Googles Crusade

Ewas martialisches Symbolfoto zum Titel - Bild © Endl 2007

Es war anno domini 2007 nach Christus, als eine große, einst friedliche Macht aus dem Westen mit einer großen Streitmacht auszog, um die rebellischen Provinzen in aller Welt aufzuspüren und gewaltsam zu befrieden, um sie unter die Statuten der Macht zu unterwerfen und sie dazu zu bringen den Lehnseid zu leisten – oder den Reichsbann zu spüren…. ach ja: Widerstand ist zwecklos.

Google Kreuzzug geht also weiter, zwischenzeitlich erfreuen sich diverse Blogs, darunter auch meines, eines PageRanks von Null.

Der Lehnseid wird meist unter Verwendung traditioneller Formen geleistet, er beinhaltet das Treuversprechen gegenüber dem Herrn und das Akzeptieren der Folgen bei Treuebruch, auf der Gegenseite aber auch das Treue- und Schutzversprechen des Herrn gegenüber seinem Lehnsmann.

Noch kann man das als Säbelrasseln bezeichnen, denn offenbar schadet der PageRank weder den Zugriffszahlen noch dem tatsächlichen Ranking bei Google, aber wer sich hier nun schon zu höhnischen Kommentaren hinreißen lässt, Marke “was kann denn nun noch schlimmer werden als Null” oder “was juckt mir der PR”, der sollte sich bewusst sein, dass die Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist. Naheliegendes Szenario bei weiterem Ungehorsam: Totale Entfernung aus dem Google Index. Das würde dann schon spürbarer sein. Vielleicht sogar ein Ausschluss von Google AdSense, gut, das wäre dann vielleicht wenigstens konsequent, vielleicht sollte man dem eh selbst zuvorkommen.

Einwurf – was wäre denn wenn …? Wenn Google negativ sanktioniert? Natürlich nicht offiziell, aber durchsickern kann man es schon lassen. Was wäre, wenn Google begänne (rein hypothetisch, aber wer will mir heute das mit Sicherheit ausschließen) Links von ‘ungehorsamen Seiten’ so zu bewerten, dass sie einem anderen ‘schadet’? Wie lange würde es dann dauern, bis die ersten Mails dich erreichen, die dich darum bitten den Link auf sie doch wieder zu entfernen. Wäre das am Ende dann vielleicht sogar justitiabel? Per Link eine Schädigung des Geschäftsbetriebs? Das sind Spekulationen, aber sei nur gezeigt, dass Irrsinn nicht unbedingt rationale Grenzen haben muss.

Googles Crusade, also Googles Kreuzzug – und dieser Terminus ging mir schon die die ganze Zeit durch den Kopf und man muss nicht lange suchen um andere zu finden, denen dieser Begriff auch schon auf den Lippen lag. Ein Kreuzzug? Was hat diese Begrifflichkeit denn gemein mit der Neubewertung eines PageRanks? Für mich ist es naheliegend. Denn es sind dem Grunde nach Glaubenskriege, in denen ausgezogen wird unter der Fahne des Guten und Wahren das Böse zu besiegen, und doch stehen hinter den vermeintlich “hehren Zielen” – wie einst bei den Kreuzrittern – auch hier knallharte wirtschaftliche und imperialistische Motive. Ein paar Überzeugungstäter sind natürlich an der Front und vorne dran, aber die Maschinerie im Hintergrund, die Geldgeber und Anteilseigner, die werden – davon bin ich überzeugt – nicht nur die Verbesserung der Suchergebnisse des kleinen Mannes im Sinne haben, denn es geht um Macht, Marktmacht, Alleinstellung, Einfluß, Geld.

Warum ich das meine? Ein Indiz: Weil z.B. trigami – nur um ein Beispiel zu nennen und offenbar nach einhelliger Meinung der Beobachter, auch im Zenit der Aktionen stehend – seinen Rezensenten anbietet das sogenannte “nofollow”-Attribut zu nutzen, also exakt die Auszeichnung für einen Link, die einer Suchmaschine es ermöglicht einen werblichen Link zu ignorieren. Ich setze den jetzt auch bspw. selbst aktiv und bewusst ein, aber Google mag mir erlauben oder nicht, wenn ich auch im Rahmen einer Rezension zum gedanklichen Schluß komme, hier einen Link ohne nofollow zu setzen, weil ich davon überzeugt bin und mich für den Link weder schäme noch mich dabei verbiegen will, dann tue ich das. Eine Differenzierung seitens Google sehe ich aber nicht – und sie wäre auch in der Tat kaum zu leisten ohne Einzelfallentscheidungen.

Ich warne (ich weiß, Warnungen dieser Art gehen eh in den Wind) die Sympathisanten der Google-Aktion und die “Nebenkläger”, die nun freudig und am lautesten applaudieren und im Kielwasser der Kreuzfahrer ihre Botschaften ins Land streuen. Denn die Geister die ich rief, werde ich vieleicht bald nicht mehr los. Ich kann nicht wider besseres Wissen und nur weil mir gerade mal das Fähnchen und der Windstand passt heute applaudieren und morgen den gleichen Mechanismus anprangern, wenn es dann ans eigene Kontor geht.

Ich sag es gerne noch mal, auch wenn ich mich wiederhole, weil manche ja ungern lesen was eigentlich gemeint ist und nur was man selbst gerne lesen will: Ich persönlich sehe ein, dass gekaufte Links keine gute Idee sind und waren und in ihrer Reinform dem ganzen Netz vielleicht sogar schaden, ich bin entsprechend an der Umstellung um hier mit nofollow zu reagieren. Aber ich lasse mir nicht sagen, worüber ich schreiben soll und warum. Wenn ich selbst überzeugt bin (und dazu gehört Legalität ebenso dazu wie Seriösität, aber auch einen kritischen Link werde ich nicht maskieren), werde ich mir nicht in Hörigkeit mein Linkverhalten diktieren lassen. Noch kann ich mir dieses Luxus erlauben, denn selbst ein Entfernen aus dem Google-Index würde ich trotz Schmerzen überleben, zu viel spielt sich bei den Bloggern schon auf der Direktkommunikationsebene ab, umso schlimmer finde ich die Tendenzen einiger Blogs hinter Pings und Trackbacks Werkzeuge des Bösen zu vermuten – anyway.

Bloggen ist meine Leidenschaft und – ja! – auch benötigtes und gern genommenes Zubrot. Meine Überzeugung, meine Leidenschaft, meine Entscheidungen. Google bringt mich mit diesem Verhalten aus einer neutralen Beobachterposition zunehmend und ungewollt in die Rolle der Opposition. Ich mag diese Verhaltensmuster nicht, aber manchmal hat man keine Wahl als Stellung zu beziehen. Noch aber ist es “nur” ein Säbelrasseln auf beiden Seiten. Verlierer wären schon abzusehen: Die Internet-Nutzer, die dann aus dem “einen Netz” künftig zwischen dem “G-Netz” und “dem Rest” wählen müssen.

Und wieder fällt mir zum Abspann ein altes Liedgut ein, das ich inhaltlich aber so gar nicht zuordnen kann gerade…

Saxon – Crusader (Lyrics)

To battle, to battle, the Saracen hordes
We follow the warrior king
Onward, ride onward, into the fight
We carry the sign of the cross
Warlords of England, Knights of the Realm
Spilling their blood in the sand
Crusader, crusader, the legend is born
The future will honour your deeds

Fight the good fight
Believe what is right
Crusader, the Lord of the Realm
Fight the good fight
With all your might
Crusader, the Lord of the Realm

(Come Crusader let battle commence)

[da steht commence! - nicht commerce!]

Wer es hören will: Direktlink zu YouTube

{lang: 'de'}




Facebook-Kommentare

4 Comments

  • 1
    18. November 2007 - 18. November 2007 13:26 | Permalink

    Auch mein Blog hat Google auf Null gesetzt. Und ich mache mir nicht die Mühe Google verstehen zu wollen (von wegen Linkmanipulation etc.).
    Es ist die Arroganz von Marktbeherrschenden, die Google hier zeigt.
    Ich nenne das Treibjagd!

    Und mal ehrlich: ist das mit der Linkmanipulation nicht nur vorgeschoben, damit Google die eigenen Produkte besser positionieren kann?

    Nur meinem Ego tut es ein wenig weh, jetzt auf PR 0 zu sein.
    Aber das vergeht :-)

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    Ich glaub, das war's.