Paid Review: Ich bin eine kleine Firma und will ins Internet

[Trigami-Review]

Eine kleine Firma, ein Verein, ein Selbstständiger oder auch nur ein Hobby-Rosenzüchter – ins Internet wollen/müssen sie alle, gehört ja dazu heutzutage und dass man darüber (Geschäfts-)Kontakte aufbaut und auch noch Geschäfte machen kann, das wissen nun auch schon alle. – Nur Ahnung, das haben sie oft keine, und vor allem – was fast noch schwerer wiegt – keine Lust. Und wenn keine Ahnung und keine Lust zusammentrifft, dann hilft oft nur Geld – und da waren sie wieder, unsere zwei Probleme. Denn wenn was man selbst nicht kann, das muss man kaufen, blöd nur, wenn man auch Geld nicht hat.

Das sind so die täglichen Probleme auch im Internet-/Kommunikations-Business, in dem ich arbeite. Die Erkenntnis, dass dieses Internet schon richtig wichtig ist, die ist angekommen, bloß wie nur – wie da reinkommen.

Die üblichen Lösungen sehen dann so aus:

1. Aussitzen – immer oben auf der ToDo, nur man kommt halt nicht dazu – probates Mittel, wenig effizient

2. Die Petra, die kennt da einen Studenten, der hat dem Kollegen von ihrem Mann seinem Kumpel auch mal so was gemacht – war auch gar nicht teuer. – Wenn man eine Vorliebe für Glücksspiele hat, eine interessante Option. Denn ob der Student a) was kann und b) das richtige kann und c) das auch wert ist und d) auch nächste Woche noch da ist, wenn mal was zu tun ist, darauf darf man nur hoffen.

3. Geld in die Hand nehmen – Also mal Webdesign in Google eingetippt und die Agenturen angesehen, die so sich im Internet präsentieren, und die genommen, die den besten Eindruck machen. Gleich Termin vereinbart, toller Laden, freundlicher Service, gleich zwei Mann/Frau mit dabei (Grafiker/Projektmanager), super interessantes Gespräch über Webstandards und Kommunikationsziele geführt – also über Dinge, die man nicht mal wusste, dass es sie gibt -, freundlich verabschiedet, Angebot machen lassen, nach Erhalt von Ehefrau/Ehemann minutenlang Luft zufächeln lassen. – Leider nichts ungewöhnliches. Selbst wenn eine Webdesign-Agentur an den unteren Rand ihrer Möglichkeiten geht, ist das für viele Business-Starter oder auch Hobby-Projekte noch jenseits von Gut&Böse. Und selbst wenn man dann noch irgendwie zusammenkommt, sei es aufgrund eines schwachen Moments des Budget-Verantwortlichen, dann treffen sich auf der einen Seite das „low budget“-Projekt mit dem „richtig mal Geld in die Hand genommen“-Gefühl – eine oft unglückliche Konstellation zwischen Anspruch und Erwartungshaltung.

Lange Vorrede für eine „Paid Review“, aber – auch wenn ich manchen damit enttäusche – Rezensions-Themen können mich wenigstens manchmal selbst richtig interessieren. Wie hier im Fall.

Surfino wendet sich mit einer Art Homepage-Baukasten an Kleinkunden, Vereine und auch Firmen und bietet ein Exklusiv-Paket und beschreibt das so: »Das neue Angebot „Exklusiv-Homepage“ umfasst neben unbegrenzt vielen Seiten und Bildern eine individuelle Grundgestaltung mit Farbanpassung. Die Grundeinrichtung der Webpräsenz einschließlich Bilder und Texte wird dabei von Surfino übernommen. Den vorkonfigurierten Internetauftritt kann der Auftraggeber anschließend nach seinen Vorstellungen weiter verfeinern und aktualisieren.«

Jetzt kenne ich das Internet nun wirklich schon sehr lange und habe auch Baukasten-Systeme kommen und gehen sehen, quasi von der ersten Stunde an. Und bis zu diesem Punkt dieser Rezension habe ich auch noch keinen einzigen Blick auf die Möglichkeiten dieses Systems geworfen – bewußt, denn ich will das mal nüchtern ansehen und mir einen Eindruck verschaffen, wie es denn wäre, wenn man selbst in der Situation sei. Da ich nun aber aus dem Biz komme halte ich es mit Hans Pfeiffers Professor in der Feuerzangenbowle: »Da stelle mehr uns janz dumm«

Nehmen wir also mal an, mir wäre von enthusiastischen Geschäftspartnern beim geselligen Zusammensein Surfino empfohlen worden. Ich also dahin und rechts auf „Exklusiv-Homepage“, klingt ja gut, quasi alles mit bei und auch noch im eigenen „Firmen-Design“, also das, was mir die befreundete Grafikerin so mal zum Freundschaftspreis als Logo, Briefkopf und Visitenkarte gestaltet hat. Namen meiner Firma soll ich eingeben und paar Angaben machen – so weit, so gut. An die E-Mail-Adresse kommt ne Mail, in der mir nun die Adresse mitgeteilt wird, unter der ich dann zu finden sein werde und ein Bearbeitungs-Zugang zum Homepagebaukasten. Na, den sehen wir uns dann doch mal an.

Homepagebaukasten

Flugs mit den Zugangsdaten angemeldet wird man zu einem Assistenten geleitet, der mich in drei Schritten vorbereiten soll. Drei Schritte sind gut und Assistenten mit einfachen Fragen finde ich auch hilfreich. Also Namen eingeben: »Zielpublikum Oldtimer« nehm ich mal zu Testzwecken. Jetzt soll ich eine Designvorlage wählen aus verschiedenen Kategorien – hmm. Oldtimer sind selbst nicht direkt dabei und zudem: Woher soll ich wissen, ob mir das dann gefällt. Hier ist schon mal etwas technische Spielfreude nützlich, denn mit Maus-Draufhalten kriegt man eine Vorschau – erklärt wird das leider nicht, wäre aber sinnvoll.

»Porsche« wäre thematisch passend, gefällt mir aber schon im Preview gar nicht. So beim Durchsehen denke ich an das schöne Event in Hattersheim und die Bäume und Blüten – aber das steht bei Natur. Ich bin etwas verunsichert, weil ich nicht so genau weiß, ob man damit neben Design auch noch etwas anderes beeinflusst, also ob eine Geschäftliche Seite nicht Geschäftlich und ein Hobby-Projekt nicht Freizeit nehmen muss – kann ja sein, oder? Nun, ich nehme trotzdem „nature“.

Die nächste Frage: Welche Seiten will ich anlegen? Oh weh. Genau darüber wollte ich mir ja erst noch Gedanken machen. Kann ich das später noch ändern? Ich entscheide mich für 5 Seiten, die ich mir spontan schnell zusammenreime, drei weiß ich schon, die anderen nenne ich mal Seite 1 und Seite 2.

Assistent sagt: »Die Seiten wurden jetzt angelegt. Nun fehlen nur noch die Inhalte (Texte, Bilder).« … Da waren sie ja wieder, meine Probleme: die Inhalte. Aber ich mach mal von vorne: Die Startseite

BildzitatEin klassischer WYSIWYG-Editor, also was ich formatiere sehe ich auch gleich. Die Optionen sind vertraut, die Schriftartenauswahl in Bezug auf Schrift-Standards im Internet etwas optimistisch (ich sehe eine Andale Mono ganz gern, auch ne Book Antiqua mal, aber als Standard-Schriftarten würde ich sie nicht bezeichnen).

Text eingeben und Seiten anlegen erscheint wirklich sehr einleuchtend. Jetzt stelle ich mir noch die Aufgabe ein Bild hochzuladen. Das Knöpfchen „Bild einfügen“ finde ich auf Anhieb, aber da steht nun was von Bild-Pfad im Internet – aber das kapiert nun ein Anfänger wohl kaum. Meistens liegen die Bilder ja am Rechner und nicht irgendwo im Netz. Ich tu jetzt mal auf neugierig und such mal nach Dateiverwaltung – vielleicht kann man ja was hochladen. Et voilà. Der Upload geht extrem flott, muss man sagen, nur wie krieg ich das nun auf die Seite? Hier ist etwas Forschergeist gefragt und am Ende kapiert man, dass man – nach dem Upload – das Bild tatsächlich am gleichen Knöpfen „Bild einfügen“ von vorhin nun dort in der Dropdown-Liste findet – kommt man vielleicht nicht gleich so einfach drauf.

Zwischenergebis:

Test-ScreenDas ist soweit ok, das erscheint mir machbar, auch für einen Ungeübten in Bezug auf Content-Management-Systeme. Denke, man kann da durchaus mit ein wenig Neugier und Ausprobieren auch ohne große Anleitung zurecht kommen. Nicht getestet aber ganz interessant erscheinen mir auch die angebotenen Module wie: Veranstaltungen, Kommentare, Fotogalerie, Dateilisten, Gästebuch, Kontaktformular, Tags, Seitensuche, Forum, Shop oder Passwortschutz. Soweit ich das sehe ist es auch nicht so schwierig das ganze auf eine saubere de-Domain umzustellen, das gibt dem gleich einen professionelleren Charakter.

Fazit: Wer sich mit den angebotenen Layouts begnügen kann (ich jedenfalls konnte auch auf den zweiten Blick nicht sehen, wie man an die Templates ran kommt), kann relativ schnell und ohne große Vorkenntnisse eine Website auf die Beine stellen, die sauber aussieht und durchaus mit Funktionen ausgestattet ist, die nützlich sind und nicht nur die Grundbedürfnisse decken. Ein echtes Corporate Design herzustellen ist aber nicht machbar. – Die Einrichtung ist problemlos, die Bedienung klappt schnell und intuitiv. – Allerdings darf man eines eben nicht vergessen: Die Leistung von Web- und Grafikdesignern liegt nicht nur darin, einen ordentlichen Rahmen zu konstruieren, sondern eben zu beraten, was zu einem passt, und auch Inhalte sauber zu präsentieren. Wenn bei so einem Baukastensystem der Anwender keinen Geschmack hat, nutzt auch die einfachste Bedienung nichts. Durch die doch eingeschränkte Auswahl an Themen und dem Umstand, dass man an selbige (aber ich korrigiere mich da gern) nicht rankommt, wird viel in punkto Individualität beschnitten.

Kurzum: Kann mir gut vorstellen, dass manche damit „ihr Internet-Problem“ schnell und ordentlich vom Tisch kriegen und damit die ersten und vielleicht zweiten Schritte gut schaffen, auf dem Weg zur individuell auf das Unternehmen/dem Verein zugeschnittenen Kommunikation im Internet sind aber noch viele Schritte mer zu tun – und da kommt man nicht darum herum, sich entweder selbst damit auseinanderzusetzen oder sich fachlich beraten zu lassen. Selten passt dann das gefundene Ergebniss in einen standardisierten Rahmen. Aber warum nicht so starten?