Eine subjektiv unbrisante Meinung vom
um 10:29 Uhr
Mit dem einleitenden “Guten Abend, allerseits” prägte Heribert Faßbender lange die deutsche TV-Berichterstattungskultur bei Länderspielen – wieder ein Beweis, das Kult-gewordenes nicht unbedingt immer ausgesprochen beliebt gewesen sein musste, ich jedenfalls mochte Faßbenders Berichterstattung nicht und der Spruch war eher der Auslöser eines “nicht der schon wieder”. – Was in den 80er überhaupt nicht ging das “Event” und eine Bühne und am Ende auch noch drei spaßige Gestalten, die um das Spiel herum für Unterhaltung und Information sorgten – wie bis Mittwoch das ZDF mit Kerner, Meier und Klopp.
Mit dem Halbfinale Deutschland gegen die Türkei beendete das ZDF seine Berichterstattung von der EM und überließ der ARD das Feld. Soll heißen: Ade, Urs Meier und Jürgen Klopp. Der letzte Schritt wird mit Günter Netzer und Gerhard Delling gegangen.
Doch nicht nur die EM ist für das Trio Kerner, Klopp und Meier beendet, es war auch der letzte Akt einer TV-Gemeinschaft, die ich nur mit großer Wehmut scheiden sehe. Es ist gar nicht so entscheidend, ob hier Urs Meier manchmal vielleicht daneben lag und auch nicht ob das Trio zu einer Männerfreundschaft wurde, worauf es dem tagesspiegel irgendwie wohl ankommt, wenn er aus Körperhaltungen und Nicht-Gesagtem eine zwischenmenschliche Psychoanalyse abzuleiten sucht:
Täuscht der Eindruck, dass Klopp vom GlitschKopf zunehmend genervt war? Dieses Herunterblicken auf den Schweizer, das war strenge Lehrer-Schüler-Attitüde, wenn Meier sich beim Spielsystem erkannte, korrigierte Klopp ihn mit kaltem, knappen Satz. Er ließ den Schweizer von sich abtropfen, abblitzen ging ja nicht – da war Kerner vor. „Kloppo“, wir danken dir. Urs Meier, wir trennen uns im einseitigen Einvernehmen. Joachim Huber
Es ist vielleicht genau das, diese Kritik an den beiden, die genau dafür stehen, was Delling und Netzer verkörpern und Kerner, Meier und Klopp eben nicht taten – was bei Delling/Netzer zwischen bissig-sarkastisch-pikiert und gewollt-Muppetshow-Opas-ironisiert wirken soll, wirkte bei Kerner/Meier/Klopp menschlich, emotional, persönlich. Mich konnte Klopp durchaus mit seiner fundierten und plötzlich irgendwie jederman einleuchtenden taktischen Erläuterungen absolut beeindrucken, doch das allein hätte es nicht ausgemacht – es war diese buben-hafte Begeisterung, die vor allem Klopp vermittelte und so Meier aus seiner vielleicht leicht typisch-schweizerisch-biederen Art herausholte und Kerner aus der Lass-uns-darüber-reden-Kuschelecke. Im Dreiklang hat es mich unterhalten auf höchstem Niveau, denn es hat mich informiert, es hat mich amüsiert und es hat meine Emotionen getroffen.
Man muss sich nicht in Details ergehen, wenn man wieder einmal über die Kommentatoren Leistung der deutschen Sprecher herzieht, nicht sich zum xten mal fragen, warum man am Äther nicht in der Lage zu sein scheint einfach das wiederzugeben, was man offensichtlich sieht. Man muss auch nicht einmal einzelne Faux-Pas an den Pranger stellen, wie Bela Rethys “lustiges Duell der Kleinen” (Lahm und Sabri), das Potenzial hat seinen legendären “der der aussieht wie eine Klobürste ist Valderama” zu verdrängen. Es ist diese Schwerfälligkeit der Deutschen ein einfaches Fußallspiel zu kommentieren. Man windet und eiert zwischen dem Versuch einer wissenschaftlich-analytischen Methode und einem UNO-kompatiblen global-weltmensch-Referat, das tunlichst den Spagat zwischen “natürlich bin ich auch ein Deutscher” und “aber darauf kommt es natürlich nicht an, wir sind ja alle Menschen” versucht. Begeisterung kann sich auch für das Spiel um das Spiel willen ergeben, warum das ausgerechnet englischsprachige Kommentatoren bei nahezu jedem x-beliebigen Spiel hinbekommen, sogar wenn die Deutschen gegen die Türkei spielen, ist mir ein Rätsel.
Vielleicht liegt es am Soundmix, dass viel stärker die Stadionatmosphäre mit einholt, vielleicht liegt es an der Unverkrampftheit einfach Worte wie “brilliant” und “hervorragend” zu sagen und sich mehr auf die Stärken als die Schwächen zu konzentrieren. Lehmann wird da ein Lied von singen, bei dem wird ja quasi jeder gefaustete Ball mit den Worten kommentiert “und wieder konnte er den Ball nicht festhalten”. Vielleicht – und das ist meine Meinung – liegt es aber einfach auch an den Personen, denn ein Klopp in persona hat uns allen gezeigt, dass Begeisterung und Unbekümmertheit nicht zwanghaft in der Maske abgegeben werden müssen.
Nun kommt neben Kerner als Klopp/Meier-Nachfolger Oli “Titan” Kahn, die Spaßnudel aus München … die baden-württembergische Inkarnation der Eloquenz … eigentlich schade, dass man Lothar Matthäus nicht aus Israel loseisen konnte um das Trio rund zu machen…
Es ist vorbei, schade. Hoffentlich verliert Klopp in Dortmund beim BVB nicht seinen Humor – auszuschließen ist das leider nicht. Und bevor nun zu viel Wehmut aufkommt empfehle ich allen noch einmal sich die Zusammenfassung des EM-Halbfinalspiels beim FuViBlo anzusehen. Auch wenn man kein englisch verstehen sollte, wird man wissen, was ich meine.
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