Ein deutscher Fussballer will nicht gegen Juden spielen
So spitz formuliert will ich das mal hinstellen und auf die Diskussion über »Ashkan Dejagah«, dem in Wolfsburg spielenden deutsch-iranische U21-Nationalspieler, in Andis Blog hinweisen, der auch auf den SPON-Artikel verlinkt.
Spontan bin ich zwiegespalten, gerade weil einem durchaus bewusst ist, was für einen Iraner die Teilnahme an einer Sportveranstaltung in Israel bedeutet. Andererseits ist es vielleicht ein fatales Zeichen, wenn man als Sportverband akzeptiert, dass einer ihrer Repräsentanten aus Gründen von – wenigstens dem Grunde nach, auch wenn das letztendlich nicht siene persönliche Überzeugung sein muss – “Antisemitismus” (ist das das richtige Wort?) die Teilnahme an einer Sportveranstaltung verweigert. Nicht nur in Deutschland, aber gerade auch in Deutschland.
Das Theme Antisemitismus lässt uns einfach nicht zur Ruhe kommen. Und das nicht, weil wir mit unserer Geschichte nicht fertig werden, sondern weil der Antisemitismus nicht aufgehört hat zu existieren.
Es mag feige klingen: Aber zum Wohle von Dejagah hätte ich ihn als Verband wohl einfach nicht für dieses Spiel nominiert. Oder wäre das genau die falsche Botschaft gewesen? Einen 21-jährigen zwischen Angst, Anspruch, Karriere, Politspiel und Medien aufreiben zu lassen, auch wenn dadurch vielleicht eine sinnvolle Diskussion entstehen mag, halte ich mindestens aber auch für bedenklich. Andererseits: Wenn wir uns als Gesellschaft dem beugen, haben wir den Fehler Chamberlains Appeasement-Politik nicht verstanden.
Weitere Diskussionen dazu:
Fritten, Fussball & Bier »Ashkan Dejagah hat gute Gründe«
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So spitz formuliert will ich das mal hinstellen und auf die Diskussion über »Ashkan Dejagah«, dem in Wolfsburg spielenden deutsch-iranische U21-Nationalspieler, in Andis Blog hinweisen, der auch auf den SPON-Artikel verlinkt.
Spontan bin ich zwiegespalten, gerade weil einem durchaus bewusst ist, was für einen Iraner die Teilnahme an einer Sportveranstaltung in Israel bedeutet. Andererseits ist es vielleicht ein fatales Zeichen, wenn man als Sportverband akzeptiert, dass einer ihrer Repräsentanten aus Gründen von - wenigstens dem Grunde nach, auch wenn das letztendlich nicht siene persönliche Überzeugung sein muss - “Antisemitismus” (ist das das richtige Wort?) die Teilnahme an einer Sportveranstaltung verweigert. Nicht nur in Deutschland, aber gerade auch in Deutschland.
Das Theme Antisemitismus lässt uns einfach nicht zur Ruhe kommen. Und das nicht, weil wir mit unserer Geschichte nicht fertig werden, sondern weil der Antisemitismus nicht aufgehört hat zu existieren.
Es mag feige klingen: Aber zum Wohle von Dejagah hätte ich ihn als Verband wohl einfach nicht für dieses Spiel nominiert. Oder wäre das genau die falsche Botschaft gewesen? Einen 21-jährigen zwischen Angst, Anspruch, Karriere, Politspiel und Medien aufreiben zu lassen, auch wenn dadurch vielleicht eine sinnvolle Diskussion entstehen mag, halte ich mindestens aber auch für bedenklich. Andererseits: Wenn wir uns als Gesellschaft dem beugen, haben wir den Fehler Chamberlains Appeasement-Politik nicht verstanden.
Weitere Diskussionen dazu:
Fritten, Fussball & Bier »Ashkan Dejagah hat gute Gründe«
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Ich glaub, das war's.
8 Comments
Das Problem, dass wir aus diesem “Dilemma” (Vergangenheit, Verhältnis DEU/ISR, …) nie herauskommen liegt m.E. darin, dass wir auch nach 60 Jahren immer noch nicht “normal” damit umgehen (wollen?/dürfen?) und solche Vorgänge wie diesen immer wieder (wie es mal ein berühmter Fußballer – wer war’s nochmal? – sagte) hochsterilisieren.
Etwas mehr Normalität würde uns allen guttun.
Hätte es nicht für gut befunden, wenn der Dejagah z.B. eine Verletzung vorgetäuscht hätte. Ob man sein Verhalten jetzt gutheißt oder nicht, es ist nun mal die Realität, dass Iran mit Israel ein Problem hat (und er bzw seine Familie evtl mit Nachteilen hätten rechnen müssen).
Soll er sein privates Leben wegen der deutschen Vergangenheit aufs Spiel setzen? Glaube nicht.
andi … ja, klar … aber so einfach ist es dann doch nicht. Es geht eben darum ob man diese Verhaltensweise toleriert (oder: sich dieses Drucks eben beugt) und wenn man es toleriert, tut man denen, die damit diskriminiert werden keinen Gefallen – hier kann man gar nichts “richtig” machen, hier muss man Stellung beziehen – und die Situation wurde von außen an einen herangebracht (also keine eigene Schuld).
Es ist eben keine Frage dessen, ob er dem Mannschaftsessen fern bleibt, weil es Schweinefleisch gibt – hier ist ein deutscher Nationalspieler der in Israel nicht spielen will, weil ein Land, dass er ja nicht einmal als seine Heimat betrachtet, ihm Konsequenzen droht. Ich meine mich an den “Fall” Lizarazu zu erinnern, der als Baske bedroht wurde für Frankreich zu spielen. Darf man Drohungen denn “offiziell” nach geben, sie für gut und verständlich heißen?
Wie hättest Du entschieden? Wie heißt es nochmal? Die Hose ist einem näher als das Hemd? Blut ist dicker als Wasser?
Soll er Konsequenzen für sich und seine Familie in Kauf nehmen, nur weil einige Leute (Politiker, DFB, Zentralrat, …) meinen, er dürfte sich nicht so verhalten weil es ‘politisch nicht korrekt’ ist?
Soll er seine Familie gegen eine Karriere in der Nati und ein politisch eingeredetes reines Gewissen eintauschen?
Wer hilft ihm, wenn er nicht mehr in den Iran reisen darf oder ihm oder seiner Famile was passiert? Die CDU? Der DFB? Der Zentralrat der Juden?
Tzzz, das kann ja wohl nich…. Da gibts nichts lang zu fackeln! Ihm muss die Pistole auf die Brust gesetzt und gesagt werden: Entweder Du spielst oder Du gehst. Basta.
Der VfB Wolfsburg doch nicht das Kreiswehrersatzamt.
Immerhin ist es so, dass es öffentlich geworden ist. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es diese Diskussion bei Hashemian auch gab – oder zumindest nicht so extrem (er war ja auch offiziell verletzt).
Die (traurige) Erkenntnis ist doch vielmehr, dass Sport nicht mehr nur Sport ist – sondern Spielfeld für allerlei andere gesellschaftliche Probleme: Tagespolitik (Iran – Israel aktuell, Zagreb – Belgrad 1990), Gesellschaftskritik (Allianz-Arena => Arroganz-Arena) usw.
und wenn ein jude nicht im iran spielen wollen würde? was würden wir dann sagen?
das gleiche, wenn es die gleichen Hintergründe hätte