Handytest: LG KF600 versus Nokia n95

Bild © Endl 2008

Willkommen beim Zielpublikum Handy-„Test“ Part 2 – Heute in der Auswahl: Die nagelneuen Modelle KF600 von LG und das n95 von Nokia. Das KF600 wurde mir von LG zugeschickt zum Testen (und Behalten) via LGBlog und auch hier wieder lediglich mit der Bitte verbunden, meine Eindrücke davon hier zu beschreiben. Das n95 kriegt den Test einfach deswegen, weil ich es hier hatte für ein paar Tage – ein Bekannter hatte es sich geholt und bat mich es mal anzusehen und ihm dann zu erklären (und bekomme ein Essen dafür). Und im Zweikampf ist es imho einfach ein bisschen spannender und es macht auch einiges deutlicher. – Ich verspreche hiermit feierlich, dass weder ein Rezensionsexemplar noch ein Essen mich in meinem Urteil trüben werden.

Bei meinem letzten ConTest hatte ich das LG KU990 Viewty gegen das Nokia E61i antreten lassen und auch diesmal hätten die Kontrahenten ja kaum unterschiedlicher ausfallen können. Auf der einen Seite der aktuelle Branchenprimus (Platz 1 für die 8GB-Variante und 2 für das vorliegende Modell im aktuellen Chip-Ranking; Stand: 30.04.2008) mit allem was das Technik-Herz begehrt, dort das Live-Style-Handy, dass es sich erlaubt sogar auf UMTS zu verzichten. Und dennoch: Der Vergleich sei erlaubt, weil…

Ich bin überzeugt und weiß aus Erfahrung, dass es bei unglaublichen vielen Käufern relativ ist, was das Gerät technisch kann. Sehr viele Konsumenten, die ich kenne, stehen schlicht in der Situation ein neues Handy gerade auswählen zu müssen, weil sie entweder vertraglich eine Verlängerung mit Neu-Handy vor sich haben oder ihr altes gerade kaputt ist. Und dann stehen sie da, suchen entweder reflexartig irgendwelche aktuellen Handy-Vergleiche in diversen Magazinen oder Bestenlisten der Redaktionen. Nachgefragt, warum denn gerade das oder jenes, ist zumindest bei einem großen Teil der Bevölkerung eine Entscheidung, die über den Preis (ggf. die Zuzahlung), die persönlichen Vorlieben der Bedienbarkeit (Klapp- oder Schiebe-Handy oder doch ganz klassisch) und nicht zuletzt oft dem angebotenen Sortiment des Handy-Providers geht.

Und genau da treffen sich diese beiden Handys in der Auslage der Händler.

Da das ‚technische Wunder‘, oder von Nokia selbsternannt als „Dein Computer 2.0“ tituliert, dort das von LG als „genial“ ob des „neuartigen InteractPad“ bezeichnet. Und auch wenn es dem Vertrieb und Marketing bisweilen so überhaupt nicht gefallen wird: Der Konsument entscheidet manchmal überhaupt nicht nach Logik in der Gesamtsumme, es geht um persönliche Bedürfnisse und die eigene Prioritätenliste, was das Handy dann kann (oder eben wie es aussieht) ist manchmal sekundär oder man passt eben sein Nutzungsverhalten dann dem an, was das Ding kann – Hauptsache man ist glücklich. Und genau hier sehe ich aktuell die Stärken von LG.

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Ich könnte jetzt wieder seitenweise über die technischen Details referieren – aber wozu? Die kann man sich ja auf den Herstellerseiten ansehen oder eben in den einschlägigen Magazinen. Das Nokia ist ein HighTec-Monster und liegt bei Amazon (einfach nur um eine Größe zu haben) bei roundabout 400-450 Euro und damit gute 150 Euro höher als das LG. Dafür fährt es auch technisch richtige Geschütze auf: WLAN, UMTS mit HSDPA, 5-Megapixel-Kamera (Carl Zeiss), integriertes GPS-System – da bleibt dir technisch die Spucke weg. Da liest sich die Ausstattung von LG eher bescheiden und magerer dagegen (nur 3 Megapixel, kein UMTS, kein WLAN, kein GPS) und das InteractPad mit seinen zwei Displays mutet da eher wie ein nettes Gimmick an. Und dennoch…

Beide Handys buhlen um die Gunst der „Slider-Fans plus“, also der Konsumentengruppe, die eine Volltastatur (QWERTZ) nicht brauchen oder wollen, dem Klapp-Mechanismus nicht viel abgewinnen können und eine offene Tastatur nicht mehr wollen, aber eben (PLUS) schon das gewisse Extra suchen. Und dieses Extra kann eben im technischen Bereich liegen – muss aber nicht, denn manche wollen einfach nur trendy, cool, chic. – Wie gesagt: Es geht nicht um die Zielgruppe, die – wie ich z.B. – ein ganz konkretes Anforderungsprofil haben, wie bspw. WLAN-Nutzung oder Office-Funktionalitäten, es geht um die, die eigentlich nur telefonieren wollen und vielleicht sowieso eine externe Digi-Cam haben, aber mit ihrem Handy ein wenig Eindruck schinden möchten.

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Und Eindruck macht man durchaus mit den Handys, allein ob ihrer äußeren Funktionsweise: Das n95 ist ein Doppelslider, man schiebt nach oben zum telefonieren und nach unten für ein kleines Bedien-Panel für den Musik-Player. Ganz geschlossen funktioniert es dann wie eine Kamera auf Wunsch, einfach Objektiv aufschieben und das Handy wird zur Komplettkamera, inkl. Auslöser bei gedrehtem Handy rechts oben.
Das KF600 hat zwar „nur“ einen Slide, dafür aber zwei Displays. Eines davon ein normales Display für die Anzeige, das untere (kleinere) ein Touch-Pad für ein anwendungsabhängige Menüführung. Optisch werden dann beide Displays – bspw. bei Spielen oder im Screensaver – zusammengeführt, was sehr reizvolle Effekte gibt.

Mein Bekannter jedenfalls ist mit seinem n95 zufrieden, hat aber bezeichnenderweise gleich mal angemerkt, warum man diese komische WLAN-Suche nicht deaktivieren kann. Auch fand er dann die Tasten doch zu klein. Das Navi fand er aber prima, wenngleich er eigentlich aber schon eines hat. Wenn man mich fragt: bei ihm, der noch nicht mal Musik hören wird, wie ich schätze, hätte es ein anderes Handy durchaus auch getan – vielleicht hätte es für ihn sogar ‚bessere‘, da einfachere, für ihn gegeben.

Würde man mich fragen, welches ich für mich wollte, würde ich wohl entweder „beide“ oder „keines“ sagen – oder besser noch: Ich würde wohl mein aktuelles behalten (Nokia e61i oder das LG Viewty wieder wählen). Die beiden vom letzten Test sind für mich eben in meinem Anforderungsprofil auch innerhalb der gleichen Marke besser. Das e61i mit der QWERTZ und dem weit angenehmeren Display zum Surfen und für Anwendungen, das Viewty mit dem Komplett-Touchscreen, der QWERTZ auf Wunsch und dem optisch noch ansprechenderen Design.

Am KF600 stört mich vor allem nur eines: Die Auslöseverzögerung der Kamera – wie schon beim Viewty. Zudem finde ich das Surfen im Web bei dem dann doch eher bescheiden großen Display als eher eine Notlösung – dazu fehlt mir aber hier eh WLAN und UMTS. Die Lösung mit den zwei Displays finde ich zwar witzig und innovativ, ist in der Nutzung aber mitunter nicht gut, da man gern gleich dahin drücken würde, was man sieht, aber eben dann doch wie am normalen Pad zwei hoch eins rüber muss – hier eben im Touch-Pad gedrückt. Da gewöhnt man sich sicher dran, aber warum man nicht einfach ein komplettes Touch-Pad gemacht hat, das intern eine logische Zweiteilung hat, wird man wohl nie erfahren. Man muss wohl konstatieren: Nur weil es im iPod gut ist, muss es am Handy keine Verbesserung sein. Aber es ist mal ein Ansatz etwas anders zu machen und für Nutzer, die die kleinen Fummel-Tasten immer hassen, wird es ein Vorteil sein anwendungs-bezogenen Funktionen so exponiert besser nutzen zu können.

Technisch käme mir das n95 näher, aber das KF600 ist eben sowas, was man andauernd gern mal in die Hand nimmt. Es ist ein Augenschmauß und Handschmeichler, eines das man auch im Anzug gern auf der Piazza rauszieht oder aus der Damenhandtasche blitzen sieht. Das n95 ist was für Men at work, ein Buisness- und Nerd-Ding, das alles kann und sogar noch etwas mehr. Am Ende gibt es in dem ungleichen Duell wieder keinen echten Sieger, aber zwei gute Optionen – fehlt eigentlich nur noch die perfekte Symbiose von form AND function und manche meinen ja, mit dem iPhone hätte man die gefunden, doch das wiederum mag ich so nicht unterschreiben, vor allem nicht ohne UMTS und vor allem nicht zu den Konditionen. Und etwas Artenvielfalt tut immer gut.

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