100 Kilometer lange 30-Zone

In den diversen Verkehrsmeldungen las und hörte sich das noch machbar an: Bisschen zähfließender Verkehr, Stockungen, mal ein Stau ohne weitere Angaben. Die Autobahn A3 Nürnberg Richtung Würzburg stellte sich de fakto aber als 100 Kilometer lange Tempo 30-Zone dar – und das meine ich nicht metaphorisch. Etwas nach Nürnberg auf die Autobahn aufgefahren hatte ich in Würzburg angekommen einen Schnitt von 29 km/h am Bordcomputer stehen. 100 endlos lange Kilometer mit Stop&Go bei über 3 Stunden Fahrzeit.

Ich will mich nicht schon wieder über das Verhalten vieler Autofahrer aufregen, aber mal fragen, was diese „Verkehrsinformationspolitik“ zu bedeuten hat? Selbst als wir nach 2 Stunden noch mittendrin standen blieb der Verkehrsfunk bei seiner hartnäckigen offiziellen Verlautbarung. Vom Verkehrschaos, dass sich gerade abspielte, kein Wort. Warum? Will man herunterspielen, dass man mit den Entschluß so viele Baustellen gleichzeitig zu eröffnen eine fatale Fehlentscheidung getroffen hat, der dazu führt, dass bei geringsten Anlässen, wie bspw. ein langes Wochenende, der Verkehr sofort kollabiert?

Und nicht nur auf der Rückfahrt aus Franken, auch zu Beginn des langen Wochenendes! Dort quälten wir uns sogar noch länger auf der Autobahn (5 Stunden, statt den normalen 2 1/2 Stunden). Auch dort: Hinweis auf dieses Desaster? Fehlanzeige.

Aber dann doch noch mal ein Wort zur mitfahrenden Gemeinschaft …

Kann man mir mal erklären, warum manche so oft auf die Bremse treten? Also ohne Ironie. Es geht nicht darum, wenn man tatsächlich bremsen muss, aber manche veranstalten quasi ein Dauerfeuerwerk auf ihren drei Bremsleuchten. Ganz sicher ein Grund für so manchen Stau oder zumindest stockenden Verkehr, da so ein Bremssignal ja einen Domino-Effekt hat. Das Bemerkenswerte: Die meisten werden nicht wirklich langsamer dabei, jedenfalls verringert sich nicht der Abstand merklich. Meine Theorie: Entweder es ist schlicht eine Unsitte oder fehlende Fahrzeugbeherrschung, den eigenen Wagen ständig etwas zu schnell zu bewegen um dann festzustellen, dass man immer wieder auf den Vordermann „aufläuft“ und korrigieren muss – oder: man „parkt“ seinen Fuß auf dem Bremspedal. Also ich habe meinen Fuß bei stockendem Verkehr meistens auf dem Gaspedal ruhen (ohne zu treten), wechsle dann auf die Bremse, wenn das Motorbremsen nicht mehr ausreicht. Ich habe das Gefühl, manche stellen aus lauter Panik ihren Fuß schon mal auf die Bremse und die sensiblen Sensoren lassen das Bremslicht angehen ohne eine Bremskraft zu entfalten. Kann das sein? Beide Theorie halte ich für bedenklich, da dieses andauernde Bremsen nicht nur alles noch kompliziert, es nervt auch wie Sau.

Und wenn dann noch – wie gestern – ein paar Regentropfen fallen, beginnt bei vielen der Ausnahmezustand… man spürt praktisch, wie die eine Hirnfunktion der anderen dort verzweifelt zuruft: „Bodenkontrolle …. Bodenkontrolle! Hier ist die mobile Fahreinheit! Wir haben hier unbekannte Objekte auf Wasserstoffbasis am Schirm! Was sollen wir tun? Bodenkontrolle!“ „Hier Bodenkontrolle! Haben den Notruf empfangen! Dringend Energiezufuhr auf den Antriebswellen reduzieren! Bremskraft einsetzen! Danach folgen sie folgenden Anweisungen: Rechts in der Nähe des Drehreglers zur Fahrtrichtungssteuerung befindet sich ein manueller Wahlhebel. Den sanft aber bestimmt bis zum Einrasten nach oben bewegen. Diesen Vorgang wiederholen bis zum zweiten Einrastepunkt. Danach müssten in der Regel zwei mechanische Schutzflügel die Elemente auf Wasserstoffbasis intervallartig entfernen. Sollte dies nicht den gewünschten Effekt haben, Procedere bis Stufe 3 wiederholen. Dabei weiter die Geschwindigkeit senken und sich an der mittigen Fahrbahnmarkierung orientieren und dieser Leithilfe folgen …“