30. Mai 2008
Mein zweiter Eindruck über Twitter hat auf jeden Fall was gebracht.
Man “muss” es ausprobieren und sich mal reinfallen lassen, um zu verstehen, was daran denn so cool sein soll.
Und das ist es tatsächlich: Twittern ist cool, hip, in, angesagt – wie man mag. Und es ist ne andere Art der Kommunikation, eben was Neues.
Kein “neues Bloggen”
Eher wie Chatten, vielleicht auch wie in einem Forum, einem Board. Aber das mag am Ausschnitt liegen, den ich zu sehen bekam.
Was ich sah: Der eine schreibt wirklich alles auf was er so tut und bedient dabei das Twitter-Klischee des Belanglosen, der Banalität. Wen interessiert es, fragen sich viele, wann einer morgens aufwacht, was er ißt, wann er auf’s Klo geht und wann er müde wird und er dann endlich sein Haupt zur Neige legt. Es gibt aber auch andere: Die, die kluge Dinge sagen, spontan und ungefiltert, so wie sie ihm in den Sinn kommen. Wieder andere nutzen Twitter zum Verabreden und um Sozialkontakte zu pflegen. Und viele, das hat es wieder mit Bloggen gemein, reden andauernd über Twittern.
Viele sind quasi süchtig danach, und es hat auch Suchtpotenzial, keine Frage.
Dennoch. Ich glaube, dass es ein Hype ist. Dass es als weiteres Kommunikationmittel bestehen bleibt, aber nie die Bedeutung gewinnen wird, die man einst Blogs zuschrieb.
Blogs. Da war doch was. Blogs haben ein Problem: Wachstum in der Breite. Es gibt immer mehr Blogs von immer mehr Menschen und man verfällt in eine wahre Blog-Sammelwut.
Der Feedreader quillt über, man kann sich aber nicht von den lieb gewonnenen Menschen und ihren Blogs trennen und ständig kommen neue hinzu. So ertappt man sich, dass immer mehr liegen bleibt, man nur noch aus dem Augenwinkel scannt und Headlines überfliegt.
In der Konsequenz?
Reißerische Headlines werden zum Vorteil um gelesen zu werden, besser kurze populistische prägnante Texte und Aussagen statt einer Abwägung. Woher kommt einen das nur bekannt vor?
Keine Zeit mehr sich mit einem Artikel vertraut zu machen, ja am Ende gar noch den Artikel zu öffnen und zu kommentieren oder - was es auch schon mal gegeben haben soll - in einem eigenen Artikel darauf einzugehen. Das so oft gescholtene selbstreferenzielle Verhalten der Blogosphäre ist schon wieder Geschichte.
Statt zunehmende Vernetzung in der Blogosphäre nun quasi ein Stillstand, eine Verknotung an nur wenigen Punkten. Einzelne Blogs scharen Kommentatoren um sich wie ein Forum seine Gemeinde. Es gilt das alte Motto: Wo Leben ist, kommt mehr Leben hinzu, wo wenig Trubel, dem wird wenig Beachtung geschenkt.
Sicher auch eine Folge der “erwachsen” gewordenen Blogosphäre: Haben ‘große’ Blogs früher noch einen Artikels eines vermeintlich kleinen Blogs als Ausgangspunkt genommen, reduziert sich dies heute auf Einzelfälle, manchmal noch gerade so ein “via”. Bosheit der Großen? Ich denke eher eine Frage der Wahrnehmung: Dem Zeitproblem zollen auch diese Blogger Tribut. Schon genug zu tun um selbst seinen engen Zirkel zu scannen fehlt schlicht die Zeit für den Blick über den Tellerrand und erst recht für den in die Niederungen.
Zu viel zu lesen, zu viel Gutes, zu viel um es in Einklang zu bringen.
Also werden lieber die Blogs gelesen, die selten und kurzes schreiben. Warum? Weil es demotiviert nur den Ordner anzuklicken, wenn schon wieder 30 oder 40 Artikel neu zu finden sind, noch schlimmer, erstrecken sie sich auch noch auf epische Ausmaße.
Vielleicht war das der wahre Grund des beginnenden Twitter-Hypes.
Das Bedürfnis, die lieb gewonnen Mitmenschen, die man nun aus der “Szene” kennt und schätzt, nicht aus den Augen zu verlieren. Der Drang, das eigene Kommunikationsbedürfnis zwar weiter zu befriedigenm, dies aber doch in den gestreßten Tagesablauf zu pressen.
Weniger ist mehr, quasi, weniger Inhalt ist die Lösung. Ist sie das?
Jedenfalls nicht bei Twitter. Auch wenn man sich tunlichst zurückhält beim Kreis derer, die man “verfolgt”, also die Twitterati, deren Output man in der eigenen Übersicht angezeigt wird, man erstickt in Kürze in Information. Nahezu unmöglich auch bei 30 oder 40 ständig am Ball zu bleiben, alles zu lesen. Dazu kommen manchmal technische Probleme. Das Ergebnis: Man versucht es erst gar nicht. Aber wird dann das Ganze nicht per se zufällig und belanglos?
Wer nur nach einem Schwarmverhalten sucht, wird das sicher finden. Man wird berieselt und es rieselt durch die Finger. Die Masse vermischt Hochgeistiges mit Banalitäten zu einem Grundrauschen, dass durch den Twitter fällt, was nicht rechtzeitig konsumiert. Das ist nicht verkehrt, aber zeigt die Wertschätzung, die Bedeutung der einzelnen Aussage. Teil eines Schwarms eben, der einzelne nur ein Teil einer Masse.
Muss man ja nicht.
Eine strenge Selektion seines Twitterkreises ist ja jedermanns eigene Entscheidung. Und doch nimmt genau Selektion und Einschränkung dem Ganzen den Reiz, den Charme. Vielleicht bleibt einem auch nur die Erkenntnis, dass man nicht in der Lage ist, einer Masse zuzuhören, wenn sie nicht geordnet spricht. So wie man nicht in einem Raum gehen kann, wo 100 Menschen reden man sich zuwenden muss, um wenigstens einige zu verstehen.
Fasse dich kurz.
Vielleicht lehrt uns das ganze aber auch, dass die Botschaft “fasse dich kurz (sonst wirst du nicht gelesen)” berechtigt ist. Dass der Boulevard uns längst voraus war und erkannte, dass man mit Feingeist und geschliffenen Worten untergeht und man die Masse nur erreicht, wer den Nebensatz streicht und polarisiert, statt philosophiert.
Twitter wird die Welt nicht verändern, wie das Blogs vielleicht hätten tun können. Am Ende setzen sich originäre Bedürfnisse des Menschen durch – und seine Menschlichkeit.
Das schlechte Gewissen über eigene Bequemlichkeit wird durch die Twitter-Ersatzdroge beruhigt, das Bedürfnis nach digitaler Kommunikation durch digitale »Fast(-Food)-Communication« gestillt. Viel geredet, wenig gesagt. Viel gelesen, wenig zugehört. Viel beschäftigt, nichts getan.
Ich beobachte mich und die Netzwelt weiter. Bin viel zu neugierig, viel zu begeistert, viel zu sehr ein Kommunikations-Freak. Aber auch ernüchtert, ein wenig desillusioniert und geerdet.
Am Ende fand man mit dem Internet halt doch keine neue Welt, sondern nur ein neues Haus. Und Twitter ist darin vielleicht der Korridor/der Hausflur, bei dem man sich, während der eine gerade kommt, der andere gerade geht, so eben beim Vorbeigehen noch schnell etwas zuruft. Das hat Charme, da wird kurz gelacht, da wird noch was zugerufen, vielleicht kurz was geklärt, und schon ist man wieder unterwegs.

Freitag morgen, 6 Uhr, noch 2 Stunden bis Acht,
geht das Smartphone an – mitten in der Nacht
das ist jetzt mindestens schon fünfmal passiert
ich habe den Schweinehund falsch programmiert,
falsch programmiert, falsch programmiert.
Genau genommen habe ich eine Mail als Reminder in Outlook auf den Samstag im Kalender gezogen und die standardisierte Erninnerungsfunktion schaltete sich auf 18 Stunden vorher ein, was in Outlook ein kleines Popup erzeugt, wenn man morgens den Rechner startet, durch die Synchronisaton mit dem Smartphone wird daraus aber eine Kalendereintrag und aus dem Popup wird – 18 Stunden vor Tagesbeginn, also 6 Uhr morgens – ein Erinnerungston, der sich im aktivierten Allgemein-Profil am Handy als waschechter Weckruf ausartet und daraufhin die ganze Familie wach im Bett steht.
Computer sind doof.
Und das beste ist: Da es eben kein echter Kalendereintrag war, sondern eine Aufgabe, konnte ich die Erinnerungsfunktion im Smartphone nicht deaktivieren und mir blieb kurzerhand nur das Löschen des Eintrags, womit nun aber die Frage war, ob ich daran denke, dass ich nun nicht synchronisieren darf, bevor ich den Inhalt des Reminders zur Kenntnis nehme, sonst wird er ja gelöscht und ich vergesse, woran ich mich erinnern lassen wollte.
Da fällt mir nur ein: Spliff – Computer sind doof (1982)
Sonntag morgen um viertel vor acht
geht das Radio an mitten in der Nacht
das ist jetzt mindestens schon fünfmal passiert
ich habe den Schweinehund falsch programmiert, falsch programmiert, falsch programmiert,
Mein Mirkoprozessor bringt mich um…
Computer sind doof
Computer sind doof
Moment … 6 Uhr? … War da nicht gerade erst was?
29. Mai 2008
Der Umgang der FIFA mit Marken stieß mir bei der WM im eigenen Land so richtig übel auf. Ich hatte den Eindruck fast einer Hetzjagd nach Markenverstößen, was mit kolportierter Androhung der Entkleidung von Trikots mit Fremd-Sponsoring begann und bei der unsäglichen Diskussion um die korrekte Schreibweise und dem erlaubten Anwendungsgebiet der offiziellen WM-Bezeichnung endete. Sorry, da hört bei mir jeder Spaß auf, und zwar noch vor der Sponsoring-Bannmeile um die Stadien.
An die Logo-Benutzung für jedermann, was gerade im eigenen Land damals und im Geiste eines “Zu Gast bei Freunden” ein schönes verbindendes Glied auf Websites gewesen wäre, darf man ja gar nicht mal denken. Bei der EM 2008 in Österreich/Schweiz ist man daher nun gebranntes Kind, auch wenn hier die UEFA die Hand im Spiel hat, wird kaum einer so dumm sein und noch irgendwas markengeschütztes verwenden – das Ergebnis: man macht zwar PR für die EM, in dem man über sie berichtet, wird dafür aber mit der Rechtskeule bedroht, wenn man die offiziellen Embleme nutzt.
Es geht aber auch anders.
Unter www.emlogo.at gibt es ein »alternatives EM Logo 2008« in allen Varianten, das nach einem Logo-Wettbewerb als Gewinner gewählt wurde und nun für jedermann zur freien Verwendung steht. Und es sieht meiner Meinung nach sogar besser aus, als das Originale.
So gefällt mir das, wenn man dem Volk was wegnimmt, wird das Volk eben kreativ. So muss es sein.
28. Mai 2008
Oder sind das jetzt doch Werbe-Ikonen?
Na, man gönnt den beiden das – also dass man mit Comedy auch mal was verdient. Die Kampagne der Sparkasse mit den beiden Hessen gibts schon in drei Teilen und der vierte kommt wohl in Kürze: www.diesieger.de. Vor allem die ersten beiden Teile braucht etwas schwarzen Humor, daher finde ich, das Weichei (komm, Weichei, kommmmm…), den dritten wohl auch am besten (»Affe Macchiatto«) – vielleicht liegts aber auch am Fussball-Content im Abspann.
Badesalz hatte ich – damals noch in Bayern lebend!! – als Best-of-Tape (ohne Musik-Einlagen) immer auf Fahrten bei mir und wir haben uns so manchesmal nachts noch ins Auto vor das Autoradio gesetzt und uns bei ein paar Bier vor Lachen weggeworfen. Unvergessen: »War der Ben Johnson eigentlich Neger oder Kanadier« »Nächste Haltestelle, Mönchshofstraße« »Was hat uns das Ozonloch jetzt eigentlich gebracht?« »Einen Schäferhund musst du ganz anders behandeln wie einen Teppich« oder – mein Zielpublikum-Liebling – »Was kostn des? – Des wos draufsteht! – Und was steht drauf? – Des wos kosst!«.
Ist ja immer so ne Sache, wenn Kunst Kommerz trifft – da hat man immer gleich so “Bedenken” – ähnlich wie wenn ein Blogger für ne Rezension was kriegt (btw.: Ich krieg für die hier vielleicht ne CD
). Dabei kann Kunst oder Comedy eigentlich einfach auch die Werbung zu was unterhaltsamen machen, wie hier im Fall. Allerdings finde ich die Kern-Werbe-Botschaften mitunter etwas schwierig hergeleitet, gerade auch die vom Spot oben, das hab ich mir paarmal angesehen um es halbwegs zu kapieren mit der Scholle und der Kreditkarte, aber die Story mit dem Eremiten und den Bioäpfeln ist schon wieder so quer lustig, das reißt es raus – das ist Badesalz eben, wie mans kennt.
Witzig gemacht, nicht 100% mein Ding (wenn er z.B. der Eidechse den Kopf abbeisst, naja, wers mag…), und ich fand die werden eher besser vom ersten zum dritten Teil. Jedenfalls hat die auftraggebende Bank Aufmerksamkeit erzeugt, kam ja sogar als Web-Video der Woche bei nem Privatsender unter (und ich denke mal, die haben keine CD für gekriegt). Ruhig öfter mal so was probieren, vielleicht guck ich dann auch mal wieder Werbung.
Wobei … weil es auch zum Fußball passt … erinnert wer sich noch an das 11Freunde-Werbe-Video? Ganz großes Kino!
Jungs und ihre Spielsachen eben…
[via JayJay]
26. Mai 2008

Absoluter Wahnsinn! Sie haben es tatsächlich geschafft! Das Abfallprodukt “Diesel” wird zur Cash-Cow. Was sagt das eigentlich über unsere Gesellschaft aus, wenn der bei der Veredelung entstehende Müll das veredelte Endprodukt im Wert übersteigt?
Schon lange geht mir diese Scheinheiligkeit der Argumentation rund ums Automobil gehörig auf den Senkel. Erst wurde der Diesel als die ökologische Wunderwaffe verkauft, heute wirst du mit ebenjener Technik an Bord naserümpfend mit rot Feinstaub-etikettiert und man droht mit Aussperrung, während V8-SUV-Monster fröhlich winkend an dir vorbei in die Innenstadt einfahren.
Mein Diesel ist noch nicht mal richtig alt, keine 10 Jahre, und verbraucht auf der Autobahn 5,5 Liter, wenn ich ihn normal fahre. Da muss man mir jetzt schon mal erklären, warum man steuerlich die Jagd auf ihn eröffnet hat. Jetzt sind noch die Literpreise über die des Benzins gestiegen und die nächste Steuerstrafe wartet schon für 2009.
Also wenn man mich fragt, dann sehe ich das so: Die haben alle schon lange erkannt, dass ihr Produkt am versiegen ist, aber sowohl die Erdölkonzerne als auch die Automobilindustrie hat sich es zur gemeinsamen Aufgabe gemacht – und das sicher nicht ‘uneigennützig’ seitens der Verantwortlichen … – die Cash-Cow Öl noch bis zum letzten Tropfen möglichst lange maximal auszuschlachten. Da man das Öl nicht vermehren kann und man auch merkt, dass eben die letzten Tropfen sehr teuer zu fördern sind, hat man die Idee gehabt eben jetzt schon den Hahn deutlich zuzudrehen, künstlich also Unterversorgung zu schaffen und so den Preis hochgehen zu lassen. Das ist eine praktische Idee, da kann man mehr verdienen bei weniger Aufwand sogar, und was danach kommt, das kann man bis dahin seinen Nachfolgern als Erb-Aufgabe überlassen. Funktioniert natürlich nur, wenn alle mitmachen, sonst käme ja einer auf die Idee und würde den Markt mit niedrigeren Preisen aufrollen. Und die Politik muss natürlich ebenso wie die Gesetzeshüter mitspielen, sonst würde man sowas wie unterstellte und verbotene “Preisabsprachen”, die so naiven und einfach denkenden Menschen wie mir quasi spontan ins Auge springen, am Ende noch aufklären wollen. Ne, jetzt muss noch mal Kasse gemacht werden, ob mit dem veredelten Produkt oder dem Müll, der dabei abfällt: dem Diesel eben, den hat man nämlich früher höchstens zum Reinigen benutzt und sonst entsorgt bis einer auf die Idee kam, das zu kultivieren.
Erdgas wird dann das nächste sein, aber da muss man noch erst ordentlich anschieben, bis man eine schöne Verbreitung hat, so 20-30 % sollten es schon sein. Dann kann man schön wieder die Schraube anziehen und alle freuen sich wieder wie die Kinder, vom Manager bis zum Politiker. Man muss da eben nur schön einfallsreich sein, neue Entwicklungen ordentlich verlangsamen (ist nämlich schon ein kleines Wunder, warum “plötzlich” – und 2-3 Jahre sind in der Autoentwicklung ein Witz – ein Achtzylinder auch mit 12-13 Litern auskommt – Hoseanna!) und immer schön dicht halten allerseits.
Natürlich alles höchst subjektiv betrachtet, das Ganze, schon klar. Aber für blöd verkaufen muss ich mich auch nicht lassen.
Wenn man von seiner fahrradfahrenden Begleitung gefragt wird, was denn wohl auf dem Pelza-Teller ist, dann hat ihm wohl sein Hirn ein “L” für ein “i” vorgemacht – und so wird aus dem Pelzatelier eben der Pelzateller.
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