Firmware-Upgrade für Milchaufschäumer gesucht

Wenn es irgendwas gibt, was ich für die elektrische Revolution des 21. Jahrhunderts als „typisch“ und „kennzeichnend“ bezeichnen würde, dann wäre das das Erfordernis von Firmware-Upgrades für technische Geräte. Die Zeiten, an denen man seinen Loewe-Fernseher (damals noch ohne jede weitere Beschreibung so benannt, also einfach „Fernseher“ und höchstens noch angeberisch die Diagonale, muss man heute ja mindestens „Plasma“, „LCD“ oder „16:9“ in einem Atemzug nennen, am besten alles kombiniert, also heute würde man sagen meinen „Loewe-Xelos-Plasma-Twinsat-Fernseher mit HDMI-Anschluss und HD-Ready“) einfach anschloß und ab und an abstaubte, sind definitiv bald vorbei.

Bei Handys und Konsorten ist es schon soweit. Kaum in Besitz wird man auf den Herstellerseiten informiert, dass man doch ein Firmware-Upgrade durchführen solle, weil danach einfach alles besser wäre wie vorher. Wird sicher nicht mehr lange dauern, bis man auch von Kühlschrank bis Milchaufschäumer über die USB-Schnittstelle oder das intergrierte WLAN-Modul seine Firmware upgraden darf.

Und klar, dass bei so einem Firmware-Upgrade alles mögliche schief gehen kann und man nur hoffen darf, seine Daten vorher gesichert zu kriegen und dann wieder hergestellt zu bekommen. Steht dann sogar fett als Warnung während des Update-/Upgrade-Prozesses bei: Wenn Sie jetzt die Verbindung trennen, kann dies zu schwerwiegenden Schäden und zur dauerhaften Beeinträchtigungen des späteren Betriebes führen. – Stand da, oder so ähnlich.

Aber die Frage ist doch zu stellen! Ist das nicht toll, dass man auch nach dem Kauf an den Optimierungen und Verbesserungen partizipieren kann? Das ist doch Fortschritt! Und mögen manche das tatsächlich als einen Tribut an die ständig sich verbesserende technische Innovation begreifen, man könnte doch auch meinen, es handele sich schlicht um eine Verlagerung der Entwicklungs- und Testumgebung ins heimische Wohnzimmer des Konsumenten. Sollen die Kunden den Scheiß doch selber testen und Fehler aufspüren, dann am besten per gebührenpflichtiger Hotline melden und später sich drum sorgen, wie sie den Monster-Download stemmen.

Wie dem auch sei. Mein Handy lief danach tatsächlich wieder und – bis auf ein paar (verschmerzbare) Programme, die weg sind, das nennt man Kollateralschaden oder so – es geht wieder wie vorher. Ist das nicht Wahnsinn? Man ist glücklich, wenn es am Ende wieder geht wie vorher. Und die Techniker sind glücklich, weil nun Fehler weg sind, deren Existenz ich gar nicht kannte. Alles paletti. Schöne neue Welt.