Kolibri und andere Sprachverbrechen

Gestern an einem Billard-Café namens »Kolibri« vorbeigefahren. Sowas geht gar nicht. Man kann ein Billard-Café nicht Kolibri nennen, wie man einen Hardrock-Schuppen ja auch nicht Pandabär nennt. Man muss ja auch mal an die Stadt und die Anwohner denken – die können sich das ja nich aussuchen Tag für Tag, die fahren dann eventuell jeden Tag an so einem Schild vorbei und haben das dann im Kopf. Kolibri und Billard. Das verbindet sich dann vielleicht zu einer Aversion gegen den Billardsport in seiner Gesamtheit. Da fragt dich dann einer Wochen oder Monate später aus dem Kollegenkreis arglos »Wie wäre es mal wieder mit ner Partie Pool-Billard?« und du hast sofort den Kolibri im Kopf und denkst dir »Der Meier? Ausgerechnet der Meier macht sowas! Hätte ich ja nie gedacht.« Dabei will der nur ne Partie Pool spielen.

Ne, da muss man auch mal an die anderen denken. Tun ja schon die wenigsten Eltern wenn sie ihre Kindern etikettieren. Soll ja schon »Lena Luna« geben und »Jean Cedric«, einen kenn ich, der heisst »Tommy Lee«, als Vornamen, aber das klingt ja wenigstens noch cool, da kann man bisschen mit dem asiatischen Einschlag punkten und auch in der Grundschule wirkt das noch lässig, aber Namen wie »Cosma Shiva« gehen maximal mit prominenten Eltern durch – da lacht keiner, wenn man dich mit dem Porsche am Anfang paar mal vorfährt. Aber wenn du mit dem Bus kommst und Legolas oder Burglinde heisst ist das dein früher gesellschaftlicher Tod.

Und wenn sich dann Legolas mit Merlin und Burglinde im Kolibri treffen, ist das eben nicht nur eine Frage der Betroffenen, das wirkt sich eben auch auf die Gesellschaft aus, das vergessen viele. Das wird ja auch kommuniziert, da muss auch ein Max und eine Charlotte drüber reden, wenn sie gefragt werden, was die anderen drei aus der Klasse machen. Da kannste mit einem ganz normalen standard-modernen Namen ausgestattet sein und musst dich trotzdem mit der Benamung der anderen rumschlagen.

Das geht einfach nicht, da muss man eben auch mal an die anderen denken. Wenn man mich fragt.