»Ja!« zum Bundestrojaner

Symbolfoto © Endl 2007

Ich bin zornig. Seit gestern zieht sich das durch meine Hirnwindungen. Wieder mal. Ich hätte vielleicht einfach nicht meinen Referer der letzten Wochen studieren sollen.

Es kotzt mich förmlich an, und ich übertreib nicht mal, es verursacht mir ein beklemmendes Gefühl in der Magengegend, meine Hände verkrampfen sich. Tag um Tag, Woche um Woche, Monat um Monat schwemmt Google sie herein. Pädophile, und wohl solche die es gern werden wollen. – Ja, ich hab das „selbst mit verschuldet“, mit meinem Beitrag genau darüber, über Pädophilie. Für Googles Ergebnisse spielt es dabei keine Rolle ob der Artikel sich nun gegen wendet oder ein Angebot darstellt. Und so kommen sie. Über „ehrwürdige“ IPs namhafter Firmen und Institutionen, suchen nach Bildchen und Filmchen, je jünger und härter desto besser. Die Suchkombinationen, die in meiner Statistik natürlich angezeigt werden, sind eindeutig, sie sind widerlich.

Ich kann euch sehen, die ihr da teilweise vollkommen ungeniert am Arbeitsplatz über Google nach der Befriedigung eurer perversen Fantasie sucht. Ich lese eure IP, sehe was ihr sucht, und mit dem nächsten Klick auf meine private Bildergalerie, deren Zugriff ich euch aber dank Passwort wohlweißlich verweigere, beginne ich euch zu hassen. Namenlos, ohne Gesicht.

Es sind keine Einzelfälle, 100 suchten entsprechende Bildern, weitere 100 nach pornographisch-pädophilen Videos und Downloads – ich könnte die Liste fortsetzen und detailliert wiedergeben bis auch dem letzten Leser schlecht wird wie mir. Und wir sprechen nicht von einem Jahr. Wir sprechen bei diesen Zahlen von nur einem Monat. Jeden Tag sicher 10 bis 20 einzelne Menschen, die suchen. Eindeutig.

Ja, der Gesetzgeber macht sich Gedanken über Kinder-Pornographie – und was für welche. Wie hier zu lesen will er die Strafbarkeit verschärfen. Will jetzt auch unter Strafe stellen, wenn die Abgebildeten nur so aussehen wie Kinder/Jugendliche, und nebenbei noch Sexualität zwischen Jugendlichen unter 18 unter Strafe stellen – wie weltfremd, wer mal die Jugendszene beobachtet und sieht wie das Thema immer früher ‚zum Thema‘ wird.

Und dabei zählt dann nicht einmal mehr ob es sich um eine reale Darstellung handelt, sondern nur wie die dargestellten Jugendlichen wahrgenommen werden. Eine ferkelige Harry-Potter Fotomontage, wie man sie jüngst noch in einem Spiegel-Online-Artikel sehen konnte, würde genauso strafwürdig, wie Pornos mit jünger aussehenden Volljährigen.
Quelle: Batzblog

Wir haben keine Gesetzesdefizit, sage ich und viele andere, wir haben ein Gesetzvollzugsdefizit. Wenn ich solche Suchende identifizieren kann, warum nicht auch der Gesetzeshüter. Wer würde gegen mich wetten, wenn ich behaupte: Wer nach solchen Suchbegriffen sucht, bei dem wird man auch auf seiner Festplatte fündig? Warum macht es nicht die Polizei oder die Staatsanwaltschaft? Warum bauen sie nicht Fake-Seiten auf und schnappen sich einfach die Schweine, die sich daran ergötzen wenn Kinder vergewaltigt werden vor laufender Kamera? – Ohhh, stimmt ja. Da ist ja die Agent Provocateur-Problematik im Rechtswesen. Man darf doch keinen braven Bürger zur Straftat anstiften. Nur sind hier keine braven Bürger zu schützen, der Täterschutz darf auch hier nicht dem Opferschutz vorgehen wenn man mich fragt. Und warum also darf ich dem keinen Suchspion auf den Rechner jagen, bevor ich im mit Riesenaufwand die Bude bei der Hausdurchsuchung auseinandernehme?

Ich weiß, Schäuble hat sich mit viel Mühe zum deutschen Anti-Helden der Politik hochgearbeitet. Sicher eine Frage seiner persönlichen Ansichten, aber sicher auch eine Frage seiner Rolle als Innen-Minister, die von jeher die Aufgabe des „bad cop“ der Regierung übernehmen durften. Er spielt sie in jedem Fall überzeugend.

Ein Bundestrojaner, also eine Suchsoftware, die es emöglicht »entfernte PCs auf verfahrensrelevante Inhalte hin zu durchsuchen, ohne tatsächlich am Standort des Gerätes anwesend zu sein« stößt bei mir nicht nicht automatisch auf ein Nein. Im Gegenteil. Warum nicht? Warum nicht die Pädophilen dieser Welt so in Angst und Schrecken versetzen? Dass wir – so der Bundestrojaner denn komme – dabei das ganze Sortiment deutscher Bürokratie und Rechtsstaatlichkeit auffahren müssten, sei mal angenommen und unterstellt. Gern mit Richtervorbehalt, gern erst ab einer Ansammlung massiver Verdachtsmomente. Aber warum muss ich diese fast schon abartige Freizügigkeit, mit der man sich im Netz bewegen kann und seiner Perversion nachgeht, zulassen?

Ich weiß. Leider. Weil … Weil man den Bundestrojaner, wenn man ihn schon mal hat, auch anderweitig einsetzen würde. Weil man die Büchse der Pandorra besser erst nicht öffnet. Weil man die Straftaten nicht bekämpft, wenn man sie in den Untergrund verdrängt. Weil man besser die dicken Fische kriegt, wenn man die kleinen in vermeintlicher Sicherheit schwimmen lässt und sie sich in ihrer Leichtfertigkeit dann vielleicht mal verplappern. Ich weiß.

Aber versteht mich, wenn ich manchmal einfach gern denen, die da über mein Blog rauschen, eines reindrücken würde. Versteht mich, wenn ich denen einen Bundestrojaner an den Hals wünsche, wenn sie dann aus ihrem behaglichen Reihenhäuschen direkt hinter dem Grill abgeführt werden und der PC konfisziert wird und die Nachbarn tuscheln: Hast du gesehen, die haben den Meier/Müller/Schmidt abgeführt und seinen PC mitgenommen. Na da weiß man doch was los ist…. Umso härter trifft mich dann die Erkenntnis, dass alles nichts bringt. Weil das Problem nicht da draußen, sondern da drin ist. Im Kopf von zu vielen Menschen in einer kranken Gesellschaft, krank, wenn sie so etwas gebiehrt. Oder ist es am Ende eine Facette, eine Missbildung unserer menschlichen Natur? Ich weiß nicht, welche Erkenntnis mir gerade lieber wäre.