Wenn ich schon angesprochen werde bei Nerdcore, quo vadis?, will ich doch auch was ‘zu sagen.
Zitiert werde ich mit dem Satz »Bloggen sei Tagesgeschäft« und ich hatte mir damals sicher auch was dabei gedacht. Dabei könnte ich heute eines draufsetzen und sagen: Bloggen ist nicht mehr oder weniger wie eine Beziehung, vielleicht sogar deine große Liebe.
Bloggen anzufangen ist wie ein erstes Date, es ist so unbekannt und spannend, auf der einen Seite so vollkommen ohne Verpflichtung, auf der anderen Seite ahnt man, dass es dein Leben prägen kann. Alles was du machst ist neu, jede deiner Geschichten noch nicht erzählt. Über jeden Witz wird gelacht, keiner der abwinkt und sagt »den hast du aber schon mal erzählt«. Und alles fühlt sich, nachdem die Furcht vor ‘dem Fremden’ vergangen ist, einfach verdammt gut an. Es ist spannend, es fördert und entdeckt was in dir, was du noch nicht kanntest.
Die erste Zeit ist ein Staunen und Entdecken und wenn die ersten regelmäßigen Leser kommen, die ersten Feedbacks zu lesen sind, vielleicht sogar du das erste mal woanders zitiert wirst, kommt das einem bloggerischen Orgasmus ziemlich nahe. Du beginnst dein Blog zu lieben, weil es so gut zuhören kann, und dein Blog gibt zurück: Aufmerksamkeit, Bestätigung, Anerkennung, Zerstreuung, Lebensfreude oder Kummerkasten.
Doch wie es in einer Beziehung so geht: Auch das lässt nach. Man gewöhnt sich daran und die Ansprüche werden höher, freut man sich am Anfang über jeden neuen Passanten, kriegt man bei andauerndem Besucher-Sommerloch schon mal den Blog-Blues. Man versucht dagegenzuarbeiten, sich vielleicht sogar Statistik-Verbot zu erteilen, doch das ist es ja gar nicht. Es ist einfach nicht mehr, wie es mal war. Und der Versuch wieder mal so zu tun wie frisch verliebt, wirkt beim ersten Mal noch witzig und klappt mal kurz prima, doch selbst das ist nicht beliebig wiederholbar.
Was macht man in einer Beziehung? Richtig. Viele entscheiden sich, dass es dann Zeit für Kinder sei. Und so wundert es nicht wirklich, dass Blogger dann Zweit-Blogs aufbauen, sich zwischen Film- und Fußball-Themen verausgaben oder ganz verrucht ein anonymes Ding aufziehen, wo sie endlich mal wieder das fühlen wollen, was sie lange nicht mehr hatten: den Reiz des Unbekannten, die Chance nicht mit sich selbst in Verbindung gebracht zu werden (richtet sich nicht an anonyme Überzeugungstäter!) und die Möglichkeit die Anekdoten doch noch mal neu zu erzählen, diesmal noch besser formuliert oder pointierter. Es einfach besser machen. Aber auch das ist oft eine Sackgasse, weil man am Ende das findet, was man schon beim ersten mal fand: sich selbst.
Wenn die Kinder aus dem Haus sind oder es mit den Kindern nicht klappt, dann wird es Zeit für Hobbies – idealerweise gemeinsame, sonst lebt es sich auseinander. In Blogs ist das genauso. Musik, Grafik, Design, Haustiere, Dauernörgeln … egal, Hauptsache es passt zu dir und verspricht lange Motivation – aber auch ständiges Hobby-wechseln kann ja zu einem passen.
Du und dein Blog pflegt eine Beziehung, man kann es jedenfalls so sehen. Manche pflegen ihre Beziehungen auch genauso schlecht wie ihr Blog. Du kannst es ausnutzen und dann ablegen, du kannst es halbherzig machen und enttäuscht werden. Doch am Ende merkste, alles was das Ding macht ist eine Beziehung mit dir selbst zu haben. Das kann man erschrocken einsehen und die Kurve kratzen oder eine Wendung nehmen. Man kann versuchen was Vernünftiges draus werden zu lassen oder begnügt sich mit dem was man erkannt hat. Man kann es sogar kommerzialisieren. Man kann sich auch einfach keine Gedanken drüber machen.
Was nicht geht: Die Zeit zurückdrehen. Du kannst nicht wieder ‘wie früher’ bloggen. Du gehst deinen Weg und wenn du merkst, dass du dafür nicht mehr so gemocht wirst wie früher, na dann heul doch!

Als Einsteiger in der mp3-Klasse war ich nämlich gleich mal beim Auspacken total erstaunt. Ich muss gedanklich wohl am Gameboy der 90er hängen geblieben sein (obwohl ich eigentlich ja einen iPod auch schon in Händen hielt), aber so klein hatte ich mir das Ding dann auch nicht erwartet.
Ich hab jetzt wieder öfter Musik im Ohr, in der S-Bahn oder auch über die Mini-Boxen, die ich einst mal für nen CD-Walkman erstand. Und mir gefällt, dass ich es kapiere ohne drüber nachdenken zu müssen oder irgendeine Software zu bemühen. 


