28. März 2008

Jetzt schlagen sie wieder zu, die Apostel der deutschen Restmoral, im wiederentdeckten Gefühl dieser komischen Rechte, die man am liebsten bei anderen anprangert, diese “Menschenrechte”. Und wer könnte und sollte da besser die moralischen Lorbeeren einfahren als unsere “Olympioniken”. Boykott, iss klar, wer kann schon sportlern wenn daneben in Tibet die Mönche vom Berg getrieben werden?
Scheinheiligkeit as usual in diesem mittlerweile morallosen Land, das einzig die Toleranz noch auf ihren Fahnen zu stehen hat. Toleranz vor allem und jeden – was auch nicht schwierig ist, wenn man keine eigene Position mehr hat, die man gegen andere verteidigen kann mangels Identität. Also mal hübsch alles tolerieren, was einem nicht an den Kragen will, und hübsch opponieren, wenn es politisch weit weg ist und in der Konsequenz von allem nur nicht einem selbst umzusetzen wäre. China und Olympia, das ist da so eine passende Sache. Boykott! Der Aufschrei quasi als redliche Bürgerpflicht. Und wenn kein Boykott, dann wenigstens die Forderung nach Wut und Brandreden am Siegertreppchen – man muss ja nicht selbst reden sondern nur im TV zusehen und ein “Jawoll” dazu rülpsen.
Dass dabei die eigenen politischen Heroen nie die Klappe aufbekamen, dort im fernen China bei offiziellen Besuchen, und maximal so zwischen Tür und Angel und womöglich auch nur wenn sichergestellt ist, dass nur West-Stationen auf Sendung sind, ein “aber in Ordnung ist das nicht” rauspressen und nachschieben “also das mit den Menschenrechten und so”, um dann mit dem mitgeführten Tross von Vertretern aus Großindustrie und Mittelstand zum Buffet zu schlendern, wird irgendwie hingenommen. Schließlich geht es ja hier um Business und nicht um die Rettung der Welt und vor allem nicht dieser Welt dort in den Bergen mit den komischen Mönchen.
Apropos Wirtschaft: Ja, wie sagte einst Herr Schrempp (oder war es einer aus dem Siemens-Clan?), es sei ein viel zu großes Risiko in China nicht dabei zu sein, jedenfalls wäre das Risiko mitzumachen nicht so groß wie nicht mitzumachen. Oder so ähnlich. Aber was meinte er denn damit? Wahrscheinlich meinte er, dass die Aussicht ein Krümelchen vom Aufschwung des Ostens abzubekommen um die einzige gültige Währung dieser Generation zu befriedigen: Wachstum. Wachstum um jeden Preis. Auch wenn es bedeutet, dass man auch die letzten Innovationen eines ehemaligen technischen Kreativ-Staates auf dem Silbertablett übergibt. Aber auch das ist ja was, immerhin mal ein Zeichen gesetzt, dass man dem großen Bruder aus dem Westen nicht alles übergibt was man je ersonnen hat. Die meisten Innovationen werden sonst ja übern Teich geschippert und verwertet.
Das Risiko nicht dabei zu sein … ja, das werden sich die Olympioniken vielleicht auch denken. Was nützt es ihnen, wenn sie – vielleicht gerade in der Form ihres Lebens – einmal was Selbstgebasteltes auf’s Regal stellen können – Marke: Goldener Olympia-Verweigerer-Zweig am Bande, Olympiasieger der Herzen sozusagen. Wer erinnert sich eigentlich an die Olympiaverweigerer der vergangenen Olympiaden?
In China hat sich doch nicht wirklich viel getan, seit der Vergabe der Spiele? Oder irre ich mich? Nur weil man nun die nie verhohlene politische Marschrichtung gegen Dissidenten und Widerstand jeder Art einmal mehr demonstrierte? Mit Vergabe der Spiele nach China wurde der Grundstein gelegt, die Olympioniken dafür nun moralisch vor die Wahl zu stellen ist das übliche Muster der Scheinheiligkeit dieser Gesellschaft. Am Ende soll doch der Sportler die Moral zeigen, die man sich (sport-)politisch nicht zu zeigen traute.
Woran erinnert mich das nur? Genau! Das ist doch das gleiche Syndrom wie im Konsumentenverhalten. Wir Verbraucher sollen/müssen ja jetzt die Kohlen aus dem Feuer holen. Durch Konsumverzicht gegen Versicherer, Handyhersteller, Ölpreiskollaborateure und Internet-Großkonzerne sollen wir moralisch maßregeln, wozu Politik und Gesellschaft offenbar nicht mehr in der Lage ist. Welch Armutszeugnis, welch ein Gefangensein in Sachzwänge einer globalisierten Welt in der die wirtschaftliche Sanktion der eigenen Überzeugung und Wertvorstellung der Gesellschaft vor geht – und welch Bankrotterklärung der eigenen Handlungsfähigkeit.
Also einfach hinnehmen, was da in China passiert und brav den Sportlern zujubeln bei einer Veranstaltung von der sich China natürlich nichts anderes verspricht als das Feiern von sich selbst? Gute Frage. Ebenso gut wie die Frage, die die Sportler sich selbst stellen müssen, ob und wie sie an so einer Olympiade teil nehmen können und wollen. Aber einen öffentlichen Druck auf die teilnehmenden Sportler aufzubauen ist für mich definitiv falsch. Ein Olympiaboykott wird unser gesellschaftliches Versagen nicht kompensieren.
Vielleicht sollte einfach jeder, der sich bemüßigt sieht den moralischen Finger zu heben, sei es um die Teilnahme an Olympia zu kritisieren, sei es um Unternehmen zu kritisieren, die in China Geschäfte machen, sei es um Blogger zu kritisieren, weil sie Werbung machen für Firmen, die in China Geschäfte machen, mal den eigenen Haushalt durchforsten und Ausschau halten nach Produkten Made in China und sich kritisch selbst fragen, was genau dem System China seine Nahrung für Wachstum gibt. Und was wir entdecken, so eingestanzt im Plastikboden, eingenäht in Kleidungsstücken oder aufgeklebt auf Etiketten, ist ja nur der Teil, den man sieht. Die verbauten Kleinteile in unseren Geräten dürften die eigentliche Masse sein, die uns Made in China umgibt.
Also ein Aufruf zum Boykott chinesischer Produkte? Nein. Ein Aufruf seine eigene Position, das eigene Moralverständnis einmal selbst zu überdenken und daraus die eigenen Schlüsse zu ziehen. Wer kritisieren will, sollte wenigstens wissen, ob er selbst den Boden nährt, auf dem das, was er so anprangert, wächst…
26. März 2008

Mal wieder was Nettes von den dot-Friends: Drei Freikarten (und ein Buch) in’s Kino zu Horton hört ein Hu. Im Gegenzug ein Bericht über den Kinobesuch? Na klar, aber gern.
Leider hat es nicht gleich zum Launch-Day bei uns geklappt, aber gestern war es dann soweit und mit meinem Großen (5) und seinem Cousin (7) ging es in der Männerrunde in Erlangen in’s Cinestar. Nach leicht argwöhnischer Begutachtung der Freikarten-Gutscheine ging es in die klassische Dienstag-Nachmittag-Vorstellung – kurz: Kinderkino as Kinderkino can. Und so wunderte es auch nicht, dass sich noch weit jüngere Kinogänger (geschätzte 2 Jahre) im ziemlich ‘aufgelockert’ besetzten Kinosaal tummelten. Ausgestattet mit dem “Hörton-hört-ein-Hu”-Standardpaket mit Horton-hört-ein-Hu-Becher mit Horton als Plastik-Figur obenauf, Popcorn und Filmplakat. Doch bevor der Mensch den Filmbeginn erwarten darf, hat man Müh und Leid zu ertragen: Werbung. Ist ja noch irgendwie nachvollziehbar, aber warum auch im Kinderprogramm? Vor allem wenn dann ein Werbung für ein offensichtlich tief-depressives Buch gezeigt wird, bei dem auf ein Kreidetafel mehrmals “Du sollst nicht töten?” geschrieben wird, mag verstehen wer mag. Auch die folgende Bewerbung einer Beziehungs-Date-TV-Serie geht wohl mindestens knapp am anwesenden Zielpublikum vorbei. In der nun folgenden Filmvorschau dann wenigstens was passendes: “Ice Age 3″ … geplant für 2009. Ganz prima Einfall, einen Film im März 2008 für 2009 zu bewerben, vor allem weil Kinder für ihre Geduld ja so berühmt sind. – Das hat nun alles nur bedingt mit “Horton hört ein Hu” zu tun, gehört aber zum Kinobesuch und soll mal mit nüchternem Blick zeigen, wie geist- und hirnlos man mittlerweile mit Kindern umgeht. Man macht sich nämlich offenbar entweder keine Gedanken, betrachtet sie schlicht und ergreifend als Zielpublikum wie jedes andere oder sieht keinen Anlass, für die Belange von Kindern irgendwelche Änderungen im Programmablauf für nötig zu befinden. Ich weiß nicht, welche der Antworten mir gerade “besser” gefiele.
Doch dann ging es los. Horton war meinem Großen ja schon vom Trailer im Internet bekannt und das fand er richtig gut. Horton ist – ohne jetzt zu viel vorwegzunehmen – ein Elefant in einem Urwald, der – aufgrund seines guten Gehörs – Stimmen aus einem vorbeifliegenden Staubkorn vernimmt. Horton kann mit dem Bürgermeister von Hu-Heim Kontakt aufnehmen (Hu heißen die Leute, die auf dem Staubkorn leben), versteht, dass der Staubkorn-Planet ohne Hilfe auf eine Katastrophe zuschlittert, und verspricht zu helfen. Das Problem: Die Bürger von Hu müssten sich auf die Katastrophe, durch bspw. einen der einfach auf sie drauftritt oder sowas, vorbereiten und dazu auch ihre 100-Jahr-Feier abblasen, und Horton für den Planeten Hu einen sicheren Ort finden, bevor eben schlimmeres passiert. Nun glauben aber weder die Hus dem Bürgermeister von Hu-Heim, dass es da draußen eine andere Welt gibt und erst Recht nicht, dass ein überdimensionierter Elefant ihr Retter sein soll, noch die anderen Urwald-Besucher dem Elefanten, dass auf dem Klee, dass er die ganze Zeit mit sich rumträgt, ein Staubkornplanet ist, den er retten soll. Hat der Bürgermeister von Hu-Heim nur mit Unverständnis und Hohn und Spott zu kämpfen, hat Horton handfeste Probleme. Ein Känguruh sieht im Verhalten Hortons nämlich eine bedrohliche Sache, denn Hortons seltsames Verhalten könnte auf die Kinder der Tiere schlechten Einfluß ausüben. Das Känguruh steigert sich derart hinein, dass es nur in der Vernichtung des Klees und ein öffentliches Dementi Hortons, dass es nie Planeten auf Staubkörnern gibt, einen Ausweg sieht. Dazu ist dem Känguruh jedes Mittel Recht und es organisiert erst eine Art “Berufs-Klee-Killer” und dann eine allgemeine Hatz auf Horton mit abschließender öffentlicher Vernichtung des Klees. Dieser Wettlauf zum sicheren Ort für den Hu-Planeten und der Vernichtung ist der Handlungsstrang, der den Spannungsbogen des Films bildet.
Horton hört ein Hu – von den Machern von Ice Age – ist ein gut gezeichneter Film, der – wohltuenderweise – nicht zum computer-animierten Photorealismus neigt, sondern stets seinem Zeichentrick-Charakter treu bleibt. Die Spannungselemente sind eigentlich nie überzogen, auch wenn natürlich das Werfen eines Planeten in einen Topf siedendes Öl brutal bleibt, bleibt dies stets auf einer so abstrakten Ebene, dass es auch Kindern in der Regel gut zugemutet werden kann, da ihnen hier nichts jenseits ihrer eigenen Vorstellungskraft bildlich gezeigt wird. Einzig der Berufs-Killer-Vogel und die fiesen Affen sind geeignet für Furchtelemente, ebenso wie die solchen Filmen fast schon üblichen Beinahe-Absturz-Szenen von hohen Bergen, Hängebrücken etc. pp. – aber das wird dann auch immer wieder gut aufgelöst und am Ende sind sogar Känguruh, Vogel und Affen wieder normale Tiere und irgendwie verzeiht man ihnen.
Horton ist eine sehr sympathische Filmfigur, ein wenig spleenig, mit grenzemlosen Optimismus und einer durchweg positver Lebenseinstellung, die auch nicht durch wirklich böse Machenschaften ernsthaft in Gefahr zu bringen ist. Damit ist Horton nicht nur der Held des Films, sondern auch Integrationsfigur zwischen allen. Ein Held, Opfer und schließlich der Vermittler zwischen allen. Dazu braucht man eine Figur, die eben grundweg positiv ist, den Blick aufs Wesentliche hat und einfach im Gemüt ist, ohne dabei einfältig zu sein. Hier überzeugt der Film auch, denn selten habe ich einen Film gesehen, der seinen Helden zwar heldenhaftes tun lässt und dabei witzig ist (ohne lächerlich zu sein), aber auf übertriebenen (amerikanischen) Pathos weitgehend verzichtet.
Schwierig finde ich die Botschaft: Zwar kann man dem Film auch ohne größeren Tiefgang problemlos folgen, aber der Abstraktionsgrad zwischen den Welten (Hu auf dem Staubkorn hier, der Elefant in der großen Welt da) und die Tiefe der Aussage wird Kindern – meine ich – schwer vermittelbar sein. Zudem: Was ist eigentlich die Aussage? Ist sie ein Statement pro Glaube? Dass man eben nicht nur das als wahr ansehen sollte, was man sehen, hören oder fühlen kann? Oder ist es eher eine Aussage, dass man vor den Überzeugungen anderer, auch wenn sie den eigenen widersprechen, Respekt haben sollte? Oder ist es doch ein Statement für den Schutz von Minderheiten? – Letzteres halte ich zumindest für zu weit hergeholt, denn die Protagonisten Hortons hatten ja dann, als sie einmal Hu-Heim wahrnehmen konnten (sie hörten), kein Problem mehr mit dem Anliegen Hus und bekannten ihren Fehler. Eigentlich also kann es nur eine Warnung vor der Propaganda-Hetze einzelner sein, die – ohne wirklich zu verstehen, um was es dem anderen geht – zur Durchsetzung der eigenen Überzeugungen die Vernichtung des anderen billigend in Kauf nehmen oder sogar als notwendig erachten. Das wäre jedenfalls eine interessante Botschaft, aber ob sie bei Kindern ankommt?
Horton hört ein Hu war kurzweilig, sympathisch, gut gemacht und – auch das ist wichtig – für meinen Geschmack “bedenkenlos”. Keine Toten zu beklagen, keine Waisenkinder (Hört hört! es geht auch ohne!). Die Spannungselemente waren nie überzogen und wurden immer wieder durch einen lockeren Spruch aufgeweicht. Kinder nehmen in jedem Fall etwas mit, zumindest das, dass Freundschaft auch gegen Widerstände zu bewahren ist, und man eine übernommene Verpflichtung auch ernst nehmen muss und das auch verteidigt, wenn andere einen vor die Wahl stellen und es Repressalien, Verleumdung und Konsequenzen bedeuten würde. Und vielleicht, dass man zu eigenen Überzeugungen, die man gewonnen hat, stehen soll, auch wenn andere es nicht verstehen.
Horton hört ein Hu – ein einfacher Film nach bewährten Mustern, aber mit einer durchaus subtilen Botschaft und erfreulicherweise ohne übertriebenes Spektakel. Prädikat: Sehenswert. Auch wenn er bei mir nicht als Klassiker a la Shrek, Dschungelbuch in mein Kinoarchiv eingehen wird.
25. März 2008

Weihnachten in T-Shirt und Shorts unter der Weihnachtspalme, Ostern im Mantel die tiefgefrorenen Eier suchen – wenn das so weiter geht, muss man mal sein Jahreskonzept neu überdenken. Bspw. statt Winterreifen von O bis O, also von Oktober bis Ostern, lieber mal von Januar bis Sommeranfang aufziehen.
So, wir bauen jetzt mal nen Schneemann – äh – Schneehasen.

22. März 2008
21. März 2008
Also ich finde es ist Zeit mal für ein neues Image. Immer nur schwarze Sonnenbrille ist ja auch sowas von 80er und zudem darf man ruhig auch mal Mut zur Farbe zeigen, oder? Ich finde das diese Frauendomäne, dieses Schminkdingens, eh schon lang in unsere Hände gehört – schließlich haben auch wir das Recht auf Emanzipation!
Aber mal im Ernst, das Tool ist gar nicht so blöd. Wenn frau sich da ein neues Image mit Make-Up, Haarfrisur, Lippenstift bis hin zu Mascara und Consealer antun will, ohne gleich vor dem Spiegel in Ohnmacht zu fallen, kann man das hier schmerzfrei ausprobieren.
Ein witziger Generator mit Nutzfaktor: TAAZ-Editor, ein Make-Up und Style-Generator [via]
Wobei …. Ich find ja auch den Bill von Tokio Hotel so süß … steht mir das?
20. März 2008
Man hätte sich wohl nicht so früh von dem Claim »SAT.1 zeigt’s allen« trennen sollen, wo es doch gerade so schön passt. Denn SAT.1 zeigt es allen, die mal wissen wollten, was pietäts- und geschmacklose Programmgestaltung bedeutet, die der hierzulande immer noch vorherrschenden christlichen Kultur mit dem nacktem Arsch ins Gesicht springt.
Womit wirbt also SAT.1 zum morgigen christlichen Feiertag im Programm? [via mit Verweis auf hier].
… Stirb Langsam am Karfreitag …
Ja, da haben wir wohl mal – um in der SAT.1-Terminologie zu bleiben – mindestens bei der christlich-geprägten Zuschauerschaft in punkto religiösem Respekt ‘den Nagel auf den Kopf getroffen’.
Sorry, aber manchmal habe ich den Eindruck, dass das entweder Methode ist, oder dass bei manchem Programmverantwortlichen bei der Programmzusammenstellung wirklich nicht mal ein Lämpchen in der Birne leuchtet. Und da nutzt auch nichts, wenn man den Historien-Schinken “die Zehn Gebote” am Nachmittag abfeiert – thematisch nämlich auch eine Niete. Ich bin da in der Regel wirklich nicht religiös überempfindlich, aber ein klein bisschen Respekt ist von einem der großen deutschen Privatsender nicht zu viel erwartet.
Und klar, am Ostersonntag dann “Stirb langsam 2″…
Stirb langsam – Ostern in Sat.1 – MyVideo
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