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13. Juli 2007

Blättern: Toleranz vice versa «» Stöckchen: Eine belgische Kartoffel – Das Surrealistische Wurfholz.

Eine subjektive unbrisante Meinung von Alexander am 13. Juli 2007 14:21

Jede Werbung braucht einen Dummen, der sie ernst nimmt


jedewahrheit.jpg

Schon gehört?
Alice Schwarzer macht auch Werbung für die BILD.

Nochmal.
Alice Schwarzer macht auch Werbung für die BILD.
Ein Fake, oder?
Ne.
Glaub ich nicht.
Ist aber wahr.

Alice Schwarzer, DIE_Alice_Schwarzer, macht Werbung für die BILD, unter dem Solgan: Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht. Ich denke, dazu muss man nicht mehr sagen als Frau Schnutinger in ihrem VideoCast.

Man spricht von »Ideale verkauft« – und das vielleicht auch nicht zu Unrecht. Ein Hammer ist das allemal.

Aber … (und jetzt kommt der Endl wieder mit seinen “Abers”) … bei all der berechtigen Aufregung (die auch mich überfiel…) was lehrt uns die Aufregung eigentlich. Und was hat das mit den »Blutbloggern« (ich zitiere nur, leider sogar) von adical zu tun, die angeblich für Yahoo! ihre Seele nach China verkauft haben? Für mich ne ganze Menge und es könnte ‘ne ganze Menge aussagen über einen möglicherweise bevorstehenden sogar positiven Wechsel in der Wahrnehmung von Werbung und deren Bedeutung für die Werbe-Testimonials.

Ich schrieb mal:

Ich erinnere mich an meine Kindheit, als ich meine Fussball-Idole in der Werbung sah (das war damals alles noch ein bisschen anders und Filme wurden deswegen auch nicht unterbrochen) – damals diskutierten wir lange darüber, ob der das tatsächlich echt selbst benutzt, sei es das After Shave, das Haarwasser oder die Zahncreme. Viele dachten das – was ziemlich naiv war, ich weiß. Heute käme da keiner mehr auf so einen Gedanken. Aber das war früher mal das Grundprinzip: Die Leute dachten, was der kauft kauf ich auch. Heute bleibt nur noch der Schein. An das Sein glaubt keiner mehr.
… weiterlesen »Die Meinung anderer Leute«

Beginnt sich da wieder was zu verändern? Ich meine, so schlecht wäre das ja nicht. Wer wirbt wird wieder mehr mit dem in Verbindung gebracht für was er wirbt? Eine Renaissance zum Guten? Wie ein Filmschauspieler sich ja durchaus auch für die Rolle, die er annahm, hinterfragen lassen muss. Wird nun auch der Promi wieder hinterfragt? Vielleicht sogar in Zukunft auch das Werbe-Modell? Oder die Veranstaltung, die sich sponsorn lässt, und wenn es nur in der Logo-Wüste auf Seite 8 zu sehen ist?
Werde ich mich einmal fragen lassen müssen: Hey, Herr Endl. Was sagen Sie dazu, dass Google AdSense in ihrem Artikel aus dem Jahr 2006 zum Thema Europaviertel ein Unternehmen beworben hat, dass bereits 1976 durch den skandalösen Rauswurf eines behinderten Mitarbeiters für alle Zeit moralisch untragbar wurde? Da fällt Ihnen jetzt wohl nichts mehr dazu ein!

Hach, das wäre doch schön. Ideale. Stellung. Position. Eigenverantwortung.

Aufwachen. Alice Schwarzer wird persönlich zur Rechenschaft gezogen, dass sie für BILD wirbt, Johnny Haeussler dafür, dass er Yahoo!-Banner einblendet. Warum eigentlich? Weil sie Überzeugungstäter sind und für Ideale stehen und standen. Wer sich so positioniert (ob freiwillig oder durch höhere Gewalt) wird an jedem seiner Schritte gemessen. Da stehen die doch schon in den Startlöchern, denen so viel Idealismus schon immer ein Greul im Auge war.
Keine Frage. Die Enttäuschung ist so manches mal ja auch berechtigt. Aber zugleich ist sie natürlich auch unfair, denn für jeden Fehltritt kommen nur sie an den medialen Pranger, die üblichen Moral-Schweine können weiter treiben was sie wollen, ebenso wie die farblosen Niemande, denen man durch eine gute Marketing-Strategie zwar eine Marke und ein Gesicht gab, aber keine Persönlichkeit.

Wie immer wird die Lehre sein: Hätten sie es doch geschickter gemacht. Hätte Herr Haeussler doch einfach dementiert und verschleiert, hätten sie alle von Missverständnissen geredet, von nicht aufsplittbaren Gesamtpaketen, von Bruch von Absprachen, von “so nicht gewollt”, von Prüfung rechtlicher Schritte und – achselzuckend – von Sachzwängen, vertraglichen Verpflichtungen und dem sehr komplizierten Gesamtzusammenhang, den man nicht so einfach darstellen könne und aus vertraglicher Verschwiegenheitspflicht auch gar nicht dürfte. Aber – so hätte man erklären müssen – man wäre bereit, wenn die Sache aufgeklärt und intern besprochen wäre, im Rahmen des rechtlichen Dürfens zur Aufklärung in aller Offenheit schonungslos beizutragen und sich auch kritisch hinterfragen lassen würde – man müsse nur abwarten, nur noch eine kleine Weile … bis es denn endlich aus dem Interesse der Volksmenge verschwunden wäre.

Und was machen Sie? Sie erklären sich. So auch Alice auf ihrer Homepage.

Aber – unter uns – (schon wieder so ein “Aber”). Die Werbung bei BILD macht Frau Schwarzer nicht weniger zu einer Frauenrechtlerin, auch Joschka bleibt immer Grüner und Johnny so wie er war, ob mit oder ohne Yahoo!-Kampagne im Lebenslauf. Bei aller berechtigter Kritik über die Motivation bei so manchem Engagements solle man doch nicht vergessen, dass man so viele Idealisten im Land gar nicht hat und man mit denen etwas gnädiger umgehen als mit den Millionen, die ihren Arsch in Lethargie und Gleichgültigkeit vor ihrem Fernseher alt werden lassen.

In dem Sinne: Kurz aufregen ok, dann aber zurück zu den wirklich wichtigen Dingen des Lebens.

Don’t kill your idols. – Nicht dafür.






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Ich glaub, das war's.




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