Killerspiele – oder: Wie die Medien eine Diskussion kaputtmachen

Da ist sie wieder, die Killerspiel-Diskussion. Wo war sie eigentlich? Problem gelöst? Ach ja, beinahe zwei Amok-Läufe gehabt wie damals in Tessin, deswegen wohl, damals als ich mir als Vater so meine Gedanken machte, oder damals bei Sebastian B..
Was ist zwischenzeitlich passiert? Stimmt, Herr Beckstein wollte mal vorstoßen und gleich mal alle Käufer für 1 Jahr in den Knast stecken.

Aber die Medien bleiben dran, wider das Vergessen, löblich, oder? – Gar nichts ist löblich, es ist alles populistische Scheiße, was da wiedergegeben wird, Volksverdummung aus der ersten Reihe oder mit dem zweiten, mit dem man besser sieht, direkt aus den öffentlich-rechtlichen Medienanstalten, jedenfalls wenn auch nur das Video von Matthias Dittmayer, worauf Stefan Niggemeier in seinem Artikel »Medien im Blutrausch«, auch wenigstens nur im Ansatz stimmt. Und auch ohne es prüfen zu können, Zweifel habe ich leider nicht, zu sehr passt es ins Bild, zu sehr war es nicht anders zu erwarten, wenn Dittmayer die Sendungen „Panorama”, „Hart aber Fair”, „Kontraste” oder „Frontal 21″ unter die Lupe nimmt und statt Fakten nur noch Populismus findet. Aber seht erstmal selbst:


Direktlink zu YouTube

Warum ich mich aufrege? Nicht weil ich ein Freund der Killerspiele wäre oder je würde, das habe ich in den eingangs zitierten Artikeln hier im Blog oft genug dargelegt. Ich rege mich auf, weil diese Art der Berichterstattung alles zerstört, jede Diskussion. Sie formiert Meinungsblöcke, aufgebaut auf Vorurteilen und Halbwissen, Stammtischparolen und Binsenweisheiten, gepaart mit selektiver Desinformation. Es geht ihnen offensichtlich nicht um das Problem, oder eine Lösung. Es bedient. Es bedient den Massengeschmack, das Vorurteil. Ein Thema das reißt muss auch reißend gemacht sein. Man wollte nichts subtiles, differenziertes, man wollte den Bang. Keine Zwischentöne, klare Botschaften. Und was nicht passte wurde passend gemacht.

Statt anzufangen zu verstehen, aufeinander zuzugehen, werden die Brücken mit solcher Berichterstattung eingerissen und die Gräben vertieft. So kriegen wir nie eine Lösung auf ein gesellschaftliches Phänomen und vielleicht auch Problem, auch wenn es (vielleicht: noch nicht) beweisbar ist.

Ich wiederhole mich gern: Mir geht es nicht darum, wann welche Grenze wo überschritten ist, mir geht es um den Grundsatz, die Frage: Warum gibt es überhaupt Angebot und Nachfrage, eine Tötungshandlung bis an die Grenzen der realen Wahrnehmung darzustellen und auszuüben, warum prägen und visualisieren wir überhaupt das treten auf einen am Boden liegenden wehrlosen Körper, was tickt in unseren Köpfen, dass wir danach wohl einen Bedarf haben und einen Markt, der den Bedarf deckt?

Dann eben nur für Erwachsene? Das fordern die, die ein generelles Verbot einerseits als Entmündigung des Bürgers sehen und andererseits eine Tabuisierung noch nie ein Problem behob – was im Übrigen auch meine Meinung ist. Aber machen wir uns doch nichts vor, die Welt sieht anders aus. Und gerade kommt – wie “gerufen” – die Kollegin zu mir und sagt:

Gestern kam der 8jährige Nachbarsjunge zu meinem 11jährigen Sohn und wollte ein Playstation-Spiel tauschen. Mein Sohn brachte es mir und zeigte mir, was der Junge da mitbrachte: Grand Theft Auto San Andreas [Anm.: Altersfreigabe ab 16]

So sieht die Realität aus.