Entspannt im Stadion

Bild © Endl 2008

Geht gar nicht. Oder doch?

Geht, wenn man eigentlich kein Pferd im Rennen hat, also wenn weder eine der Mannschaften am Platz die „eigene“ ist noch die „eigene“ sonst irgendwo um Tore und Punkte kämpft oder echte Entscheidungen irgendwo fallen. Kurzum: Heute war so ein Tag, moralische Unterstützung für den Lieblings-Nachbarn beim Besuch „seiner“ Mannschaft im Kommerzareal – oder hieß es Kommerzkampfbahn? – eben im Waldstadion.

Über’s Ergebnis schweigen wir, mir taten die Bremer leid, den brasilianischen Ballzauberer schon in der ersten Halbzeit mit Rot verloren (wobei ich mich noch immer frage, wie ein gefühlt 1,60 großer schmächtiger Brasilianer einen gefühlt 1,95 großen griechischen Kampfkoloss niederstrecken soll… aber auch Griechen haben durch die Nähe Italiens viel gelernt und auch der Versuch zählt ja angeblich …), dann noch die auch in Überzahl auf Kontertaktik eingestellten Frankfurter mit einem halben Eigentor zum Siegtor verholfen. Dass dann der Held des Tages der Torwart sein soll, nur weil die Bremer es nicht fertigbrachten, auch aus 3 Metern nicht gerade direkt auf den Torwart zu köpfen, sondern vielleicht mal in eines der einladend offenen Ecken, ist noch ne andere Geschichte – die Medien brauchen eben Helden.

Was mir mal so auffiel, wenn man eigentlich ganz unvoreingenommen im Stadion sitzt und einen das Ergebnis eigentlich wurscht sein kann, ist die Aggressivität im Frankfurter Stadion. Auch wenn ich mir jetzt im Exil hier keine Freunde mache. Bei meinem letzten Besuch dachte ich noch, das läge an meiner Sensibilität (mein Club spielte, zudem schlecht und verlor …), aber auch diesmal fiel mir das auf, wie viel Aggression da rüberkommt. Dabei sind die Hessen sonst eigentlich nach meinem Eindruck ein eher friedlich gemütliches Völkchen. Mag sein, dass manche das mit „Hexenkessel“-Atmo beschreiben und hoch loben, mir ist das einen Tick too much. Klar, auch bei Bremen gab es ein verirrtes Grüppchen, die sich freiwillig von einem Kahlrasierten aus 30 cm mit einem Megafon anschreien ließen, aber das war da klar lokalisierbar. Na, vielleicht bin ich doch subjektiv, aber mal auch beim nächsten Mal beobachten. Ich kenn das beim Club in den Heimspielen so jedenfalls nicht, das ist da irgendwie auch sehr angespannt (meist zur Zeit naturgegeben, leider, ob der angespannten Tabellensituation), aber nicht so frontal gegen den Gegner gerichtet, also den gegnerischen Spielern im Besonderen. Naja. Jedenfalls ging ich trotzdem ein wenig „geladen“ raus. Komisch.