Künstliche Intelligenz – Muß ich den Test verstehen?

Drei Avatare, zwei menschliche und ein Roboter, stehen vor einem roten und einem grünen Koffer. In dem roten liegt eine Pistole. Der eine menschliche Avatar verlässt die Szenerie und kommt kurz darauf zurück. Inzwischen legt der andere die Pistole in den grünen Koffer. In welchem vermutet der Zurückgekehrte die Waffe? Im roten, sagt der Roboter-Avatar. Ist doch ganz einfach, oder?

Also noch mal lesen bitte.

Drei Avatare, zwei menschliche und ein Roboter, stehen vor einem roten und einem grünen Koffer. In dem roten liegt eine Pistole. Der eine menschliche Avatar verlässt die Szenerie und kommt kurz darauf zurück. Inzwischen legt der andere die Pistole in den grünen Koffer. In welchem vermutet der Zurückgekehrte die Waffe? Im roten, sagt der Roboter-Avatar. Ist doch ganz einfach, oder?

Kapiert? Also ich nicht. Also wenn drei im Raum stehen und einer geht raus, was sagt mir das aus, wo eine verf*** Kanone liegt? Ist das sowas wie Schrödingers Katze für Nerds?

Also wenn der menschliche Avatar raus und rein geht, hat das für mich so viel für das Experiment zu bedeuten, wie die Frage nach den Farben seiner Schuhe. Jedenfalls im beschriebenen Experiment-Aufbau. Aber mal noch mal langsam.

Bei Golem.de dazu weiter:

Nein, ist es nicht. Denn der Roboter-Avatar wird von einer Software mit künstlicher Intelligenz (KI) gesteuert, und diese hat soeben den Test über den falschen Glauben bestanden. Mit diesem Test prüfen Psychologen, ob jemand zwischen seinen eigenen Überzeugungen und den Überzeugungen anderer oder der Realität unterscheiden kann und ob er Abweichungen dazwischen in seine Handlungsvorhersagen mit einbezieht. Kinder bestehen diesen Test, der als wichtiger Schritt in der Bewusstseinsentwicklung gilt, im Alter von etwa 4 bis 5 Jahren. Jüngere hingegen glauben, dass der Zurückgekehrte die Waffe in dem grünen Koffer suchen wird. Ihnen fehlt noch die Fähigkeit, von ihren eigenen Überzeugungen zu abstrahieren. Auch Menschen, die unter Autismus leiden, werden diesen Test nicht bestehen.

Ich glaube mir dünkt es. Der Roboter nimmt wahr, dass der andere verbliebene Avatar die Pistole vertauscht hat. Seine Erkenntnis der Wahrheit sagt ihm also: Wahr ist der grüne Koffer! Und die Möglichkeit, dass der Zurückkehrende diese Wahrheit nicht kennt, ist ihm nicht logisch. Die Wahrheit ist Koffer grün, warum also sollte der Avatar diese Wahrheit nicht kennen?

Ok, das klingt schon “intelligenter”. Aber hat man da nicht einfach dem Roboter gesagt: Bewerte nur das, was der andere wahr genommen hat? Also: Nehme für die Beantwortung der Frage die Position und Wahrnehmung des Avatars als Gegebenheiten an? Das wäre doch auch nicht intelligent!

Aber was ist eigentlich Intelligenz? Oder: Was würde einen überzeugen, dass ein Avatar in einer Welt wie Second Life oder WoW intelligent ist, obwohl dahinter kein Mensch sitzt? Mal davon abgesehen von der bösen Antwort: Er wäre nicht anwesend…
Intelligenz gehöre zu mindestens einem großen Teil zur Definition von Persönlichkeit, gibt Wikipedia Rat, und weiter:

Intelligenz (lat.: intelligentia „Einsicht, Erkenntnisvermögen“, intellegere „verstehen“) bezeichnet im weitesten Sinne die Fähigkeit zum Erkennen von Zusammenhängen und zum Finden von Problemlösungen. Intelligenz kann auch als die Fähigkeit, den Verstand zu gebrauchen, angesehen werden. Sie zeigt sich im vernünftigen Handeln.

In der Psychologie ist Intelligenz ein Sammelbegriff für die kognitiven Fähigkeiten des Menschen, also die Fähigkeit, zu verstehen, zu abstrahieren und Probleme zu lösen, Wissen anzuwenden und Sprache zu verwenden.

Was also hätte der Roboter gemacht, wäre er rausgegangen, statt einer der beiden menschlichen Avatare. Dieser Test hätte für mich vielleicht mehr überzeugt. Hätte er versucht sich in das Denken der beiden hineinzuversetzen. Das klassischen Spiel mit der Nuß in einer der beiden Hände. Dieses Psycho-Spiel, wer sich was wohl am Ende denkt, und die resultierende Erkenntnis, dass es keine eindeutige Antwort geben kann und man beginnt ein Bauchgefühl zu entwickeln – man versucht aufgrund nicht wahrnehmbarer Indizien, wie bspw. den Gegenüber einfach einzuschätzen aufgrund seiner Gesamtheit.

Aber ist das dann Intelligenz? Ist es nicht auch ein reiner Prozeß aus Abwägungen und am Ende eine Frage der Wahrscheinlichkeit?

Für mich ist Intelligenz schon lange nicht mehr dem Menschen vorbehalten, sondern auch dem geschaffenen Produkt: dem Computer. “Die Fähigkeit zum Erkennen von Zusammenhängen und zum Finden von Problemlösungen” ist doch am Ende nur eine Abwägung von Wahrnehmungen, Erfahrungen und Informationen. Alles Dinge, die ein Computer grundsätzlich schon kann, vielleicht sogar schon besser als der Mensch, da in der Regel ohne biologischen Leistungsabfall wie Übermüdung und weit höherer Rechenleistung und nicht zuletzt besserem Erinnerungsvermögen.

Was für mich aber einen Menschen vielleicht intelligent macht ist die Fähigkeit – so komisch es klingen mag – Bauchentscheidungen zu treffen. Diese Entscheidungen, die trotz erkennbar anderer Faktenlage eine Intuition darstellt, die nicht beliebig ist, sondern auf eine schier einzigartige Kombinationsgabe von gesammelten, verworfenen, neu bewerteten und im komplett neuen Zusammenhang gebrachten Erfahrungswerten besteht. Selbst eine so “intelligente” Suchmaschine, wie Google (mal neidlos anerkennt), ist der Manipulation des Menschen unterworfen. Jede eingeworfene Regel stellt nur den Stand der Kenntnis dar, der Mensch in all seiner unlogischen Funktions- und Denkweise, reagiert als einzelner bisweilen vollkommen unlogisch und konträr jeder Erwartung, was ihn unberechenbar macht, unkalkulierbar. Dies zu erspüren ist für mich Intelligenz. Eine Intelligenz, die im Übrigen auch manchen Menschen nicht anheim ist und die ich der Menschheit als Ganzes sowieso komplett abspreche. Trends zu erspüren, ja sogar zu setzen, ist zwar im gewissen Rahmen berechenbar, die Revolutionen sind aber oft vollkommen absurde Ansätze, die bei Schöpfung niemand auf dem Tableau hatte, dass es sich durchsetzen würde. Mode z.B. oder Designtrends.

Vielleicht ist das der natürliche Schutzmechanismus des Menschen vor künstlicher Intelligenz: Wer den Menschen verstehen will, also diese Art von Intelligenz haben will, muss einer sein.

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8 Comments

  • 1
    12. März 2008 - 12. März 2008 22:34 | Permalink

    Was für mich aber einen Menschen vielleicht intelligent macht ist die Fähigkeit – so komisch es klingen mag – Bauchentscheidungen zu treffen.

    Was Du da beschreibst, wurde ja durchaus vor einigen Jahren (fast schon in einer Art von Trend) als “emotionale Intelligenz” aufgegriffen. Die “Intelligenz” des Menschen zeichnet sich eben, mit den selben Einschränkungen, die Du selber machst, auch durch so Dinge wie soziale Kompetenz oder eben auch logisch ungreifbare Dinge wie die Intuition aus.

    Gerade letztere ist mit Sicherheit auch nur ein Produkt von Abwägungen und Entscheidungen aus früheren Prozessen – aber dennoch weit von einem klaren Regelwerk der analytischen Intelligenz entfernt. Abseits vom bekannten Regelwerk einfach mal ein neues erfinden. Einfach auch mal was wagen, was eigentlich den Regeln nach falsch sein dürfte.

    Ich glaube nicht, dass dieser Wall nicht auch von künstlichen Intelligenzen überschritten werden kann – aber meines Wissens müssten da zur Zeit noch einige Forschungsbereiche zum Thema Intelligenz zusammengeführt gewerden.

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  • 2
    13. März 2008 - 13. März 2008 08:05 | Permalink
    Ich glaube nicht, dass dieser Wall nicht auch von künstlichen Intelligenzen überschritten werden kann

    Das nun fällt mir schwer gedanklich vorzustellen. Wie soll man einem auf purer Logik aufgebautem System “unlogisches, irrationales” Verhalten beibringen? Ein Verhalten, das vielleicht gerade auch auf Basis unserer Fehlerhaftigkeit geschieht und unseren Sinnen unterworfen ist, wie der Liebe? Entweder man verpasst einem System eine Art randomized Fehler, was aber zu haarstreubenden Ergebnissen führen kann, in jedem Fall aber eben nicht intelligent sondern zufällig ist, oder man gibt dem System eine Regel, die dieses Verhalten möglich macht. Aber jede Regel folgt eben ihrem Schöpfer, dem Programmierer, und ist insoweit für mich wieder nicht die Intelligenz der Maschine, sondern des Menschen dahinter – und zudem sehr beschränkt und wieder manipulierbar.

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  • 3
    13. März 2008 - 13. März 2008 12:59 | Permalink

    Du denkst Dir das System zu logisch, Alexander ;)

    Auch unser biologisches Gehirn hat (denke ich) mit einem klaren Regel”satz” (nicht -”werk”) angefangen, der vermutlich noch nicht mal alzu groß war – dennoch sind wir dabei herausgekommen. Das könnte jetzt zwei Gründe haben: entweder, wir haben gerade einen wundervollen Gottesbeweis gefunden – oder der Regelsatz ermöglicht (vielleicht auch durch Fehler oder Zufall) die Erweiterung und Abänderung des Regelwerks.

    (Was allerdings auch hieße, dass sich eine künstliche Intelligenz irgendwie entwickeln muss, und nicht “out of the box” mit unserer vergleichbar sein kann. Lernende Systeme, neuronale Netze, hat noch wer ein paar Buzzwords?)

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  • 4
    Alondro666
    11. Mai 2008 - 11. Mai 2008 22:14 | Permalink

    Ich muss zugeben, dass ich mir nicht den kompletten Post durchgelesen habe, aber ich frage mich schon, wie man denn den Test nicht verstehen kann?

    Ich gehe stark davon aus, dass du überlesen hast, dass es sch bei den menschlichen Testpartnern und 2(!!!) Stück handelt.

    Aber ich werde trotzdem mal versuchen, den Ablauf des Tests zu beschreiben:

    Also der Aufbau dürfte wohl klar sein: Zwei Menschen, 1 Roboter, 1 Pistole und zwei Koffer.
    1. Alle Beteiligten sitzen vor den 2 geöffneten Koffern. In dem roten Koffer liegt die Pistole und das kann von jedem gesehen werden.
    2. Die Koffer werden verschlossen. Alle Beteiligten wissen, dass sich die Pistole in dem roten Koffer befindet.
    3. Ein Mensch verlässt den Raum, und kann somit nicht mehr verfolgen, was sich in dem Raum zuträgt.
    4. Der andere Mensch nimmt die Pistole aus dem roten Koffer, legt sie in den grünen Koffer und verschließt beide Koffer daraufhin wieder. Der Roboter kann diesen Vorgang beobachten und weiß somit, dass sich die Pistole nicht mehr in dem roten, sondern eben jetzt in dem grünen Koffer befindet. Der Mensch, der den Raum verlassen hat, hat davon nichts mitbekommen.
    5. Der Roboter wird nun befragt, was wohl der Mensch, der den Raum wieder betreten hat, sagen würde, wenn man ihn fragt, in welchem Koffer sich die Pistole befindet.
    6. Der Roboter mit dieser besonderen Form der künstlichen Intelligenz sagt, dass der Mann auf den roten Koffer tippen wird, obwohl der Roboter natürlich weiß, dass sich die Pistole in Wirklichkeit in dem grünen Koffer befindet.

    Das herausragende an diesem Roboter ist eben, dass der Roboter sich in die Lage des Menschen, der den Raum verlassen hat, hinein versetzen und somit dessen Logik anwenden kann.
    Bisherige Roboter (und Menschen unter 4 Jahren) sind zu dieser Abstraktion nicht in der Lage und können nur ihren eigenen Erfahrungshorizont verarbeiten – sich also nicht in eine andere Person hineinversetzen.

    Ich hoffe mal, dass ich nun alle Unklarheiten beseitigen konnte, auch wenn der Post schon ein bisschen zurück liegt ;)

    Vielleicht ist dir diese Art der Logik aber auch nicht zugänglich, da du unter Authismus leidest.

    Grüße

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  • 5
    12. Mai 2008 - 12. Mai 2008 23:19 | Permalink

    Ich denke mal es ist doch mein Authismus. Sehr ärgerlich das ganze, aber so einen Authismus hat man schnell mal aufgeschnappt.

    Ich finde Kommentare schon immer beeindruckend, die sich den Kommentar-Thread vorher ersparen (auch wenn darin längst x mal ihr Thema angsprochen wurde), dass man sich vor belehrenden Kommentaren aber sogar den Artikel selbst erspart hat was, also irgendwas, jedenfalls was von Ignoranz.

    Und nun mal zum Thema: Was ist so besonders daran einem Computer zu sagen: Betrachte nur die Informationen, die ein Dritter wahr nimmt?! Also: Filtere deine Informationen bei der Beurteilung um die Dinge, die der aus dem Raum gehende nicht wahr nehmen konnte. Also ich bin da spontan wirklich nicht beeindruckt, dachte schon, dass Computer in der Lage sind, die heutzutage Schachweltmeister schlagen können, auch die Nummer mit dem Koffer durchzurechnen. Aber da ist wohl wieder mein Authismus in mir…

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  • 6
    Alondro666
    13. Mai 2008 - 13. Mai 2008 13:48 | Permalink

    Sorry, dass ich dich mit dem Authismus auf dem falschen Fuß erwischt hab – kein Grund gleich Sarkastisch zu werden…
    War eigentlich ganz ernt gemeint – woher soll ich denn wissen, ob du an Authismus leidest oder nicht?
    Aber anscheinend trifft das ja nicht zu.

    Wie gesagt hab ich mir den thread nicht ganz durchgelesen und habs auch nicht vor. Ich hab halt den Anfang deines ersten Posts gelesen und hatte den Eindruck, dass du das Prozedere des Experiments nicht verstanden hast – anscheinend war das auch nicht der Fall.

    Wollte eigentlich nur das Experiment nochmal klarstellen.
    Also musst echt nicht gleich pampig werden…

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  • 7
    13. Mai 2008 - 13. Mai 2008 14:14 | Permalink

    @Alondro666 … schon ok und Sarkasmus gehört hier eben dazu und wird bisweilen von Lesern quasi eingefordert ;-)

    Dennoch ist es doch befremdlich, dass man (also du) ein Missverständnis aufklären will und Authismus als Ursache in Betracht zieht (was ne echt fiese Krankheit ist), sich aber nicht die Mühe macht das Posting zu lesen, in dem das “Prozedere des Experiments” durchaus als verstanden beschrieben wird und auf eine Frage “dahinter” verwiesen wird.

    Es gibt eben – und das lässt mich dann sarkastisch werden – zwei Dinge, auf die man sich für gewöhnlich bei Deutschen (mal das unterstellt) verlassen kann: Korrektur und Belehrung. Auf diese Art Feedback ist Verlaß.

    AntwortenAntworten

  • 8
    Alondro666
    13. Mai 2008 - 13. Mai 2008 14:34 | Permalink

    Tja ;)

    Bin da anscheinend typisch deutsch :)

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    Ich glaub, das war's.