Die Kehrseite der bezahlten Rezensionen

Hinweis: Dies ist kein von trigami vermittelter bezahlter Eintrag.

Ich schreib über trigami und das auch ohne bezahlt zu werden, sowas aber auch. Hintergrund ist eine neue Rezension, die ich gerade vorbereite, und im Rahmen dessen ich mich ein bisschen umgesehen habe, was andere Blogger denn so schreiben.

trigami stand zuletzt wegen einiger Werbekunden Auftraggeber ziemlich in der Kritik, zudem legte der Don einige Finger in ziemlich fiese Wunden, wie der vertraglichen Ausgestaltung dieser „vermittelten Rezensionen“. – Alles führte dazu, dass auch ich das mir jetzt sogar dreimal überlege, ob und für wen ich eine Rezension schreibe. Also insgesamt hat mir die Auseinandersetzung also richtig was gebracht.

Neben den bereits diskutierten Problematiken gibt es aber meiner Ansicht nach noch weitere Probleme dieses Rezensions-Modells. So z.B. der Umstand, dass man sich um so eine Rezension – wenn man denn überhaupt dazu eingeladen wurde das zu tun – noch mal bewerben muss mit einem Bewerbungstext. Nun kann man da nichts unterstellen, aber gefühlt ist es schon so, dass man nur ausgewählt wird, wenn man ein wenig blumig ist und nicht von Anfang an klar macht, dass man in seiner Rezension Tacheles reden wird. Eine Art Vorauswahl? Nun ja, unterstellen kann man natürlich alles, behaupten will man nichts. Aber wäre ich der Auftraggeber, dann würde ich mir das natürlich dreimal überlegen, wen ich da annehme. Daher ist das mit der neutralen Bewertung per se so eine Sache.

Andererseits lese ich dann solche Rezensionen bei NYblog zu dem auch von mir bald behandelten Thema und lese dann, dass sich sogar der Auftraggeber enttäuscht dort zu Wort gemeldet hat: »Too bad you didn’t like the game, but I must say I’m somewhat surprised by the plain negativity of your review and lack of arguments.«

Wie jetzt? Auch noch undankbar oder was? Ne, ich muss ihm da schon mal Recht geben. Eine Rezension ist für mich nicht unbedingt eine vollkommen freie Meinungsäußerung. Das ist alles ein gewisser Spagat. Natürlich (jedenfalls für mich) hat eine trigami-Rezension für den Auftraggeber nicht nur die Intention eine Beurteilung zu bekommen, sondern auch werbliche Aspekte und auch rein strategische Intentionen, wie das auch das Setzen von Links für Suchmaschinen. Davon gehe ich jedenfalls aus. Eine rein negative Beurteilung ist da sicher nicht im Sinne des Erfinders. So what? Wird mancher sagen. Hätten sie halt die Rezension nicht ausschreiben sollen. Und das ist natürlich richtig, aber nicht die ganze Wahrheit.

Der Idealfall dieses Geschäftsmodells stelle ich mir so vor: Ein Auftraggeber ist von seinem Angebot überzeugt und will eine ehrliche Meinung und konstruktive Kritik von der Zielgruppe (= Blog-Rezensionen). Um Auftraggeber zusammenzubringen gibt es eine Vorauswahl (über das Profil bei trigami) und den Bewerbungstext. Läuft alles prima, schreibt ein interessierter Blogger über ein Angebot, dass ihn und damit auch seine Leser zumindest schon mal grundsätzlich interessiert. Ist das Angebot des Auftraggebers dann tasächlich schlecht gemacht, dann muss er auch mit der schlechten Kritik leben.

Offenheit und Ehrlichkeit in allen Phasen dieses Procederes wäre insoweit maßgeblich um das Geschäftsmodell „erfolgreich“ zu machen. Auftraggeber, die nur mit der Prämisse kommen, „billig“ Links zu kaufen und Meinung zu manipulieren indem man nur positive Rezensionen „bestellt“, zerstören die Glaubhaftigkeit ebenso wie speichelleckende Rezensions-Söldner, die nur auf die Kohle schauen. Aber eben auch Negativ-Rezensenten, die irgendwie zu der Rezension kamen und dann mal richtig abledern – sei es aus Desinteresse, sei es, weil das auch ziemlich en vogue ist, die Hand, die einen gerade füttert, zu beißen. Kommt cool, kennen wir ja aus anderen Werbeformaten, wenn ich da auch kein Konzept unterstellen will, ist eher eine gefühlte Stimmung manchmal.

Nun will ich den NYblog-Blogger nicht explizit ans Bein pinkeln und ihm auch gar nichts unterstellen, weil ich mich dazu auch gar nicht mit ihm oder seinem Blog tiefer auseinandergesetzt habe – es war mir nur der Anlaß für diese Überlegungen.
Denn wenn einer ausdrücklich eine Promo-Internet-Spiel bewerten soll, dann aber schreibt, dass er »generell keine Spiele« spielt und dies »insofern als reine Zeitverschwenung betrachte[t]«, dann frage ich mich, wie das passieren konnte, dass Auftraggeber und Rezensent überhaupt zusammenkamen. Dass dann der Auftraggeber bemängelt (so denn der Kommentar im Blog authentisch ist), dass doch wenigstens konstruktive Kritik angebracht hätte werden können (immerhin zahlt man ja genau da für), sind bei Aussagen wie: »Viel zu überladen, ein nerviges Spiel und einen Sinn, welcher sich mir nicht offenbart. Die Grafik ist billig. Der Sound nervig. Mag sein, dass Europa-Zugreisenden eine solche Seite gefehlt hat. Mir jedoch nicht.« mir jedenfalls nachvollziehbar.

Your post underlines to me that the Trigmai concept has to mature quite a bit more.
By working with Trigami I am looking for some honest, yet constructive feedback for some new things we are trying out for InterRail. Naturally we can improve in many areas. With feedback from many sources, among which the Trigami reviews, I am looking to set priorities for the next iterations.

With this post you make it very clear that some blogs get this concept and some don´t. I hope Trigami filters out this type of blog quickly and will develop itself as a label for high quality reviews.
Kommentar Stephan

Ganz wichtig: Mir geht es nicht um diese spezielle Rezension und das für und wieder in dem speziellen Fall. Es geht mir darum, dass ich das Modell „Freie Rezension gegen Geld“ gut finde und ich mir wünschen würde, dass es auch sauber funktioniert (gänzlich naiv bin ich aber nicht). Dazu müssen aber alle Beteiligten mitspielen, und dazu gehört auch der schreibende Blogger, der von seiner „Freiheit“ Gebrauch macht.

Das hat mir das Beispiel klar gemacht. Nicht mehr, nicht weniger.