Ich in der FAZ

Heute bei FAZ.net »Frankfurt in der Blogosphäre« von Andreas Pöschl mit Auszügen einiger Interviews mit mir. Wurde am Ende mehr ein allgemein informativer Artikel, hätte sich nach den drei oder vier Telefoninterviews auch durchaus mehr in kritische Richtungen der Blogosphäre entwickeln können bzw. in welchem Prozeß man sich befindet, jedenfalls so wie ich das sehe. Bspw. der Aspekt, dass nach meiner Meinung das Bloggen an sich in einer Art Selbstfindungskrise befindet, wo man nicht weiß, werde ich nun ein Magazin, eine Publikation, wie es auch die großen Verlage es anstreben, nur eben autark, mit heeren Zielen und großen Themen, oder spezialisiere ich mich auf ein Thema. Zunehmend verpönt – und das klingt im Artikel auch an – das Bloggen frisch von der Leber weg.

Die Kritik an den ‚einfachen Bloggern‘ kommt noch nicht mal maßgeblich von ‚außen‘, denn die Diskussion zwischen Journalismus und Bloggern ist ja in Bezug auf die ganze Blogosphäre eher akademischer Natur. Bloggersdorf reibt sich selbst gern auf.

Das Bloggen des einfachen Mannes (oder Frau) von der Straße, die Möglichkeit einfach von sich zu erzählen, von seinen Ansichten, seinen Erlebnissen und Eindrücken, wäre ja eigentlich das Potenzial der Masse – doch genau das wird in der offenen Diskussion und selbst von den führenden Lead-Blogs (manche sagen: A-Blogger) doch mindestens zwischen den Zeilen als überholtes (nahezu nostaligisch-romantisches) Modell angesehen. Bloggt man nur für eine kleine Leserschaft, fehlt die Relevanz, bloggt man seine subjektiven Ansichten, fehlt das Know how und die Differenzierung, bloggt man spontan aus dem Bauch, mangelt es an Tiefgang und Recherche. Konzentriert man sich auf sich, ist man selbstreferenziell, versucht man sich nach außen zu wenden, ist man eine Link-Schleuder. Ist man viel unterwegs und beteiligt sich, prostituiert man sich für einen Kommentar-Link, bleibt man in seinen Kreisen, kriegt man den Vorwurf zu hören, man würde doch nur unter seinesgleichen bleiben und sich isolieren.

Kein Wunder also, dass vielen die Lust vergangen ist, einfach mal vor sich hin zu bloggen. Abmahnfallen sind da das eine, viel schlimmer die kleinen Abkanzelungen und Demütigungen, die sich so mancher durch Trolle, Besserwisser-Kommentierer und auch gern mal durch einen Seitenhieb eines der A-Blogger gefallen lassen soll. Auch fehlt vielen das Recht auf Redefreiheit. Das Recht auf Anonymität, das Recht auch etwas falsches sagen zu können, ohne gleich juristische Konsequenzen zu fürchten. Was wundern wir uns, wenn wir keine Diskussions- und Streitkultur entwickeln können, wenn jedes falsche Wort, jede falsche Ansicht als Ruf- oder Geschäftsschädigung vor dem Kadi landet.

Ich mach aus meiner Ansicht kein Geheimnis, dass ich meine die Politik hat hier bei der Gestaltung dieses neuen Mediums Internet und seinen Möglichkeiten nahezu vollständig versagt. Hier hätte man nicht mühsam die Übertragung bestehender Rechtsansichten versuchen sollen, sondern die Chance begreifen den Bürger eine Freiheit und ein neues Demokratieverständnis zu vermitteln. Wie schwer wäre es denn gewesen Verfahren der kostenneutralen Streitschlichtung zu installieren in Zeiten von E-Mail und schnellen Kommunikationswegen? Wäre es so dramatisch gewesen, wenn man sich über Unternehmen in Foren offen und kontrovers auslassen darf, wenn doch der Betroffene die einfache Möglichkeit hat, das Gegenteil in einer Gegendarstellung auszuräumen und so den unbeteiligten Betrachter die Möglichkeit geboten wird, beide Argumente und Sichtweisen abzuwägen und sich eine Meinung zu bilden.

Meinung bilden – das wäre die Chance gewesen. Und zum Meinung bilden gehört manchmal erst sich die eigene zu vergegenwärtigen, sie zu formulieren und dann anderen vorzustellen. Genau hier lag die Chance der Weblogs. Genutzt wird sie nur von wenigen. Die Frage ist, ist es überhaupt gewollt, dass die Leute sich wieder mehr eine eigene Meinung bilden. Die Frage ist rhetorisch.

Doch der Artikel bleibt beim Thema »Frankfurt in der Blogosphäre« und konzentriert sich (absolut berechtigerweise) auf eine nicht zu tiefgehende Auseinandersetzung damit, warum eigentlich in so einer großen Stadt so wenige über dieselbe schreiben – ob gut oder schlecht, ob staatstragend oder nebensächlich. Und in der Tat komme ich mir manchmal wie ein kleines Lichtlein in der dunklen Großstadt vor und wundere mich, wenn für die FAZ kein anderer außer ich (mit meinen nüchtern betrachtet bescheidenen Zugriffszahlen) gefunden werden kann, der wenigstens ab und an aus und über die Stadt schreibt (und dabei bin ich noch nicht mal ein Einheimischer).

Auch genannt übrigens ein mir bis dahin unbekanntes Blog namens meiersonline.de … und weil ich weiß, wie hart es einen treffen kann, wenn in einer solchen Publikation der Link falsch ist, hier noch ein funktionierender Link zu meiers.blogg.de – das kleine „www“ davor, wie im FAZ-Artikel enthalten, führt nämlich zu einer bedauerlichen Weiterleitung auf blogg.de, der zentralen Startseite des Blog-Dienstleisters, und nicht zu den Meiers.

»Frankfurt in der Blogosphäre« bei FAZ.net > Gesellschaft > Menschen

Alles über Frankfurt findet man übrigens hier im Blog über den Tag »Frankfurt«