Auch wenn ich mich nun bei einem Bevölkerungsteil unbeliebt machen sollte …

Streik vor dem Hauptbahnhof Frankfurt © Endl 2007

Aber dann ist das ein überschaubarer Bevölkerungsteil, denn so viele Lokführer gibt es ja nicht und Sympatisanten scheinen mir auch wenige in Sicht

Sorry, liebe lebendingen Beweise dafür, dass allein das Erreichen des Kindheitstraums von Millionen von Kindern wohl nicht per se zur vollendeten Glückseeligkeit führt. Und ich habe für euren Bahnstreik, liebe GDL, null Verständnis. Jedenfalls mindestens keines mehr…

Eure Forderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag mag ich noch hinnehmen, auch wenn ich nicht weiß was euch so viel wichtiger macht als die anderen in euerem Biz, so wichtig und eigenständig, dass ihr unbedingt einen eigenen haben müsst. Die Reduzierung auf 40 Wochenstunden (von horrenden und menschenfeindlichen 41! in Worten: einundvierzig!) mag euch auch ein wichtiges Anliegen sein, wie auch der Wunsch 31 Prozent mehr zu verdienen und ein Einstiegsgehalt von 2.500 Euro zu haben … ja ja .. wer träumt nicht gerne … *lächelt milde*

Aber was in aller Welt fällt euch ein dafür halb Deutschland derart auf den Sack zu gehen? Wenn ich mehr Gehalt will, muss ich halt woanders hingehen oder ne Fortbildung machen! Kann ich als ÖPNV-Fahrer was dafür, dass ihr nen Rappel bekommt und unbeschreibliche 2.500 Euro als EINSTIEG haben wollt? Einem, wenn ich Recht informiert bin, Ausbildungsberuf alias »Eisenbahner im Betriebsdienst«! Nichts gegen Ausbildungsberufe, aber so ein Rechtsanwalt mit gefühlten 24 Semestern Studium und Ausbildung als Referendar fangen nicht selten bei 1.700 an, bei 60 Stunden und mehr Wochenarbeitszeit und unsicherer Zukunft. Studierte Grafikdesigner – um ein anderes mir nahe stehendes Berufsfeld mit anzusprechen – beginnen gemeinhin bei 2.000 und sind froh wenn sie das in Festanstellung kriegen. Arbeitszeiten? *leise hüstelt*

Sorry, wenn ich da für durchaus geschätzte Fachkräfte, die aber für den Laien ‘nur’ in einem kleinen Führerhäuschen sitzen und gucken, dass die Geschwindigkeit eingehalten wird (sicher gibt es noch viele wichtige andere Aufgaben, die sich mir nur nicht aufdrängen gerade), für diese Forderungen wenig Verständnis aufbringe. Oder besser: Mirwegen kartelt das mit euren Chefs aus. Aber lasst doch bitte den Rest der Leute in Ruhe, die sich bisweilen für weit mehr Aufwand weit weniger Kohle abholen und nun sich den Streß antun müssen oder sich den Anpfiff vom Chef anhören müssen, weil denen Streiks wurscht sind: zu spät ist zu spät.

Ich will nicht unfair sein und die Leistung irgendeines Berufsstandes diskreditieren. Aber bei diesen Forderungen – ganz unabhängig von sonstigen Verlautbarungen – habe ich einfach kein Verständnis, warum die breite Öffentlichkeit und vor allem die sozial schwachen, die nicht mal eben aufs Auto umsteigen, also die, die wirklich darauf angewiesen sind, leiden müssen. So jedenfalls rückt der Kindheitstraum aber sowas von schnell in die Schußlinie der Kritik. Das müßt ihr euch gefallen lassen. Und sind wir doch mal ehrlich: Wer weiß ob es euren Beruf noch in ein paar Jahren gibt …

[Bitte auch unten die Kommentare zum Thema beachten, danke]

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Facebook-Kommentare

7 Comments

  • 1
    18. Oktober 2007 - 18. Oktober 2007 15:04 | Permalink

    Traurig aber wahr, der Streik geht inzwischen mehr Menschen auf den Sack als dass er als “verständlich” angesehen wird. Zumindest was meine nähere Umgebung angeht. Und ich hoffe, dass die GDL nicht ernsthaft meint, dass die 30% (oder wie viel mehr die haben wollen) wirklich erreichbar seien… bei einem Streik ist das eine Ausgangsbasis, an der man normalerweise nie ankommt – bisher nicht und auch bei der GDL nicht. Viel eher werden die die Bahn zugrunde richten und dann einfach ohne gar nichts dastehen :)

    Vorsicht: Überspitzt :D

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  • 2
    18. Oktober 2007 - 18. Oktober 2007 15:24 | Permalink

    Es ist doch gar nicht so schwer zu verstehen. Es geht um einen Tarifvertrag der die Arbeitsweise und das Risiko der Lokführer abbildet. Die 31 Prozent sind das rote Tuch mit dem der Stier gereizt werden soll.

    Ich habe dich nicht schreien gehört als Mehdorn und seine Leute sich selbst 300 Prozent mehr Lohn gaben.

    Ich habe dich auch nicht gegen das Arbeitsgericht Chemnitz wettern hören, das wollte, das die kleinen Leute, die Pendler in den Regionalzügen und S-Bahnen bestreikt werden und nicht die Herren in den Fernzügen.

    Es sind nicht die Lokführer, es ist das System.

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  • 3
    18. Oktober 2007 - 18. Oktober 2007 15:37 | Permalink

    Ich habe dich nicht schreien gehört als Mehdorn und seine Leute sich selbst 300 Prozent mehr Lohn gaben.

    Ich habe dich auch nicht gegen das Arbeitsgericht Chemnitz wettern hören, das wollte, das die kleinen Leute, die Pendler in den Regionalzügen und S-Bahnen bestreikt werden und nicht die Herren in den Fernzügen.

    Oh doch! und wie ich schrie. Und ich habe so “Verständnis” für die Ungerechtigkeit und für den Zorn wegen fetter Managergehälter. Aber hier hat die GDL überzogen, weil sie eine für mich sozial ungerechte Forderung aufstellte, die anderen Berufen nicht gegenübergestellt werden kann. Und das nur, weil man hier die Waffe in der Hand hält und 80 Mio. Leute lahm legen kann, während andere halt zum Chef gehen müssen und im Zweifel rausfliegen.

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  • 4
    18. Oktober 2007 - 18. Oktober 2007 15:45 | Permalink

    Jochen … wer meinen Background verstehen möchte dem empfehle ich den Artikel:
    http://www.endl.de/weblog/2005/09/12/wer-kann-sich-eigentlich-sich-selbst-noch-leisten/

    Für mich hat die GDL einfach überzogen und nutzt ihre Position aus um Individualinteressen ihrer Mitglieder auf Kosten der Gemeinsachaft durchzusetzen. Wir reden nicht über Ungerechtigkeit zwischen Managern und denen da unten, hier rede ich über Verhältnismäßigkeit in einem speziellen Fall.

    AntwortenAntworten

  • 5
    18. Oktober 2007 - 18. Oktober 2007 18:08 | Permalink

    Beim ersten Streik habe ich ihn aus meinem Fernsehsessel heraus gebilligt bzw. es war mir einfach egal. ich vermute, dass die 60 % der Leute, die den Streik toll finden, genau aus dieser Gruppe rekrutieren.

    Heute war ich dannn am Bahnhof und wollte verreisen und da war es dann mit der Freundschaft aus und ich zähle mich jetzt zu den 40%, die das nicht so toll finden mit dem Streik.

    Vereinfacht dargestellt, ist doch die Frage an die Bahnkunden: Haben Sie Lust tiefer in die Tasche zu greifen, damit die Beschäftigten mehr Geld bekommen?
    Das ist dann vermutlich die gleiche Antwort, die man der Kassiererin an der Discounterkasse geben würde.

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  • 6
    23. Oktober 2007 - 23. Oktober 2007 19:01 | Permalink

    Lokomotivführer:
    ein Berufsstand, der dabei ist, sich überflüssig zu machen.
    a) “Führerlos” gibt’s schon (einige S-Bahn-Versuche, Flughafenbahnen …)
    b) Bei Tempo 300 im ICE reagiert ein Mensch einfach zu langsam – er kann nur noch zugucken, wie die Maschinen ihre Arbeit machen.
    c) Alle ahnen es, daher jetzt noch schnell ran an die Marie…

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    Ich glaub, das war's.