Froher Nikolaus allen zusammen

Bild © Endl 2006

Mit Franken diskutier ich ja gern, was für ein vorweihnachtliches Brauchtum eigentlich das zulässige in unseren Gefilden ist. Das kann ich dann aus dem Exil mit einer gewissen Distanz, ist aber auch immer wieder interessant. Bsp. – wenn auch etwas weit vor – Halloween. Das kommt bei mir – jedenfalls solange ich da noch Einfluß hab – nicht ins Haus. Amerikanisches Zeugs eben ohne jeden tieferen Sinn und zudem – im Gegensatz zu René, bei dem könnte ich das ja noch verstehen – geschmackloses Zombie-Grusel-Gedöns, aber jedem das seine.

Rund um Weihnachten nun die Verwirrung totalum: »Belzermärtl« oder »Pelzermärtl« ist z.B. nichts anderes als der der Heilige Martin, der am 11.11., dem Martinstag, gefeiert wird. Der Heilige Martin hat wiederum weder was mit Nikolaus noch mit dem Krampus zu tun. Letzterer ist mehr im alpenländischen Brauchtum und wird in Krampusumzügen zur Adventszeit gehuldigt. Der Krampus wiederum hat mehr mit dem Knecht Ruprecht gemein, beides sind Begleiter des Nikolaus, sozusagen der »bad cop«, während der Nikolaus (im Alpenländischen mit dem Körbelträger zusammen als „Pass“ im Bundle) eher die Rolle des »good cop«, des Generösen und Guten übernimmt.

Der heute gefeierte Nikolaus beruft sich dagegen auf die Figur des Nikolaus von Myra und ist somit eigentlich ein katholischer Brauch. Heute wird der Nikolaus aber konfessionsübergreifend gefeiert (auch bei meinem kleinen Großen z.B. heute im evang. Kindergarten). Ein guter Mann im roten Mantel, der zwar ein bisschen rumkrittelt, im Ergebnis aber immer Geschenke bringt. Die Sache mit den Stiefeln nachts vor der Tür stammt wohl von einer Legende mit drei Jungfrauen, die mal nachts vom heiligen Nikolaus beschenkt wurden. Sowas merkt man sich ja gern, das spricht sich rum: Nichts tun, keine langen Ansprachen, keine Belehrungen, aber morgens Geschenke kriegen. Als pädagogischer Aspekt wurde (sicher irgendwann in den 80ern) das notwendige Putzen der Schuhe eingeführt.

Der Weihnachtsmann wiederum ist schon wieder so ne Ami-Kiste, und kommt mir auch nicht unter. Angeblich gab es die Figur schon länger, aber erst weil Coca Cola im frühen 20. Jahrhundert (zum Vergleich: wie sind im 21.) den Weihnachtsmann als Werbeikone nutzte, sei der Brauch des Weihnachtsmann entscheidend verbreitet worden. Die meisten sehen in ihm den nur guten dicken Mann mit Rauschebart, der sich in der Nacht von Heiligabend zum 1. Weihnachtstag auf wundersame Weise in Lichtgeschwindigkeit durch die Welt beamt und durch die Kamine herablässt, um Geschenke zu bringen (auf denen auch dann noch freundlicherweise die Namen von Verwandten stehen) und sich die Wampe weiter anhaut. Der Umstand, dass in modernen Energiespar-Häusern höchstens noch ein Lüftungsschlitz, geschweige denn ein Kamin zu finden ist, tut dem Brauch wohl keinen Abbruch. Zur Not stellt man die Geschenke eben vor den Heizkörper oder Nachtspeicher, muss man eben kreativ sein.
Der Weihnachtsmann ist – im Gegensatz zum Nikolaus – für mich ethisch-moralisch zwar „nett“ aber „gehaltlos“. Den Heiligen Nikolaus kann ich ebenso wie den Heiligen Martin ja wenigstens noch historisch aufladen und ne moralisierende und lehrreiche Geschichte zu basteln, mit einem dicken Ho-Ho-Ho-Mann fällt mir das schwer. „Ich habe euch alle lieb“ (und eigentlich wir alle alle und jeden) ist glaub ich sogar Claim-geschützt von Boris Becker und trifft in Anbetracht der hohen Streitquote in den Familien auch maximal als „frommer Wunsch“ in Erscheinung.

Aber schee ist halt, der amerikanische Kitsch. Da machen alle natürlich mit, gerade weil man nicht nachdenken muss. Auch wenn im dezemberlichen Staccato aus diversen bärtigen und bemantelten Figuren jedes Brauchtum endgültig den Bach runter geht und die Kinder endgültig Schokoladen-abhängig werden. Btw.: Schon mal einen dieser neuen Monster-Adventskalender gesehen? Da sind richtig fette Schokoladenstücke drin. Bei mir waren das eher noch sowas wie etwas dickere Schokoladen-Blättchen!

Anyway. Der Nikolaus, das geht mir als Brauchtum noch gut durch. Den Weihnachtsmann werde ich mal wieder einen guten Mann sein lassen und bis Weihnachten die Aufgabe haben, aus dem ganzen Rummel den Kindern wenigstens halbwegs nahe zu bringen, worum es dabei eigentlich wirklich geht. Also dass da eigentlich ein Geburtstag gefeiert wird und dass die Geschenke auch nicht aus ominösen außereuropäischen Werkstätten von kasernierten kleinwüchsigen Zwangsarbeitern gefertigt werden, und auch nicht vom Christkind kommt (übrigens auch da ist diskutiert, ob das Christkind das Christuskind ist oder nicht doch eine Erfindung Luthers, oder ein protestantisches Pendant zum Nikolaus – oder doch Weihnachtsmann?), sondern einfach und schlicht von Menschen die einen gern haben – und das an eben jenen Tage, ob man nun an die Geschichte von Jesus glaubt oder nicht, zum Ausdruck bringen wollen. Aber das kann jeder halten wie er mag.