Die Leiden der jungen Url

Ein Kommentar zum neuen Horst Schlämmer-Blog und der Bedeutung sich ändernder Links

Das Internet basiert auf URLs. Die URL (Uniform Source Locator) ermöglich es die IPs, also die Nummercodes, in griffige Adressen aufzulösen, die man sich a) besser merken kann und b) einer nachvollziehbaren Struktur folgen. So ist www.endl.de/weblog ersichtlich, dass die Domain “endl” in Deutschland registriert ist und der Unterordner weblog zur Domain endl.de gehört.

Das ganze Netz richtet sich im Wesentlichen nach diesem Prinzip aus und die Theorien und Visionen, dass das mal im Web 3.0 anders werden könnte, sind mal ganz außen vor. Durch dieses Prinzip rangelt sich also um die Domain, die kleinste eindeutig zuordenbare Einheit der URLs. (Mehr dazu bei Interesse hier im Vortragsskript »Standards im Internet«)

Die Domain ist Anknüpfungspunkt von Markenrechten und -streitigkeiten, Bewertungen (PageRanks etc.) und wenn man einem Internetangebot einen monetären Wert geben will, dann wird in der Regel der Wert der Domain zugesprochen. Die Arbeit dahinter, das Design, der Shop, gilt weitgehend als wertbildendes Beiwerk, steht aber für ‘reproduzierbaren’ Aufwand. Der Wert ist das Paket, das eben direkt und untrennbar an der Domain hängt. – Und bisweilen ist sogar die Domain auch ohne jeden Inhalt schon Bares wert, bei begehrten generischen Begriffen zum Beispiel.

Gute Domains zu bekommen, gerade auch seinen eigenen Nachnamen unter den TLDs (Top Level Domains) wie ».de«, ist eigentlich so gut wie unmöglich. Auch unter .com und .net ist es sehr schwer, gefolgt von .info und .name (von .eu rede ich jetzt gar nicht, sonst rege ich mich nur wieder auf). So verfolge ich die Entwicklung der endl.net seit langem, doch sie wird, nachdem der Vorbesitzer sie wohl auslaufen ließ, von sogenannten Domainhändlern gehalten und stetig verlängert. Man hatte eigentlich nie eine echte Chance auf einen Zugriff und Geld ist mir die Sache auch nicht wert (und dann noch: aus Prinzip sowieso nicht!).

Sobald eine Domain frei wird, wird sie quasi nach einem Wimpernschlag von irgendjemand geschnappt, der dann versucht entweder sie weiterzuverscherbeln oder die Popularität irgendwie auszuschlachten. Und so beginnt ein ganz komischer Prozeß.

Irgendwann gab ich meine alte Domain ale-project.de auf. Ich wollte einen Strich ziehen unter diese ersten Schritte im Internet und mich reuten auch die (Un-)Kosten irgendwann. Was man dabei nicht gleich so bedenkt und damals auch gar noch nicht so eine Bedeutung hatte: Unzählige Links gehen mit einem Schlag eben nicht ins Leere, sie schlagen bei einem “falschen” Ende auf. All die, die in ihren Archiven und Linklisten ALE-Project als kostenlosen Newsletter führten (und das waren damals richtig viele, kaum ein Verzeichnis, bei dem der Newsletter nicht war), verwiesen jetzt auf ein anderes Angebot. Das mag bisweilen nur lästig sein, bisweilen aber auch nahezu ein “Missbrauch”, gerade wenn dann mit dem guten Namen auf billigste Art Kasse gemacht werden soll und am einfachsten geht das mit S*E_X und P~O#R’N.

Kein Wunder also, dass mit beim Klick auf den einstigen (teilweise heftigst umstrittenen) Blog-Shooting-Star Schlämmer-Blog manche einen dicken Hals bekommen, wenn ihnen heute im neuen Gewand erstmal nackte T*IT’TE”N entgegenspringen.

Nervig, bedeutet das für viele richtig Arbeit:

oh menno, Gerald schreibt, dass das einstige Horst Schlämmer-Blog zu einer Schlammgrube geworden ist, weil wohl die zuständige Werbeagentur zu dappisch war. Nun kann ich alle Links nacharbeiten, Mist.
Basic Thinking Blog

Noch schlimmer aber auf lange Sicht gesehen die Auswirkungen. Wird auf der einen Seite ja gejammert, käufliche Links und Rezensionen verderben den Brei verschmutzen das Internet, so sind solche temporären Projekte, die dann später zweckentfremdet werden, vielleicht das weit größere Problem. Oder anders ausgedrückt: Es ist mal wieder so, dass man sich über das weggeworfene Papiertaschentuch die Köpfe einhaut, während im Hintergrund der Kipplader den Sondermüll ablädt.

Ich will weder das eine noch das andere verharmlosen oder beschönigen, aber die Relationen müssen einfach gesehen werden. Ich will auch den Betreibern des neuen Schlämmerblogs nichts unterstellen, aber wer heute an der Reinheit des Internets interessiert ist, der wird nicht umhin kommen in seinen eigenen Archiven immer wieder zu stöbern und prüfen, ob denn all die gutgemeinten Links auch noch a) Bestand haben (das wäre das geringere Problem) und b) noch zu dem führen, wohin sie mal gedacht waren. Die rechtliche “Verantwortung für Links” mal hier ganz außen vor.

Ok, die Bildchen sind harmlos, aber die linkische Nachbarschaft könnte aus Sicht von Google schon als schlechte Nachbarschaft bezeichnet werden. Zumal nicht klar ist, was zukünftig auf der Seite abgehen wird. Für mich reichte das auf jeden Fall, um meine Verlinkung zu überprüfen und alle Schlämmer Links entsprechend upzudaten.
SOS-SEO Blog

Viel Spaß beim Aufräumen allerseits.

{lang: 'de'}




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Ich glaub, das war's.