Und was machst du so im Internet

Bild © Endl 2006

Manche Tage überkommt mich der Leichtsinn meinen Tellerrand für einen Moment zu verlassen und dann schalte ich von „haste schon“ „musste hier“ „kannste da“ auf den Fragemodus um: „Und was machst du so im Internet?“

Ich werde wohl Internet-Altersmilde und mein Missionardrang lässt nach Richtung in sich zurückgezogener grauer Netz-Eremit, aber manchmal überkommt mich der Übermut und ich frage bei den jungen Menschen nach, so geschehen in den letzten Monaten gar sogar einige Male.

Man meint ja, wenn man sich die ganze Zeit mit dem Netz beschäftigt, die Welt wäre damit bereits untrennbar verstrickt. Es ginge gar nicht mehr um Verständnis-, sondern nur noch um Glaubensfragen der Marke: Blogst du noch? Oder twitterst du schon? Oder: Spürst du auch schon vor der googlesche Bedrohung? Oder fürchtest Du Dich noch vor dem Gates-Mann?

Mein Freilandversuch unter jungen Menschen zwischen 16 und 24 ergab dagegen ein Bild, das ich erst mal verarbeiten muss:

Und was machst du so im Internet?

Mit Messenger quatschen. Videos schauen. Was mit Google suchen.

Gibt sicher auch andere (als meine Freiland-Probanten), aber das war’s bei mir en gros im Feldversuch. Messenger, Video, Google. Nichts von wegen informationeller Selbstbestimmung, Nutzung des Internets als Plattform für die aktive Beteiligung an der öffentlichen Diskussion, kein direktes selbstbestimmtes Kundenverhalten, keine Kanalisierung der eigenen Thesen und Meinungen nach außen. Messenger, Video, Google. Bisschen unter sich quatschen eben (Telefon 2.0), Videos glotzen (Fernsehen 2.0) und wenn man nicht weiß was im Kino kommt eben bei Google fragen (Auskunft 2.0).

Ich will das gar nicht bewerten. Aber wenn ich jetzt so wieder zurück auf meinen Eremiten-Berg klettere, dann weiß ich zumindest, dass ich Messenger, Video, Google wohl doch unterschätzt habe, wie ich auch Big Brother, DSDS und Germany’s Next Topmodel (« das Apostroph ist von der Website übernommen…) unterschätzt habe, wie auch Privatfernsehen generell, eine RTL-„Nachrichten“sendung oder die „soziale“ Marktwirtschaft, politische Willensbildung oder Demokratie als eine Machtform, die dafür sorgt, dass das Volk regiert. – Aber ich schweife ab, das mag man dem Alter zuschreiben.

Solange ich hier oben in meiner Höhle sitzen darf und keine Freischärler oder Regierungstruppen mich als Dissidenten in Gewahrsam nehmen, ist das schon in Ordnung. Man darf dem Volk Freiheit ja auch nicht aufzwingen, wenn man sie gar nicht will.