Bemerkenswertes rund um Schottland: Trinken

Und zum Dritten ein paar bemerkenswerte Dinge rund um einen Urlaub in Schottland

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Bemerkenswertes rund um Schottland: Trinken
Bemerkenswertes rund um Schottland: Landschaft

Pub in Schottland - Bild © Endl 2007Kommst du aus Schottland zurück haut dir jeder auf die Schulter und schaut dich mit dem Blick an der sagt: Na, noch ne schwere Birne? Weil eben jeder meint, dass ich, da ich eben auch ein echter Whisky-Freund bin (übrigens: Whisky, nicht Whiskey, das schreibt man mit „e“ nur in Irland und den USA), nach Schottland fahre um alle Distillerys abzufahren und mir 7 Tage die Birne wegzutrinken. Doch au contrair, mon mes amis: Ich habe keine einzige Führung gemacht, nur eine Distillery im Showroom besucht und – bis auf kleine Mitbringsel – nichts Alkoholisches aus Schottland mitgebracht und erst im Duty Free in London noch eine Flasche für mich erstanden.

Pub - Bild © Endl 2007Und warum?

Eigentlich ganz einfach: Erstens musste ich fahren, denn das war der Deal mit meiner Frau (wenn Mietwagen, dann fährst du), zweitens habe ich nichts vom Anblick von Produktionsanlagen, die ich schon aus der Sendung mit der Maus kenne, und Trinken am Nachmittag machte mich noch nie an (bis auf damals mit den Referendarskollegen in Rom … Frascati am Nachmittag im Schatten des Petersdoms … herrlich). Abends waren wir dann eh nach so viel Erlebten zu müde um lange unterwegs zu sein und außerdem (das ist das eigentliche „Zweitens“) ist es viel zu teuer. Also im Vergleich. Die Besteuerung muss ja irre sein, wenn ich das so aus dem Kopf vergleiche. Einen Single Malt kriege ich ja hier billiger als im Lande des Scotch! Ne, soweit ging die Liebe dann nicht und ich begnügte mich mit brittischem, schottischen und irischem Ale und für Abends ein Schlückchen „Blended“ noch als Absacker beim Lesen.

The Classic Malts - Bild © Endl 2007Aber ich ergreife die Gelegenheit um dennoch ein Wort dazu zu sagen: Schottische Whiskys sind ein Traum! Sie werden aus Gerste hergestellt und unterscheiden sich schon mal grundsätzlich zwischen den echten „Malts“ und den „Blended“. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen sind beide aus Gerste gemacht, der echte Malt aber auf Basis von gemälzter Gerste, während man beim Blended vom Mälzen aus Kostengründen absieht und den gewonnen Alkohol später erst versetzt (ein bekannter und auch durchaus guter Blended ist z.B. Chivas Regal, und jeder kennt wohl Johnnie Walker).
Die Könige des Whiskys sind für mich weltweit sowieso die Schottischen („Scotch“, Finger weg von „Bourbon“ *biächpfui) und die besten Schottischen sind Malts, die besten Malts Single Malts (nur aus einer Brennerei, kein Gemische) und die vielleicht besten Single Malts (bis auf einige erlesene, zum Teil mit anderem Finish veredelte oder länger gelagerte Sonderabfüllungen) bezeichent man als die „The Classic Malts of Scotland“ und gemeint sind üblicherweise diese sechs: Lagavulin 16 Jahre alt, Talisker 10 Jahre, Dalwhinnie 15 Jahre, Cragganmore 12 Jahre, Oban 14 Jahre und Glenkinchie 10 Jahre, und alle sind ein Sinnesgenuß erster Güte, und doch so unterschiedlich. Und mein persönlicher Favorit ist Glenkinchie, ein wunderbar ausgewogener milder und doch sehr ausdrucksvoller Whisky aus den Schottischen Lowlands südöstlich von Edinburgh.

Dalwhinnie Distillery - Bild © Endl 2007In den Highlands besucht habe ich die Distillerry von Dalwhinnie, übrigens die höchstgelegene schottische Distillery, und auch der ist ein Genuß. Aber auch andere Single Malts sind nicht zu verachten: Ein Glenmorangie z.B. mit seinen durchaus interessanten Finishs wie dem Port Wood Finish, eine abschließende Lagerung in einem Portweinfaß, dass dem Glenmorangie eine andere Note hinzufügt. Oder auch Glengoyne, einen extrem weichen und auch im Abgang sanften Single Malt, den ich vor Ort bei Loch Lomond direkt in einem Pub das erste mal probierte.

Glengoyle Distillery - Bild © Endl 2007Veranschlagen darf man für einen guten Single Malt durchaus zwischen 40 und 70 Euro pro Liter, also 0,7 Liter Flaschen sind mit 30 Euro, wie z.B. bisweilen für Glenkinchie, gut veranschlagt. Nach oben gibt es wenig Grenzen. Flaschen mit bis zu 150,00 Euro sind dem Kenner durchaus wert. Bestellen kann man übrigens auch online in dem fantastisch gut sortierten „The Whiskey Store“ von Theresia Lüning. Hier passt einfach alles, inklusive der sehr treffenden Geschmacksbeschreibungen, und es ist bisweilen richtig günstig dort, wie eben der Glenkinchie, den ich nur im Duty Free geringfügig günstiger fand. (Eine freundlicher Link ohne werbliche Absichten dahinter)

Erlesene Whiskys - Bild © Endl 2007Guten Whisky trinkt man übrigens nicht – wie man das so aus der Welt J.R.s in Dallas kannte – aus den klassischen großflächigen Zylinderartigen Gläsern, sondern aus nach oben zugehenden Nosing-Glases, also Gläser mit Stiel die unten bauchig sind und nach oben zulaufen, damit nicht das ganze Aroma sofort sich verfliegt. Eis ist ein totales „No Go“ und einizig die leichte Verdünnung mit etwas weichen stillen Wasser ist akzeptabel, um die Volumen-Prozent zu senken ohne den Geschmack zu verfälschen.

Kommen wir aber zur Kehrseite der schottischen Getränkewelt: Dem Bier. Oder wenigstens manchem Bier. Sind die gern ausgeschenkten Biersorten wie „Best“ noch gut trinkbar, fand die beste Ehefrau von allen für die „Real Ales“ nur den Begriff „Plörre“ – und tatsächlich schmeckte das von mir verkostete „Real Ale“ wie ein tagelang in einer rauchigen Kneipe im Glas abgestandenes Dünnbier aus Berlin (oder vergleichbar). Das „Lager“ war da noch die Rettung oder eben Marken wie „Best“, also eher „creamy beer“. Und so zog ich dann mein geliebtes Guinness, auch wenn es Irisch ist, meist dem „Real Ale“ vor, so viel persönliche Freiheit gönnte ich mir.

Tomatensaft (nur im Flugzeug wirklich gut) - Bild © Endl 2007Was bleibt? – Eine kleine Kurisosität namens „Ginger Wine“, ein Aperitif mit Ginger-Geschmack den man tatsächlich auch mit Whisky mischen darf und sich dann „Whisky Mac“ nennt. Ein durchaus beliebter „Frauen“-Drink, ließ ich mir sagen.

Sonst kriegt man so ziemlich alles, was man hier in Deutschland auch bekommt, inklusive importierten Wein (Original „Schottischer Wein“ ist wohl eher ne Art „running gag„, probiert habe ich aber keinen). Bis auf guten Kaffee eben, aber man muss sich ja auch noch auf zu Hause wieder freuen können.

Naja, und Heimflug war dann eh klar…