Ausgerechnet Kernenergie! Gibt es denn keine andere Sponsoren?

Ich leide.

Was soll man tun, wenn dein Lieblins-Fußball-Verein ausgerechnet einen neuen Sponsoring-Partner aus einer Branche präsentiert, die man so gerade eben als „Lieblingsgegner“ auserkoren hat.

Ausgrechnet Kernenergie „ziert“ nun das Leibchen der Profi-Fußballer des 1. FC Nürnberg und ich hab so meine liebe Mühe damit klarzukommen:

Irgendwie macht es mir der Club einfach da nicht leicht als Fan. Einmal war es eine Zeitarbeitsfirma (im Fußball-Bereich kommt das sehr witzig…), dann war es ein Bekleidungshersteller (der unbedingt das Wort “lady” mit im Namen tragen musste, im Männersport auf der Trikot-Brust ein Schlag ins männliche Fan-Kontor) und sogar beim Stadion-Namen musste man eine lokal ansässige Bank wählen (an sich ja gut!), die aber unbedingt das Produkt der schnellen einfachen Kredite (bei der finanziellen Vorgeschichte des Club) bewerben wollte – und das auch noch in englisch (wo das bei die Franken so super klingt: »Gehsd ah heid ins isi-grädddid-Stadion?«).

Quelle: Strahlende Zukunft? bei clubfans-united.de

Mal ganz ohne Scherz. Ich hab da meine Probleme damit.

Stoibär verweist als Kommentator beim Glubb-Blog auf diesen Online Report:

Der Atomstrom-Komfort führt in die verstrahlte Wüste der Tuareg


Nicht genug: Ebenso bedrohlich sind heute die Uranminen in der Region Agadez bei den aus dem Sand gestampften Minenstädten Arlit und Akouta nahe des Aïr-Gebirges. In diesem Wüstengebiet lässt Frankreich seit rund 40 Jahren rücksichtslos Uran abbauen – durch seinen Atomkonzern Areva (früher Cogema). Dieser deckt weltweit – von der Urangewinnung bis zum Betrieb von Kernkraftwerken – sämtliche Bereiche der Atomindustrie ab und gilt, neben Toshiba, als das grösste Unternehmen der Branche.

Das in Niger durch seine Tochterfirmen Somair und Cominak freigesetzte Uran hält die französischen Kernkraftwerke und die Rüstungsindustrie in Schwung – mit verheerenden Folgen für Mensch, Tier und Umwelt. Dies hat Areva von der globalisierungskritischen „Plattform Public Eye on Davos“ eben den Global-Award für das „verantwortungsloseste Unternehmen des Jahres 2008“ eingetragen. Begründung: Die andauernde und grossflächige Verseuchung von Luft, Wasser und Boden durch den Atommulti sowie dessen Vertuschungsstrategien gegenüber gesundheitlichen Schäden wie Krebs, die von der Firma als Folge von Aids deklariert würden.

Vereinsaustritt deswegen finde ich nun übertrieben, Energieversorger mit Fokus Kerntechnik zu sein ist ja kein Verbrechen, aber der Kauf eines Trikots mit einem Sponsor aus dem Bereich Kernenergie ist damit definitiv für mich vom Tisch. Soll ich dafür ernsthaft „Werbung“ machen? Das kommt ganz sicher nicht in Frage.

Viele Fans sehen das ganz pragmatisch: »was kümmert´s scho´, was die auf der Brust ha´m….gscheit´ spiel´n solln´s« – Ich fürchte aber, die Diskussion ist nach der ersten Irritation aber erst eröffnet.

Hoffentlich behält also Stoibär mit seiner im Glubb-Blog aufgestellte These nicht Recht: »Nene, mit Areva hat sich der Glubb ein ganz faules Ei ins Nest geholt.« Das Potential für eine größere Diskussion mit Auswirkungen auf das Image (jedenfalls in Kreisen, die aktuell keinen Stimmungswandel Pro-Kernkraft gerade verspüren) hat das Thema.

Uns Clubberern bleibt wirklich nichts erspart.