Endl sieht ein Hu

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Mal wieder was Nettes von den dot-Friends: Drei Freikarten (und ein Buch) in’s Kino zu Horton hört ein Hu. Im Gegenzug ein Bericht über den Kinobesuch? Na klar, aber gern.

Leider hat es nicht gleich zum Launch-Day bei uns geklappt, aber gestern war es dann soweit und mit meinem Großen (5) und seinem Cousin (7) ging es in der Männerrunde in Erlangen in’s Cinestar. Nach leicht argwöhnischer Begutachtung der Freikarten-Gutscheine ging es in die klassische Dienstag-Nachmittag-Vorstellung – kurz: Kinderkino as Kinderkino can. Und so wunderte es auch nicht, dass sich noch weit jüngere Kinogänger (geschätzte 2 Jahre) im ziemlich ‚aufgelockert‘ besetzten Kinosaal tummelten. Ausgestattet mit dem „Hörton-hört-ein-Hu“-Standardpaket mit Horton-hört-ein-Hu-Becher mit Horton als Plastik-Figur obenauf, Popcorn und Filmplakat. Doch bevor der Mensch den Filmbeginn erwarten darf, hat man Müh und Leid zu ertragen: Werbung. Ist ja noch irgendwie nachvollziehbar, aber warum auch im Kinderprogramm? Vor allem wenn dann ein Werbung für ein offensichtlich tief-depressives Buch gezeigt wird, bei dem auf ein Kreidetafel mehrmals „Du sollst nicht töten?“ geschrieben wird, mag verstehen wer mag. Auch die folgende Bewerbung einer Beziehungs-Date-TV-Serie geht wohl mindestens knapp am anwesenden Zielpublikum vorbei. In der nun folgenden Filmvorschau dann wenigstens was passendes: „Ice Age 3“ … geplant für 2009. Ganz prima Einfall, einen Film im März 2008 für 2009 zu bewerben, vor allem weil Kinder für ihre Geduld ja so berühmt sind. – Das hat nun alles nur bedingt mit „Horton hört ein Hu“ zu tun, gehört aber zum Kinobesuch und soll mal mit nüchternem Blick zeigen, wie geist- und hirnlos man mittlerweile mit Kindern umgeht. Man macht sich nämlich offenbar entweder keine Gedanken, betrachtet sie schlicht und ergreifend als Zielpublikum wie jedes andere oder sieht keinen Anlass, für die Belange von Kindern irgendwelche Änderungen im Programmablauf für nötig zu befinden. Ich weiß nicht, welche der Antworten mir gerade „besser“ gefiele.

Doch dann ging es los. Horton war meinem Großen ja schon vom Trailer im Internet bekannt und das fand er richtig gut. Horton ist – ohne jetzt zu viel vorwegzunehmen – ein Elefant in einem Urwald, der – aufgrund seines guten Gehörs – Stimmen aus einem vorbeifliegenden Staubkorn vernimmt. Horton kann mit dem Bürgermeister von Hu-Heim Kontakt aufnehmen (Hu heißen die Leute, die auf dem Staubkorn leben), versteht, dass der Staubkorn-Planet ohne Hilfe auf eine Katastrophe zuschlittert, und verspricht zu helfen. Das Problem: Die Bürger von Hu müssten sich auf die Katastrophe, durch bspw. einen der einfach auf sie drauftritt oder sowas, vorbereiten und dazu auch ihre 100-Jahr-Feier abblasen, und Horton für den Planeten Hu einen sicheren Ort finden, bevor eben schlimmeres passiert. Nun glauben aber weder die Hus dem Bürgermeister von Hu-Heim, dass es da draußen eine andere Welt gibt und erst Recht nicht, dass ein überdimensionierter Elefant ihr Retter sein soll, noch die anderen Urwald-Besucher dem Elefanten, dass auf dem Klee, dass er die ganze Zeit mit sich rumträgt, ein Staubkornplanet ist, den er retten soll. Hat der Bürgermeister von Hu-Heim nur mit Unverständnis und Hohn und Spott zu kämpfen, hat Horton handfeste Probleme. Ein Känguruh sieht im Verhalten Hortons nämlich eine bedrohliche Sache, denn Hortons seltsames Verhalten könnte auf die Kinder der Tiere schlechten Einfluß ausüben. Das Känguruh steigert sich derart hinein, dass es nur in der Vernichtung des Klees und ein öffentliches Dementi Hortons, dass es nie Planeten auf Staubkörnern gibt, einen Ausweg sieht. Dazu ist dem Känguruh jedes Mittel Recht und es organisiert erst eine Art „Berufs-Klee-Killer“ und dann eine allgemeine Hatz auf Horton mit abschließender öffentlicher Vernichtung des Klees. Dieser Wettlauf zum sicheren Ort für den Hu-Planeten und der Vernichtung ist der Handlungsstrang, der den Spannungsbogen des Films bildet.

Horton hört ein Hu – von den Machern von Ice Age – ist ein gut gezeichneter Film, der – wohltuenderweise – nicht zum computer-animierten Photorealismus neigt, sondern stets seinem Zeichentrick-Charakter treu bleibt. Die Spannungselemente sind eigentlich nie überzogen, auch wenn natürlich das Werfen eines Planeten in einen Topf siedendes Öl brutal bleibt, bleibt dies stets auf einer so abstrakten Ebene, dass es auch Kindern in der Regel gut zugemutet werden kann, da ihnen hier nichts jenseits ihrer eigenen Vorstellungskraft bildlich gezeigt wird. Einzig der Berufs-Killer-Vogel und die fiesen Affen sind geeignet für Furchtelemente, ebenso wie die solchen Filmen fast schon üblichen Beinahe-Absturz-Szenen von hohen Bergen, Hängebrücken etc. pp. – aber das wird dann auch immer wieder gut aufgelöst und am Ende sind sogar Känguruh, Vogel und Affen wieder normale Tiere und irgendwie verzeiht man ihnen.
Horton ist eine sehr sympathische Filmfigur, ein wenig spleenig, mit grenzemlosen Optimismus und einer durchweg positver Lebenseinstellung, die auch nicht durch wirklich böse Machenschaften ernsthaft in Gefahr zu bringen ist. Damit ist Horton nicht nur der Held des Films, sondern auch Integrationsfigur zwischen allen. Ein Held, Opfer und schließlich der Vermittler zwischen allen. Dazu braucht man eine Figur, die eben grundweg positiv ist, den Blick aufs Wesentliche hat und einfach im Gemüt ist, ohne dabei einfältig zu sein. Hier überzeugt der Film auch, denn selten habe ich einen Film gesehen, der seinen Helden zwar heldenhaftes tun lässt und dabei witzig ist (ohne lächerlich zu sein), aber auf übertriebenen (amerikanischen) Pathos weitgehend verzichtet.

Schwierig finde ich die Botschaft: Zwar kann man dem Film auch ohne größeren Tiefgang problemlos folgen, aber der Abstraktionsgrad zwischen den Welten (Hu auf dem Staubkorn hier, der Elefant in der großen Welt da) und die Tiefe der Aussage wird Kindern – meine ich – schwer vermittelbar sein. Zudem: Was ist eigentlich die Aussage? Ist sie ein Statement pro Glaube? Dass man eben nicht nur das als wahr ansehen sollte, was man sehen, hören oder fühlen kann? Oder ist es eher eine Aussage, dass man vor den Überzeugungen anderer, auch wenn sie den eigenen widersprechen, Respekt haben sollte? Oder ist es doch ein Statement für den Schutz von Minderheiten? – Letzteres halte ich zumindest für zu weit hergeholt, denn die Protagonisten Hortons hatten ja dann, als sie einmal Hu-Heim wahrnehmen konnten (sie hörten), kein Problem mehr mit dem Anliegen Hus und bekannten ihren Fehler. Eigentlich also kann es nur eine Warnung vor der Propaganda-Hetze einzelner sein, die – ohne wirklich zu verstehen, um was es dem anderen geht – zur Durchsetzung der eigenen Überzeugungen die Vernichtung des anderen billigend in Kauf nehmen oder sogar als notwendig erachten. Das wäre jedenfalls eine interessante Botschaft, aber ob sie bei Kindern ankommt?

Horton hört ein Hu war kurzweilig, sympathisch, gut gemacht und – auch das ist wichtig – für meinen Geschmack „bedenkenlos“. Keine Toten zu beklagen, keine Waisenkinder (Hört hört! es geht auch ohne!). Die Spannungselemente waren nie überzogen und wurden immer wieder durch einen lockeren Spruch aufgeweicht. Kinder nehmen in jedem Fall etwas mit, zumindest das, dass Freundschaft auch gegen Widerstände zu bewahren ist, und man eine übernommene Verpflichtung auch ernst nehmen muss und das auch verteidigt, wenn andere einen vor die Wahl stellen und es Repressalien, Verleumdung und Konsequenzen bedeuten würde. Und vielleicht, dass man zu eigenen Überzeugungen, die man gewonnen hat, stehen soll, auch wenn andere es nicht verstehen.

Horton hört ein Hu – ein einfacher Film nach bewährten Mustern, aber mit einer durchaus subtilen Botschaft und erfreulicherweise ohne übertriebenes Spektakel. Prädikat: Sehenswert. Auch wenn er bei mir nicht als Klassiker a la Shrek, Dschungelbuch in mein Kinoarchiv eingehen wird.