Anarchy in the blogosphere

Was mich eigentlich irritiert: Warum eigentlich andauernd das mit dem „Erfolg“?

Geht es darum? Die verzweifelte Suche nach dem „Schlüssel“, nach dem ganz großen Ding? Funktionieren Blogs dann, wenn sie Erfolg haben? Für ein Geschäftsmodell taugen? Wenn die Werbewirtschaft frohlockend die Schecks auspackt? Wenn sich die imperialen Blog-Sternenzerstörer so formiert haben, um der Allianz aus Journalismus, Lobbyismus und Politik die Stirn bieten zu können?

Hab ich das alles wirklich so falsch verstanden? Ist es wirklich so, dass der Erfolg abgestempelt ist, wenn man da ankommt, wo die anderen schon sind?

Haben wir dann „funktionierendes“ Bloggen in Deutschland, wenn irgendeiner es „geschafft“ hat? Wenn ein Blog ehrfürchtig auf der Liste der „Oh mein Gott, was haben die wohl heute für ein Thema“ stehen und Promis den Ritterschlag erteilen und ab und an kommentierend eingreifen oder gar Gastbeiträge zum Besten geben?

Man mag mir das schmunzeln da verzeihen: Das ist doch wie „Die Anarchie sucht jetzt einen König“!

Das Bloggen ist doch die Anarchie, das nicht in den Griff bekommen der Vielfältigkeit! Dachte ich immer – oder bin ich ein naiver Trottel?! – War es nicht die Macht der Kakophonie gegen die Erkenntnis, dass alles, was man orten und dingfest machen kann, auch manipulierbar ist – das haben uns doch der Weg des Journalismus gerade gezeigt, eingezwängt in die Sachzwänge aus Werbekunden und Leserschar, der Quotenzwang, die Streichung der Mittel und Zeit zur Recherche.

Da jammern alle im Chor dem fehlenden „Erfolg“ nach und rechnen sich die Wachstumsraten und die beste Zielgruppenansprachen mit Statistiken vor oder schön. Was mir fehlt? Die Kakophonie! Die Missklänge, eingebettet in einen Klangteppich einer Unzahl von Instrumenten!

Das ist doch, was die Medien und die Wirtschaft fürchtet: Das nicht fassen können, die Vielfalt. Wenn du auf drei draufhaust schreien 100 andere auf. Aber statt dessen sehnen wir uns weiter nach dem Bloggerkönig, dem Blog-Messias, der den großen bösen Besatzern mal zeigt wo der Hammer hängt – und begeht damit die gleichen Denkfehler, die uns schon zum Status Quo gebracht haben.

Web 2.0-Kommunikation hat nichts mit Erfolg oder funktionieren zu tun – sein Erfolg beginnt, wenn Leute es tun. Und wer meint, das fördern zu wollen, wird das nicht mit weltmännischen Reden über fehlende Qualitäten und Leitfiguren erreichen, sondern über das ermutigen es einfach zu wagen.

Statt andere abbügeln andere aufbauen und bei den kleinen Anfängen ermuntern, und die Großen sollten den Kleinen mit Lob(-Links) mal die Gunst einer breiten Öffentlichkeit verschaffen, statt immer nur Ringelpietz (mit Anfassen) in eigenen (Förder-)Kreisen. Ein Mentor sein, konstruktiv kritisieren und helfen den eigenen Weg, die eigene Sprache, den eigenen Rhythmus zu finden – das fände ich viel sinnvoller als Rudelbildung mit dem Zweck der maximalen Awareness.

Sorry, da draußen, das alles verstehe ich eben nicht, aber deshalb bin ich wohl auch nicht so sonderlich erfolgreich mit meinem Blog.