E-Mail ist tot, es lebe die … ja was eigentlich

Also mal langsam mit den jungen Pferden, noch ist E-Mail ja noch nicht am Ende, auch wenn die These von Klaus Eck »E-Mails werden unwichtiger« (mit Bezug auf Travis Katz von MySpace) gar nicht so von der Hand zu weißen ist.

Benutzt ihr noch E-Mails?

Also im Privaten hat das bei mir stark nachgelassen. Das mag zum einen mit dem doch etwas spröden Format zu tun haben, das eine ordentliche und einheitliche Formatierung eigentlich jenseits des ASCII-Codes kaum zuläßt (und selbst das wir mit Nicht-Monospaced-Schriften ja zerschossen), das liegt aber auch stark am Spam, der den Blick in den Postkasten mindestens von einem kurzen Würgreiz begleiten lässt.

E-Mails haben aber einen unbestreitbaren Vorteil: Das System steht, es funktioniert zuverlässig und konstant wie kaum sonst eine Technologie. Und die veraltet anmutenden Standards sorgen dafür, dass Mails auch von vorgestern noch im Client gelesen werden können.

Die Konkurrenz durch Twitter, ICQ, Skype und Konsorten in punkto Kommunikation der kurzen Wege ist sicher stark, doch E-Mails kann ich überall lesen, kann sie archivieren und all das machen, was ich seit Jahren bei einem selbst so eingespielt hat. Wenn ich gerne etwas wichtiges bemerkt haben will – gerade auch im Business – dann schreibe ich eine E-Mail. Die kann ich dann zitieren, die hat einen Zeitstempel, die kann ich Cc. und Bcc. anderen zustellen. Das Problem der fehlenden Rechtssicherheit ist da unerheblich. Es geht ja seltenst darum einen bestrittenen Vorgang justiziabel nachzuweisen, meist gibt es zu geschriebenen Mail kurze Repliken oder Bezugnahmen, das reicht zur Klärung strittiger Detailfragen aus.

Nein, tot ist die E-Mail noch lange nicht. Derzeit verdrängt sie vielerorts dagegen sogar die Telefonie, denn das gesprochene Wort ist im Business-Bereich bei komplexen Vorgängen und langen Projektlaufzeiten – vollkommen undespektierlich aber wahr – nur der Schall aus dem bekannten „Schall und Rauch“.

Aber interessant ist das schon, wie sich da Kommunikationsmuster generell verändern und „feste Größen“ des eigenen Nutzungsverhaltens in kürzester Zeit immer wieder verändern. ‚Gestern‘ noch hatte ich Messenger-Dienste nur sporadisch am Rechner, jetzt nutze ich sie wieder häufiger. Echte Briefe sind dagegen endgülitig nur noch bspw. bei Versicherungsangelegenheiten auf dem Programm.

Man sollte sich also nicht so sicher sein, dass das Verhalten von heute auch morgen noch so gesetzt sein wird. Wer weiß ob wir morgen in der Tat noch Blogs betreiben, weil ein System wie Twitter sich doch durchsetzt (was ich stark bezweifle). Werden wir morgen noch Google benutzen? Auch das hat einer mal zu Recht in Frage gestellt und es mit Telefonbüchern verglichen: Vor einigen Jahren für alle ein Muss in einer Stadt, heute weiß ich gar nicht genau, ob und wenn ja wo ich eines habe. Einfach weil ich keinen Bedarf mehr danach habe, ich weiß, wo ich was suche, und ähnlich kann es Google gehen. Wenn ich Wissen bei Wikipedia beziehe, Bücher über Amazon recherchiere, Krimskrams bei eBay erstöbere, Preise bei Guenstiger.de, Blogbeiträge bei Technorati usw. usw., dann nutze ich Google nur noch für Themen Off-Topic. Und wer weiß ob die Nische dann nicht zu klein für Groß-Google ist.

So, nun mal in der Rest-Mittagspause gucken wer im Messenger online ist, ob ich in Second Life IMs habe, was via IMAP meine Home-Postfächer machen, was Bloglines an neuen Artikeln meiner Feeds hat, ob auf einige meiner Kommentare Antworten eingegangen sind, ob … … …