Benzinpreiskrieg

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Aktuell tourt eine Power-Point-Präsentation die im Stile eines Schneeballsystems darum wirbt, zwei der führenden Ölgesellschaften zu boykottieren, damit so ein Preiskrieg entsteht (Motto: Wenn die Nachfrage sinkt, müssen die doch mit niedrigerem Preis reagieren).

Ich sag es offen: Das ist Schrott

Klar glaubt keiner die Mär mit den obskuren Begründungen, warum heute dies und morgen das an der Erhöhung ursächlich sei. Die Begründungen, wenn sie nicht eh schon an den Haaren herbeigezogen klingen, vergehen dann meist still und heimlich, aber die Erhöhung bleibt natürlich bestehen.

Und klar weiß man auch, dass da der Staat brav die Klappe hält, weil er ja viel dabei verdient und mit jeder Erhöhung nochmal proportional noch mehr verdient. Aber Ursache und Wirkung bitte auch nicht durcheinanderbringen: Am Benzinpreis der Konzerne hängt die Ausgangsgröße, nicht an der Steuer, auch wenn sie happig ist in Deutschland. Niedriger Preis ist auch direkt proportional niedrigerer Steueranteil. Nach oben aber ist es eine Spirale des Irrsinns, vor allem für die, die nicht aus Gaudi Auto fahren. Wir sind in Zeiten, bei denen man vom Arbeitnehmer (gerade auch im Niedriglohnbereich) Flexibilität fordert, die nur mit dem Individualverkehr zuverlässig zu gewährleisten ist (wie man gerade mal wieder sieht, mit Grüßen an Bahn und GDL). Gerne reden wir über Alternativen, aber zur Zeit gibt es keine für viele Menschen.

Bei allem Frust: Einseitige Verbraucher-Partisanen-Aktionen gegen ausgesuchte, aber eben doch beliebige Unternehmen? Nein, das ist für mich erstens seitens der Initiatoren, Aktivisten und Unterstützer rechtlich angreifbar und sehr heikel, da geschäftsschädigend, und zweitens ist die Herangehensweise schlicht falsch, da fragwürdig, ungerecht, unausgewogen und unter dem Strich auch nicht durchdacht. Denn die Umverteilung von dem einem großen schwarzen Schaf auf das andere kleine schwarze Schaf, das kann doch nicht die Botschaft sein. Der Vorschlag per Mail von JayJay lieber einen (oder mehrere, oder viele!) autofreie Tage auszurufen, wäre da nicht nur ökologisch sinnvoller, es setzte auch das richtige Zeichen: Konsumverzicht!

Auch wenn ich eigentlich den Individualverkehr generell den falschen Ansatz finde (aber das ist ein Thema für ein ander mal), so finde ich persönlich diese Benzinpreiserhöhungen reine Abzocke. Allein wegen des niedrigen Dollars müsste nach meinem Verständnis das Benzin doch aktuell billiger werden (- hatte man damals wegen hohen Dollarkurses nicht immer erhöht?).

Zudem halte ich es für dreist dem Verbraucher Glauben machen zu wollen, alle Preisrunden würden seit Jahrzehnten immer bei allen Anbietern ganz zufällig nahezu identisch ausfallen. Ein Benzinpreis wie Gott gegeben, sowas wie unterschiedlicher Einkauf, unternehmensspezifisch-abweichende Kostenstrukturen, sowas wie variable Vorräte, die auch mal eine andere Kalkulation als die Konkurrenz erlauben würden, wenigstens für eine Zeit, scheinen in der Benzinbranche nicht existent zu sein. Ich halte das alles für einen großen Schmarrn und warum das ein Kartellamt so als richtig und ohne Absprache bewertet, lässt mich an dessen Seroösität und Unabhängigkeit zweifeln.

Also wie wäre es mit einem Aktions-Tag: Autofreie Blogger und Sympatisanten

Dann könnten wir wenigstens ein symbolisches Zeichen setzen. Immerhin.