Der harte Hund ist wohl mit Werner Lorant endgültig als Trainertypus in der Bundesliga ausgestorben, selbst Magath gilt zwar als Schleifer, aber doch mehr als der Zampano, der alle Fäden im Griff hat und andere Methoden kennt, seine Ziele zu erreichen, als den Fön vor versammelter Mannschaft einzuschalten und am Tag nach der Niederlage Zirkeltraining mit anschließendem Fußballtennis mit Medizinbällen anzusetzen.
Ob nun der harte (wie Magath) oder der zarte (wie Doll?), am Ende zählt doch nur, ob der Trainer Erfolg hat! Oder nicht? Ich meine Nein – und weiß, dass man die Meinung nicht teilen muss, aber ich wage den Versuch einer Erklärung.
Ein Fußball-Verein ist ein Unternehmen. – Falsch. Das hätten zwar viele gern, es ist aber nicht so. De fakto sind Fussballvereine Vereine. Was wie ne Binsenweisheit klingt, scheint in vielen Köpfen verdrängt worden zu sein.
Als Verein (Rückbildung aus vereinen) bezeichnet man eine Personenvereinigung, die auf Dauer angelegt ist, einen eigenen Namen führt und in der sich Personen von wechselndem Bestand zu einem bestimmten gemeinsamen, durch Satzung festgelegten Zweck etwa zur Pflege bestimmter gemeinsamer Interessen zusammengeschlossen haben.
Quelle: Wikipedia
Und wenn ich mir meine Satzung des 1. Fußball-Club Nürnberg Verein für Leibesübungen e.V. so aus dem Regal nehme, steht da in § 2 Vereinszweck und das klingt in etwa so:
Zweck und Aufgabe des Vereins sind die Hebung und Förderung der körperlichen Ertüchtigung durch Ausübung von Fußball. Eine wesentliche Aufgabe sieht der Verein in der sportlichen und charakterlichen Erziehung der Jugend und in der Förderung der Jugendpflege.
Die Profiabteilung hat sicher noch weitere Ziele und sind auch häufig im Rahmen von Kapitalgesellschaften ausgegliedert um am Spielbetrieb der DFL teilnehmen zu können, die Kernaufgaben des § 2 bleiben aber – und dafür sorgt die nicht unumstrittene, aber immer noch bestehende 50+1-Regel, »nach der ein Verein mehrheitlich an der lizenzierten Kapitalgesellschaft beteiligt sein und über 50 Prozent der Stimmanteile zuzüglich mindestens eines Stimmanteils in der Versammlung der Anteilseigner verfügen muss« (Quelle). Ein Dorn eben jener im Auge, die gerne den Fußball noch mehr “professionalisieren” möchten. De fakto aber haben die Vereine auch hier noch die Stimmenmehrheit und das Sagen und damit greift wieder § 2.
Nun fragt also ein Kommentator hier im Blog (Dank für die Steilvorlage!), warum man bei einem Trainer der Profi-Mannschaft auf Dinge überhaupt achtet, die direkt mit der Aufgabe eines Trainers gar nichts zu tun haben, wie bspw. die Tatsache, dass Michael Oenning mal Grimme-Preisträger war. Vielleicht konnte bisher Gesagtes hier schon meinen Gedanken transparenter machen. Aber ich belass es natürlich noch nicht dabei.
Allein die nunmehr 56 Mannschaften im Profi-Fußball haben sicher alle den Wunschtraum, einmal ganz oben zu stehen, Realität wird es nicht. Die Spitze wird sogar noch immer weiter sich vom Boden entfernen, die Kluft wird noch größer werden, Deutschland ist da sogar noch fast romantisch in den väterlichen Armen des DFB geborgen (die DFL ist Teil des DFB), der die Kleinen beschützt solange und soweit es noch geht.
Kurzum: Wer Erfolg als Ziel seiner Träume hat, sollte als Fan bei den Batzis oder auf Schalke oder an der Weser anheuern, perspektivisch wird bis auf wenige Ausrutscher da immer die gleichen 5 bis 10 oben stehen. Es sei denn massiv Geld kommt von außen, doch das ist mit all seinen Folgen ein ganz anderes Thema (siehe 50+1-Diskussion).
Was also will man denn eigentlich von seinem Verein? Das wird man so pauschal nicht beantworten können, aber von Erfolg steht nichts in der Satzung. Es geht um Fußball, um Freude am Fußball, um Identifikation mit (s)einem Verein, mit der Stadt, dem Umland, den Mitgliedern. Es geht um Erziehung, darum einen Teil dazu beizutragen, dass die Gesellschaft einen sinnvollen Halt hat, dass die Jugend und Kinder Spaß am Sport hat, am Fußball im Speziellen. Dass sie im Sport und ihrem Verein Vorbilder finden, Vorbilder, die die Kids und Jugendlichen zum Sport motivieren, die aber auch charakterliche Auswirkungen haben. Und das ist alles keine verträumte Spinnerei, dass ist die Satzung und das Grundprinzip auf dem der ganze “Spaß” beruht.
Woche für Woche beschäftigt man sich mit seinem Verein, einfach als Fan oder als Mitglied, als Fernsehbeobachter oder Supporter vor Ort. Schon schwer genug Fußballer an die Leine zu bekommen, doch das mag man noch den jugendlichem Alter schulden der bisweilen halben “Kinder”, die nichts im Leben bisher machten als Sport zu treiben und die schon mit 24 Millionäre sind oder es gern wären. Von wem man aber was verlangen kann, dass sind die Verantwortlichen und ganz vorne der Trainer, der eben auch als Führungspersönlichkeit Leitmotive prägen und nach Außen tragen soll, Motive, die der charakterlichen Förderung der Jugendlichen und Kinder dienlich sind, wie eben Mannschaftsgeist, Kameradschaft, Ehrgeiz, Disziplin, Fairness, Sportsgeist. Aber eben nicht nur das, sondern er steht als Leitbild vorne und kann und sollte den Kindern und Jugendlichen auch vermitteln, dass eben Erfolg nicht alles ist. Dass es wichtig ist sich mit etwas zu identifizieren, auch mal verlieren zu können, den Fehler des anderen als Mannschaft zu tragen und dass gerade ein Mannschaftssport nur funktioniert, wenn man nicht nur an sich denkt – im Spiel und in der Karriere. Aber eben auch, dass es ein Leben außerhalb des Fußballs gibt, dass es nicht jeder schaffen kann, dass eine solide Ausbildung auf und außerhalb des Platzes wichtig ist.
Es ist richtig, dass man im Sport sich von politischen Äußerungen zurückhält, von den gesellschaftlichen Themen kann und darf man es aber nicht. Denn der Sport, vor allem der Vereinssport steht da mitten drin und ist ein integraler Bestandteil dieser Gesellschaft.
Man mag mir den fast philosophischen Ausritt verzeihen, morgen geht’s wieder zurück zum Tagesgeschäft gegen Aachen. Aber wenn man mich fragt, warum mir ein Trainer a) sympathisch sein muß und b) eine gute Vita braucht, dann bleibt mir eben nur zu sagen: Weil er a) einen Teil meines Lebens in den mindestens nächsten Monaten sein wird, dessen Interviews ich mir anhören muss und für den ich mich bei anderen Fans auch noch rechtfertigen soll, und b) weil er nun einmal für mehr an Aufgaben steht, als nur eine Truppe aus zusammengekauften Einzelfunktionen zu einem erfolgreichen Ganzen zu schrauben – das wäre mir einfach zu wenig, dann spiele ich lieber gleich meinen Fußball-Manager am Rechner, da kann ich wenigstens selbst schalten und walten wie ich will und starte ein Spiel neu, wenn es nicht so lief, wie ich das mag und auf Fans und Befindlichkeiten muss ich da auch nicht wirklich achten, wenn ich einen Spieler verkauf oder das Stadion abreiße.
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