Monthly Archives: August 2008

Bloggen ist wie eine große Liebe

Wenn ich schon angesprochen werde bei Nerdcore, quo vadis?, will ich doch auch was ‘zu sagen.

Zitiert werde ich mit dem Satz »Bloggen sei Tagesgeschäft« und ich hatte mir damals sicher auch was dabei gedacht. Dabei könnte ich heute eines draufsetzen und sagen: Bloggen ist nicht mehr oder weniger wie eine Beziehung, vielleicht sogar deine große Liebe.

Bloggen anzufangen ist wie ein erstes Date, es ist so unbekannt und spannend, auf der einen Seite so vollkommen ohne Verpflichtung, auf der anderen Seite ahnt man, dass es dein Leben prägen kann. Alles was du machst ist neu, jede deiner Geschichten noch nicht erzählt. Über jeden Witz wird gelacht, keiner der abwinkt und sagt »den hast du aber schon mal erzählt«. Und alles fühlt sich, nachdem die Furcht vor ‘dem Fremden’ vergangen ist, einfach verdammt gut an. Es ist spannend, es fördert und entdeckt was in dir, was du noch nicht kanntest.

Die erste Zeit ist ein Staunen und Entdecken und wenn die ersten regelmäßigen Leser kommen, die ersten Feedbacks zu lesen sind, vielleicht sogar du das erste mal woanders zitiert wirst, kommt das einem bloggerischen Orgasmus ziemlich nahe. Du beginnst dein Blog zu lieben, weil es so gut zuhören kann, und dein Blog gibt zurück: Aufmerksamkeit, Bestätigung, Anerkennung, Zerstreuung, Lebensfreude oder Kummerkasten.

Doch wie es in einer Beziehung so geht: Auch das lässt nach. Man gewöhnt sich daran und die Ansprüche werden höher, freut man sich am Anfang über jeden neuen Passanten, kriegt man bei andauerndem Besucher-Sommerloch schon mal den Blog-Blues. Man versucht dagegenzuarbeiten, sich vielleicht sogar Statistik-Verbot zu erteilen, doch das ist es ja gar nicht. Es ist einfach nicht mehr, wie es mal war. Und der Versuch wieder mal so zu tun wie frisch verliebt, wirkt beim ersten Mal noch witzig und klappt mal kurz prima, doch selbst das ist nicht beliebig wiederholbar.

Was macht man in einer Beziehung? Richtig. Viele entscheiden sich, dass es dann Zeit für Kinder sei. Und so wundert es nicht wirklich, dass Blogger dann Zweit-Blogs aufbauen, sich zwischen Film- und Fußball-Themen verausgaben oder ganz verrucht ein anonymes Ding aufziehen, wo sie endlich mal wieder das fühlen wollen, was sie lange nicht mehr hatten: den Reiz des Unbekannten, die Chance nicht mit sich selbst in Verbindung gebracht zu werden (richtet sich nicht an anonyme Überzeugungstäter!) und die Möglichkeit die Anekdoten doch noch mal neu zu erzählen, diesmal noch besser formuliert oder pointierter. Es einfach besser machen. Aber auch das ist oft eine Sackgasse, weil man am Ende das findet, was man schon beim ersten mal fand: sich selbst.

Wenn die Kinder aus dem Haus sind oder es mit den Kindern nicht klappt, dann wird es Zeit für Hobbies – idealerweise gemeinsame, sonst lebt es sich auseinander. In Blogs ist das genauso. Musik, Grafik, Design, Haustiere, Dauernörgeln … egal, Hauptsache es passt zu dir und verspricht lange Motivation – aber auch ständiges Hobby-wechseln kann ja zu einem passen.

Du und dein Blog pflegt eine Beziehung, man kann es jedenfalls so sehen. Manche pflegen ihre Beziehungen auch genauso schlecht wie ihr Blog. Du kannst es ausnutzen und dann ablegen, du kannst es halbherzig machen und enttäuscht werden. Doch am Ende merkste, alles was das Ding macht ist eine Beziehung mit dir selbst zu haben. Das kann man erschrocken einsehen und die Kurve kratzen oder eine Wendung nehmen. Man kann versuchen was Vernünftiges draus werden zu lassen oder begnügt sich mit dem was man erkannt hat. Man kann es sogar kommerzialisieren. Man kann sich auch einfach keine Gedanken drüber machen.

Was nicht geht: Die Zeit zurückdrehen. Du kannst nicht wieder ‘wie früher’ bloggen. Du gehst deinen Weg und wenn du merkst, dass du dafür nicht mehr so gemocht wirst wie früher, na dann heul doch! :grin:

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Kolibri und andere Sprachverbrechen

Gestern an einem Billard-Café namens »Kolibri« vorbeigefahren. Sowas geht gar nicht. Man kann ein Billard-Café nicht Kolibri nennen, wie man einen Hardrock-Schuppen ja auch nicht Pandabär nennt. Man muss ja auch mal an die Stadt und die Anwohner denken – die können sich das ja nich aussuchen Tag für Tag, die fahren dann eventuell jeden Tag an so einem Schild vorbei und haben das dann im Kopf. Kolibri und Billard. Das verbindet sich dann vielleicht zu einer Aversion gegen den Billardsport in seiner Gesamtheit. Da fragt dich dann einer Wochen oder Monate später aus dem Kollegenkreis arglos »Wie wäre es mal wieder mit ner Partie Pool-Billard?« und du hast sofort den Kolibri im Kopf und denkst dir »Der Meier? Ausgerechnet der Meier macht sowas! Hätte ich ja nie gedacht.« Dabei will der nur ne Partie Pool spielen.

Ne, da muss man auch mal an die anderen denken. Tun ja schon die wenigsten Eltern wenn sie ihre Kindern etikettieren. Soll ja schon »Lena Luna« geben und »Jean Cedric«, einen kenn ich, der heisst »Tommy Lee«, als Vornamen, aber das klingt ja wenigstens noch cool, da kann man bisschen mit dem asiatischen Einschlag punkten und auch in der Grundschule wirkt das noch lässig, aber Namen wie »Cosma Shiva« gehen maximal mit prominenten Eltern durch – da lacht keiner, wenn man dich mit dem Porsche am Anfang paar mal vorfährt. Aber wenn du mit dem Bus kommst und Legolas oder Burglinde heisst ist das dein früher gesellschaftlicher Tod.

Und wenn sich dann Legolas mit Merlin und Burglinde im Kolibri treffen, ist das eben nicht nur eine Frage der Betroffenen, das wirkt sich eben auch auf die Gesellschaft aus, das vergessen viele. Das wird ja auch kommuniziert, da muss auch ein Max und eine Charlotte drüber reden, wenn sie gefragt werden, was die anderen drei aus der Klasse machen. Da kannste mit einem ganz normalen standard-modernen Namen ausgestattet sein und musst dich trotzdem mit der Benamung der anderen rumschlagen.

Das geht einfach nicht, da muss man eben auch mal an die anderen denken. Wenn man mich fragt.

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links for 2008-08-23

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Willkommen in der mp3-Klasse

Nachbar meinte, ich sei ja ziemlich leicht zu begeistern, es wäre eben vor allem einfach ein mp3-Player, da wäre meine Begeisterung über die Wiedergabe von Musikstücken etwas übertrieben. … Mag er recht haben, aber ich hatte eben noch keinen mp3-Player, außer im Handy vielleicht, aber irgendwie ist das nicht das gleiche.

Muss Sansa wohl geahnt haben, als sie mir das Ding zum Test mit Bitte um ehrliche Rezension geschickt haben – daher mag mancher mp3-Profi und iPod-Jünger meine unbedarften Aussagen bitte mit Nachsicht goutieren. Als Einsteiger in der mp3-Klasse war ich nämlich gleich mal beim Auspacken total erstaunt. Ich muss gedanklich wohl am Gameboy der 90er hängen geblieben sein (obwohl ich eigentlich ja einen iPod auch schon in Händen hielt), aber so klein hatte ich mir das Ding dann auch nicht erwartet.

Ich bin kein ausgesprochener Anleitungsleser, kurzum: Ich spiel erst mal rum und les dann (manchmal) und so befand ich mich kurze Zeit in einem ratlosen französischen Menüführungsdilemma bis mich meine Frau auf die Möglichkeit aufmerksam machte, doch am Rädle mal zu drehen, statt immer nur wild zu klicken. … danach gings deutlich flotter weiter. Mein Sohn (5) verkündete mir abends übrigens im Nebensatz ‘und so macht man lauter, Papa’ und drehte locker das Rädchen … aber das ist ein anderes Thema.

Was mich immer an mp3-Playern so abstieß: Es gab eben iPod und den Rest. Und den Rest haben alle immer was mit “najaissaberkeinipod” genuschelt oder von wegen komischer DRM-Regeln à la Zune gewarnt. Und weil man nun mal a) kein najaissaberkeinipod seit den Tagen als man eben keinen SONY-Walkman hatte, sondern einen najaissaberkeinsonywalkman, man aber b) dieses iTunes nun partout nicht ausstehen kann, hatte man im Ergebnis halt keinen – lebte sich auch ohne ganz gut.

Aber jetzt hab ich das Teil da. Und es wirkt.

Ich hab jetzt wieder öfter Musik im Ohr, in der S-Bahn oder auch über die Mini-Boxen, die ich einst mal für nen CD-Walkman erstand. Und mir gefällt, dass ich es kapiere ohne drüber nachdenken zu müssen oder irgendeine Software zu bemühen.

Per USB angesteckt lädt das kleine Ding nicht nur seinen Akku sofort über den USB-Anschluß, er wird auch sofort als externer Datenträger erkannt. Ok, das nun wunderte bei etwas nachdenken dann nicht wirklich, kennt man Sansa ja gerade aus dem Speichermedium-Geschäft mit guten Erfahrungen. Aber dass man nun einfach seine Musik per Drag&Drop draufwirft und mit rasanter Geschwindigkeit gleich mal 10 Alben so drüben hat, das hat schon mal Laune gemacht. Und selbst im Windows Media Player wird das Ding problemlos erkannt und steht zum Datenexport bereit.

Einziger Kritikpunkt finde ich die Menüführung dann im Detail wenn man im Wiedergabe-Modus ist: Mir ist intuitiv nicht immer ganz so klar, wie ich nun Musikstücke wechsel und wann ich mit welcher Aktion das Lied unterbreche oder ich rumsuche und das Stück läuft weiter. Vielleicht doch mal ins Manual gucken.

Meiner Kenntnis nach kostet das Gerät im Laden um die 70 Euro bei 2 GB (geht auch bis 8 GB), kann Videos, Musik, Fotos und Hörbüchern speichern und wiedergeben, hat Radio, kann Sprachaufnahmen mit eingebautem Micro aufzeichnen und angeblich bis zu 24 Stunden Musik wiedergeben. Hat sogar nen MicroSD-Slot und kommt mit Kopfhörer, USB-Kabel und kleinem Schutzhüllchen daher – und was sag ich: Ist mein kleiner Freund geworden. :-)

Datenblatt: SanDisk Sansa Fuze MP3Player 2 GB Schwarz

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links for 2008-08-22

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How delicious: Tags are back

Sie sind wieder da, die Tags, vorausgeklappt und alphabetisch sortiert. Hätte man auch gleich drauf kommen können… Wenn man nun noch ne Multi-Account-Option einführt, bin ich endlos zufrieden.

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Ich in der FAZ

Heute bei FAZ.net »Frankfurt in der Blogosphäre« von Andreas Pöschl mit Auszügen einiger Interviews mit mir. Wurde am Ende mehr ein allgemein informativer Artikel, hätte sich nach den drei oder vier Telefoninterviews auch durchaus mehr in kritische Richtungen der Blogosphäre entwickeln können bzw. in welchem Prozeß man sich befindet, jedenfalls so wie ich das sehe. Bspw. der Aspekt, dass nach meiner Meinung das Bloggen an sich in einer Art Selbstfindungskrise befindet, wo man nicht weiß, werde ich nun ein Magazin, eine Publikation, wie es auch die großen Verlage es anstreben, nur eben autark, mit heeren Zielen und großen Themen, oder spezialisiere ich mich auf ein Thema. Zunehmend verpönt – und das klingt im Artikel auch an – das Bloggen frisch von der Leber weg.

Die Kritik an den ‘einfachen Bloggern’ kommt noch nicht mal maßgeblich von ‘außen’, denn die Diskussion zwischen Journalismus und Bloggern ist ja in Bezug auf die ganze Blogosphäre eher akademischer Natur. Bloggersdorf reibt sich selbst gern auf.

Das Bloggen des einfachen Mannes (oder Frau) von der Straße, die Möglichkeit einfach von sich zu erzählen, von seinen Ansichten, seinen Erlebnissen und Eindrücken, wäre ja eigentlich das Potenzial der Masse – doch genau das wird in der offenen Diskussion und selbst von den führenden Lead-Blogs (manche sagen: A-Blogger) doch mindestens zwischen den Zeilen als überholtes (nahezu nostaligisch-romantisches) Modell angesehen. Bloggt man nur für eine kleine Leserschaft, fehlt die Relevanz, bloggt man seine subjektiven Ansichten, fehlt das Know how und die Differenzierung, bloggt man spontan aus dem Bauch, mangelt es an Tiefgang und Recherche. Konzentriert man sich auf sich, ist man selbstreferenziell, versucht man sich nach außen zu wenden, ist man eine Link-Schleuder. Ist man viel unterwegs und beteiligt sich, prostituiert man sich für einen Kommentar-Link, bleibt man in seinen Kreisen, kriegt man den Vorwurf zu hören, man würde doch nur unter seinesgleichen bleiben und sich isolieren.

Kein Wunder also, dass vielen die Lust vergangen ist, einfach mal vor sich hin zu bloggen. Abmahnfallen sind da das eine, viel schlimmer die kleinen Abkanzelungen und Demütigungen, die sich so mancher durch Trolle, Besserwisser-Kommentierer und auch gern mal durch einen Seitenhieb eines der A-Blogger gefallen lassen soll. Auch fehlt vielen das Recht auf Redefreiheit. Das Recht auf Anonymität, das Recht auch etwas falsches sagen zu können, ohne gleich juristische Konsequenzen zu fürchten. Was wundern wir uns, wenn wir keine Diskussions- und Streitkultur entwickeln können, wenn jedes falsche Wort, jede falsche Ansicht als Ruf- oder Geschäftsschädigung vor dem Kadi landet.

Ich mach aus meiner Ansicht kein Geheimnis, dass ich meine die Politik hat hier bei der Gestaltung dieses neuen Mediums Internet und seinen Möglichkeiten nahezu vollständig versagt. Hier hätte man nicht mühsam die Übertragung bestehender Rechtsansichten versuchen sollen, sondern die Chance begreifen den Bürger eine Freiheit und ein neues Demokratieverständnis zu vermitteln. Wie schwer wäre es denn gewesen Verfahren der kostenneutralen Streitschlichtung zu installieren in Zeiten von E-Mail und schnellen Kommunikationswegen? Wäre es so dramatisch gewesen, wenn man sich über Unternehmen in Foren offen und kontrovers auslassen darf, wenn doch der Betroffene die einfache Möglichkeit hat, das Gegenteil in einer Gegendarstellung auszuräumen und so den unbeteiligten Betrachter die Möglichkeit geboten wird, beide Argumente und Sichtweisen abzuwägen und sich eine Meinung zu bilden.

Meinung bilden – das wäre die Chance gewesen. Und zum Meinung bilden gehört manchmal erst sich die eigene zu vergegenwärtigen, sie zu formulieren und dann anderen vorzustellen. Genau hier lag die Chance der Weblogs. Genutzt wird sie nur von wenigen. Die Frage ist, ist es überhaupt gewollt, dass die Leute sich wieder mehr eine eigene Meinung bilden. Die Frage ist rhetorisch.

Doch der Artikel bleibt beim Thema »Frankfurt in der Blogosphäre« und konzentriert sich (absolut berechtigerweise) auf eine nicht zu tiefgehende Auseinandersetzung damit, warum eigentlich in so einer großen Stadt so wenige über dieselbe schreiben – ob gut oder schlecht, ob staatstragend oder nebensächlich. Und in der Tat komme ich mir manchmal wie ein kleines Lichtlein in der dunklen Großstadt vor und wundere mich, wenn für die FAZ kein anderer außer ich (mit meinen nüchtern betrachtet bescheidenen Zugriffszahlen) gefunden werden kann, der wenigstens ab und an aus und über die Stadt schreibt (und dabei bin ich noch nicht mal ein Einheimischer).

Auch genannt übrigens ein mir bis dahin unbekanntes Blog namens meiersonline.de … und weil ich weiß, wie hart es einen treffen kann, wenn in einer solchen Publikation der Link falsch ist, hier noch ein funktionierender Link zu meiers.blogg.de – das kleine “www” davor, wie im FAZ-Artikel enthalten, führt nämlich zu einer bedauerlichen Weiterleitung auf blogg.de, der zentralen Startseite des Blog-Dienstleisters, und nicht zu den Meiers.

»Frankfurt in der Blogosphäre« bei FAZ.net > Gesellschaft > Menschen

Alles über Frankfurt findet man übrigens hier im Blog über den Tag »Frankfurt«

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