Handytest: LG nennt es Secret, ich nenne es Sensuality

Wieder einmal packte mich meine Lust auf Abenteuer… Ist natürlich Quark mit Soße. Das LGblog fragte mich, ob ich mal wieder Lust auf einen Handy-Test hätte und als das Schlagwort »LG Secret« (KF750) fiel, brauchte man nicht lange fragen. Ich bin hier ein Endverbraucher-Blog und beschäftige mich von jeher viel mit Elektronik-Zeugs und Handys im Speziellen und wenn ich die Chance bekomme so ein Handy mal zu testen (und auch noch behalten zu dürfen), dann werde ich bestimmt nicht Nein sagen.

Das ist nun schon das dritte Modell von LG, das ich in Händen halte. Das erste war das Viewty, danach das Venus. Beide ließ ich gegen verschiedene Nokia-Modelle ‚antreten‘, von dieser Tradition will ich diesmal keinen Gebrauch machen – das Secret steht mit sich selbst und höchstens ‚hausintern‘ im Ring.

„Secret“ – Geheimnis – ist ein schöner Produktname, wenn ich denn wüßte, wofür er steht. Denn große Geheimnisse entdecke ich nicht beim neuen LG-Handy aus der „Black Label Series“. Um ehrlich zu sein: Eigentlich ist für mich das Secret das Venus, nur in anderer Verpackung und mit paar anderen technischen Spezifikationen. Denn grundsätzlich funktionieren beide im Standard-Set ähnlich: Unten eine klassische Handy-Tastatur (Slider), darüber ein Touch-Pad mit paar Funktionen und drüber ein großes weiteres Display. Die Unterschiede: Das mittlere Touch-Pad ist jetzt wieder ein normales Navigationsinstrumentarium mit Buttons zum Drücken und keine mit dem oberen Display wie auch immer geartete Komplettlösung. Aber der Reihe nach.

Das LG Secret kommt schon mal (wie man es von LG gewohnt ist) extrem edel daher und die Vergleiche mit den Verpackungskünsten großer ‚Obsthändler‘ ist durchaus vertretbar. Wer auch immer es erfunden hat: Es erfreut die Sinne, das LG aus seinen schwarzen Schächtelchen zu befreien. Man darf nicht unterschätzen, wie wichtig heute diese Auspack-Rituale geworden sind. Dabei ist die Erkenntnis ja ein alter Hut: You never can change a first impression.

Was will man über das Handy Neues sagen: Ok, 3G statt nur GSM beim Venus, aber das Viewty hatte auch schon UMTS. Gewicht in etwa bei allen gleich, zwischen Viewty und Secret gibt es gar keinen Unterschied. Ist auch richtig so, 112 Gramm finde ich genau richtig – da hat man was in der Hand, spürt es noch ausreichend in der Jacke und trägt dennoch nicht viel mit sich rum. Denke viel unter 100 Gramm sollte es auch gar nicht sein. Die Rückseite ist aus Karbon, das wird wohl kaum ein Grund des Gewichts sein, vielleicht (vermute ich mal) eher eine Frage des ungestörten UMTS-Empfangs – was man auch dem Obst-Handy nachsagte, warum man jetzt Plastik hinten verbaut.

Sonst ist alles da, was man eben so erwartet von einem Handy. Man kann telefonieren und Mails-Empfangen und Fotos schießen und spielen. Alles nichts Aufregendes. Das Surfen ist dank UMTS jetzt auch wieder flott, allerdings ist der Browser für User wie mich nicht zu gebrauchen. Ok, gucken ja, aber anfassen nicht, denn zum Schnellen Blick auf ne mobile Website geht es sicher, aber das lösen andere Browser wie der Opera Mini schon deutlich besser. Die Kamera ist für mich gegenüber dem Venus viel besser (klar, ganz andere Nummer mit seinen 240×320 Pixeln!), gegenüber dem ebenfalls mit 5 Megapixel ausgestatteten Viewty etwas verbessert. Insbesondere die Auslöseverzögerung – die mich beim Viewty schon störte – scheint besser geworden zu sein. Die Bildqualität ist gut, bei gutem Licht richtig brauchbar auch für Abzüge, aber kann für echte Digitalkameras kein ernsthafter Ersatz sein. Aber als Ersatz für die Tasche, wenn man sonst nichts mitschleppen will, bekommt man schon richtig was geboten. Radio ist an Bord, eine Navi vermisst man (manche sicher mehr, manche weniger). WLAN vermisse ich wieder schmerzlich, zu angenehm ist es, wenn man zum Surfen bei Freunden einfach vom kostenpflichtigen UMTS auf die hauseigene WLAN-Flat switchen kann.

Den eigentlich „Gag“ des Secret bekommt man aber erst (wenn man nicht gerade vorher Produktbeschreibungen und Bedienungsanleitungen gefrühstückt hat) nach einigem Rumspielen mit. Plötzlich und wie von Zauberhand wird aus dem großen Display dann doch ein voller Touch-Screen, mit dem man in Bilder zoomen, Spiele spielen und den integrierten mp3-Player bedienen kann.

Ich finde es sehr sehr sexy, diese Art des Bedienung, aber es wirkt eben wie eine Applikation in der Applikation und … Warum in aller Welt wird diese Touchscreen-Funktion nicht übergreifend wenigstens optional angeboten? Warum muss ich auf dem Mini-Navi-Screen hin- und herhüppen oder auf die Zahlen der Tastatur tippen, wenn ich das Symbol (bspw. für „Einstellungen“) einfach mit dem Finger drücken könnte?! Technisch veranlagt aber inaktiv? Sehr frustrierend und für mich ein echtes Rätsel – womit wir wieder beim Namen wären…

Was auch nicht gefiel: Das Navigations-Touch-Screen-Display ist unglaublich sensibel. Es ist kaum möglich die mittlere Auswahltaste zu drücken, ohne nicht jedes dritte mal mit dem Finger an den unteren Sensor zu kommen und somit seine Auswahl geändert zu haben. Sehr tricky und nervig.

Aber kommen wir zum Ausgangspunkt zurück: Sensuality

Die LG Handys sind einfach eine Freude für die Sinne. Wenn ich das Viewty noch heute in die Hände nehme, oder auch an das Venus denke, dann nimmt man diese Geräte einfach gern in die Hand. Klar muss die Technik stimmen und auch der Konkurrenz stand halten, aber wenn ich heute lese »LG Electronics verkauft mehr Handys als Motorola« (Quelle: Golem.de) und konnte auch Sony Ericsson hinter sich lassen, wundert mich das persönlich nicht. LG setzt in kleinen Details auf Sinnlichkeit, wie diese konzentrischen blauen Kreise, die – unterstützt von der Vibration – die Berührung des Touch-Screen begleiten. Oder den zarten Klangteppich, den man beim eintippen einer schnöden Rufnummer hören kann – ist ne Spielerei, nervt vielleicht schnell, macht aber im ersten Moment total an. Und diese kleinen feinen Details sind es, neben einer großartigen Optik (noch gern schnapp ich mir manchmal das Chocolate und finde es einfach nur rundum schön), die so manchen in der Vielfalt zu LG greifen lassen. Wenn sich die Standards allgemein sich auf einem bestimmten (annehmbaren) Niveau befinden, entscheiden eben Kleinigkeiten oder der optische Reiz.

Das LG Secret in den Händen macht Freude – und wer es achtlos auf’s Sofa wirft und es dabei runterfällt, dem gehört eins auf die Finger (Gruß an Herrn Winkel: Sah zwar saucool aus, aber dafür gehörte dir als Strafe 1 Monat Handyverbot! 😉 ).

Sieht prima aus, kann vieles, freut einen im Detail – da verschmerzt man so manches, vor allem wenn es mehr so Kleinigkeiten sind und man keine zu speziellen Anforderungen hat und eben vor allem Telefonieren und ab und zu nen Schnappschuß machen will. Power-RangerUser wie mir fehlen aber dann doch immer noch WLAN und vor allem die vielen kleinen Helferlein, die man sich auf Symbian-basierten Oberflächen von Drittanbietern dazuholen kann. Aber ich denke, dafür sind diese Telefone auch gar nicht gemacht. 🙂

Anhang:
Hier noch ein ausführlicher Technik-Test bei Xonio.

Nachtrag:
Gerade mal noch mit den Spielen rumgespielt und entdeckt, wie man diese M-Toy-Spiele wirklich spielt. Nicht mit den Fingern, mit dem Bewegungssensor! Das ist ja mal witzig. Muss man nur immer gut festhalten – fast ein WII-Feeling. 🙂
Hier in Action zu sehen: How to Spiel