Es muss nicht immer adical sein

Während man sich weiter über jede adical-Werbe-Schaltung oder auch -Nichtschaltung den Kopf zu zerbrechen scheint, stehen andere Vermarkter längst in den Startlöchern. Bei zweiten Mal tuts nicht mehr so weh, sagt er leicht anzügliche Volksmund, und wenn erst der 20te Vermarkter sich bei Bloggern und Kunden die Klinke in die Hand gibt, wird sicher mindestens noch so viel Aufhebens gemacht, wie heute die Teilnahme von Bloggern an Google AdSense kaum noch eine Beachtung findet – komme (an Werbeeinblendungen) was wolle. Wird eher belustigt kommentiert, wenn mal wieder der Backbone-Anbieter beim englischen Hunde-Content eingeblendet wurde.

Vor kurzem ungerufen ‚ins Haus geflattert‘: Ad / BLOG NETWORK

Auch die – das jedenfalls verbindet sie mit adical – im Status »Registrations- & Testphase läuft«. Man darf sich schon mal voranmelden um an der „späteren Qualitätsbewertung“ teilzunehmen. Sukzessiv werde man Blogs aufnehmen und zuschalten.

Ich kenne den Betreiber nicht, Journalisten sind da sicher die besseren Ansprechpartner für Firmenhistorien inkl. evtl. Vergehen und Vorbelastungen von Beteiligten bis ins dritte und vierte Glied – und das ist auch gut so. Wundern würde mich allerdings, wenn – egal was dann da bei rum kommt – ein ähnliches Sautreiben wie bei adical veranstaltet wird. Wie gesagt, beim zweiten mal … undsoweiter. Und dabei würde mich persönlich – aber ganz subjektiv – schon eher stutzig machen, wenn ich als oberste Kontaktadresse »Urbanizacion Atlantica, Republica Dominicana« benannt bekäme … anyway, ich hab mich ja auch nicht beworben.

Inspiriert – und das nur als gedanklicher Aufhänger – hat mich aber dieser Satz bei »Ad / BLOG NETWORK« im Bereich »Blogger«

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Ist es denn so, dass das unser Blogger-Kapital wäre? Der Traffic? Ich denke nicht. Und für mich ist das auch genau der gedankliche „Fehler“ auch von adical und führte (will man Aufmerksamkeit nicht per se als Erfolg verbuchen) auch zu dem »Blogaufreger« den wir zuletzt mit der Yahoo!-Kampagne hatten: Nimmt man Blogs als Traffic-Werbefläche, dann nimmt man ihnen den Vorteil. Denn Traffic generieren andere Plattformen weit besser.

Der Werbeblogger bringt das so schön mit seiner Entscheidung zur Eigenvermarktung auf den Punkt:

Wir sehen uns nicht in irgendeiner TKP-Schublade oder als Trafficschleuder mit Potenzial für viele versehentliche Bannerklicks. Wir sind ein kleines aber feines Blog mit einem ganz großen Vorteil für die Zukunft. Die Leser, also ihr, habt echtes Interesse an der Branche. Ja meist arbeitet ihr sogar dort oder möchtet später einmal in der Werbung arbeiten.

Handverlesen, zum Teil selbst produziert, Nutzen für den Leser, der Branche bzw. dem Topic einer Website treu und »die Dosis bestimmt das Gift«. – Und ich erweitere für mich selbstständig: Oder einfach ein Image-Träger, bei dem man gerne wirbt und wo man von der Grundausrichtung einfach zueinander passt. Image-Verdopplung statt Raubbau.

Abgerechnet wird nach Festpreisen und auch das halte ich für korrekt. Warum? Weil Traffic für mich keine Währung mehr ist. Erstens, weil – wie man als Brancheninsider weiß – man keiner Zahl eigentlich wirklich glauben darf, weil zu viele Faktoren Zahlen als harte Währung im Online-Biz weich machen. Und – wie bei Golem vor einiger zu lesen war – ’neue‘ Web-Techniken wie AJAX zwischenzeitlich das Gebilde einer Page/Seite nicht mehr als Maßstab eignen lassen. Zudem ist ein Blog mit viel Traffic noch nie sonderlich mehr Wert gewesen als manche kleine, aber sehr einflussreiche Blogs. Zur Unterscheidung bemüht man sich ja sehr redlich diverser Faktoren, wie in der Spielwiese bei Blogscout noch schön zu sehen, doch leider sind auch diese Werte leicht manipulierbar – vor allem wenn es denn mal als „wirtschaftlicher Faktor“ herhalten soll werden da die Skrupel ähnlich sein, wie heute beim Versuch der „Beeinflussung“ des Google-Pageranks.

Kurzum: Die Büchse der Werbe-Pandorra ist doch längst geöffnet, das begann längst mit kleinen Banners und hat nur einen kurzen Aufschrei einiger weniger verursacht, weil die, die Werbung neu erfinden wollten (sollten) nur das gefunden zu haben scheinen, was es schon gibt.

Vielleicht wird der Ansatz des Werbeblogger mehr Erfolg haben, allein es wird nur wenigen vorbehalten sein von so einem Modell zu profitieren und es wird schwer werden es zu halten gegen die zunehmende Flut an Werbeplätze, vor allem wenn sie dann mit Cent-Beträgen verschleudert werden. Ein Premium-Angebot (und damit verbunden auch einen Premium-Preis) auf Dauer mit Werbung zu versorgen erfordert viele und gute „Kontakte“, ein hohes Maß an Bedeutung des Blogs und ein gewisser Budget-Umfang (allein um den Initialaufwand einer Kampagne zu rechtfertigen) und nicht zuletzt das technische und branchenspezifische Know-how.

Werbeschalter gehen doch eh gern dem Motto nach (behaupte ich mal so, ganz subjektiv): Wieso soll ich 1.000 kaufen, wenn ich 100.000 zum gleichen Preis kriegen kann. Das muss ich ja auch rechtfertigen vor Kunde und Chef. Und am Ende zählt das Ergebnis … und das weiss eh keiner, wie das dann zustandekam, im Zweifel definiere ich die Deutung dann auch lieber selbst.

Alte Mechanismen in neuen Welten: Da sich keine Solidarität in der Blogospäre finden ließ, werden die Fluten aus allen Seiten auf uns hereinbrechen und am Ende ist es halt wie überall: Werbe-Geballere allerorten und der Preis fällt ins Bodenlose. Wer es sich leisten kann, bleibt werbefrei, sich entziehen als Konsument wird keiner können. Es wird wohl kaum werbefreie Pay-Blog-Kanäle geben.

Oder mag mir da einer widersprechen?