Meine Damen und Herren. Der nächste Wettbewerb wird ausgetragen zwischen Drusus dem Friedfertigen und… der mazedonischen Daumenschraube Boris Feinbrandt.

  • Eine Tüte für sie. Danke gnädige Frau.
    Linkzungen! Zensurlebern! Buchhändlerhirne! Gefüllte PR-Ohrläppchen! Wolfskehlenchips! Greifen sie zu, solange sie noch heiß sind. Hier gibt es die feinen falschen Schmeichelzungen! Abgemahnte Brötchenbildlebern! …
  • Ich muss dir sagen, Julie. Jede antiimperialistische Gruppe wie die unsere muss eine solche Interessendivergenz innerhalb ihrer Machtbasis reflektieren.
  • Einverstanden. Filzo?
  • Ja. Ich glaube Julies Gesichtspunkt ist sehr stichhaltig. Vorausgesetzt, die Bewegung vergisst niemals, dass es das unveräußerliche Recht eines jeden Bloggers ist…
  • Oder Schreibers…
  • …oder Schreibers, dass er sich selbst verachtet.
  • Oder über sich selbst bloggt…
  • …oder über sich selbst schreibt, ohne zu bloggen.
  • Einverstanden.
  • Danke, Mit-Blogger.
  • Oder Schreiber …
  • …oder Schreiber. -hhh. Wo war ich?
  • Ich glaube, du warst fertig.
  • Oh. Richtig.
  • Darüberhinaus ist es das Geburtsrecht eines jeden Bloggers..
  • Oder Schreibers …
  • Warum hörst du nicht endlich mit den Schreibern auf? So kommen wir zu keinem Ende.
  • Auch selbst erklärte Nicht-Blogger haben ein natürliches Recht, in unserer Bewegung eine Rolle zu spielen.
  • Warum redest du nur pausenlos über Nicht-Blogger, Stan?
  • Weil ich einer sein möchte…
  • Was?
  • Ich möchte kein Blogger sein. Ich möchte, dass ihr… dass ihr mich von jetzt an Schreiber nennt und mein Blog wieder meine Homepage.
     
  • Was?
  • Das ist mein Recht als Publizist.
  • Ja, aber warum möchtest du kein Blogger sein, Stan?
  • Weil ich anders sein möchte.
  • Was willst du sein? Anders??? Aber deshalb wurden wir ja Blogger!
  • Jeder Publizist hat das Recht, anders zu sein, wenn er es will.
  • Aber, aber du schreibst doch nunmal ein Blog.
  • Unterdrücke mich bitte nicht.
  • Ich unterdrücke dich überhaupt nicht, Stan. Aber du hast Kommentare, du hast tägliche Postings. Und einen RSS-Feed hast du auch noch. Wie soll denn das funktionieren? Willst du deine Artikel wider in ’ner Zigarrenkiste aufheben?
  • Warte. Ich habe eine Idee: Nehmen wir an, dass ihr euch darauf einigt, dass er kein Blogger sein muss, auch wenn er täglich kalendarisch Artikel postet, eine Kommentarfunktion hat und einen RSS-Feed anbietet, woran niemand schuld ist, nicht mal die Journalisten, aber dass er das absolute Recht hat kein Blogger mehr zu sein.
  • Gute Idee, Julie. Wir kämpfen gegen die Unterdrücker, für dein Recht kein Blogger mehr zu sein, lieber Mit-Blogger. -hh. Verzeihung. Schreiber.
  • Das ist doch aber sinnlos.
  • Was?
  • Es ist vollkommener Blödsinn, für ein Recht, kein Blogger sein zu kämpfen wenn er doch faktisch ein Blog betreibt.
  • Es ist ähm, symbolisch. Für unser Ringen gegen die Unterdrückung.
  • Symbolisch für sein Ringen gegen die Realität.
     
  • Raus mit dir! Raus mit dir!
  • Linkzungen! Bedenkenträgernasen! Boulevardohren!
  • Hast du auch recherchierte Investigativnachrichten?
  • Ich habe keine Investigativnachrichten. Bedaure. Ich habe Anekdoten, Persönliches, Satire, Fotos…
  • Nein nein nein.
  • Vielleicht einen persönlichen Erfahrungsbericht über meine neue Kamera?
  • Ich will nichts von diesem persönlichen Rezensions-Mistfraß.
  • Wieso schreibst du nicht was für anständige Leute?
  • Was? Für anständige Leute?
  • Ja. Nicht diesen überflüssigen Krimskrams für Imperialisten. Am Ende kriegst du auch noch Geld dafür!
  • Ich kann nichts machen. Ich brauche eben Geld und habe mich nicht darum gerissen es auf die Weise zu versuchen.
  • Na gut. Dann gib mir ’ne eine Geschichte aus deiner Jugend, aber schön peinlich, ja?
  • Mir auch.
  • Ihm auch.
  • Danke, René.
  • Seid ihr von der Journalistischen Volksfront?
  • Verzieh dich!
  • Was?
  • Journalistische Volksfront. Quatsch! Wir sind die Volksfront der A-Publizisten! Journalistische Volksfront.
  • Schwächlinge.
  • Kann ich in euerm Verein mitmachen?
  • Nein. Verpiss dich.

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Frei nach Monty Python … ich hab manchmal den Eindruck, in den Python-Filmen ist so ziemlich für alle Lebenslagen was dabei. Der Dialog ist frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nahezu aus der Luft gegriffen, angesprochen wird niemand, nicht mal man selbst.

Und hiermit werfe ich dieses als selbstreferentielles Python-Satire-Stöckchen in die Runde. Nehme es wer sich berufen fühlt. Außer Spalter.