Abgemahnt wegen WordPress Plugin »Subscribe to Comments«

Bloggersdorf in Aufruhr, Anwälte wurden losgelassen.

Und “Nein”, es überrascht mich dann nicht wirklich, denn die latente Gefahr bestand in der Tat, dass sie sich dann realisierte, ist eine andere Sache.

Das Plugin »Subscribe to Comments« gehörte für mich aus Usablity-Gründen ganz oben auf die Liste der Plugins, die man haben muss. Es ist einfach unglaublich praktisch und unterstützt die Kommentarkultur, wenn man sich auf einen eigenen Kommentar hin benachrichtigen lassen kann, wenn zu dieser Thema/Artikel andere auch einen Kommentar abgeben oder eine Antwort erfolgt. Doch das Problem ist das gleiche im Grunde, wie bei Newsletter und eCards: Es “kann” eben missbracht werden.

Ohne auf die Details des zu Grunde liegenden Abmahnfalles im Upload-Magazin eingehen zu können oder zu wollen, ist der Umstand nicht wegzuleugnen:

Das Problem der Funktion: Die E-Mail-Adresse wird im Vorfeld nicht überprüft und bestätigt, jeder Nutzer kann im Feld “E-Mail” jede beliebige Adresse angeben. Mögliches Szenario: Dieses Feature wird missbraucht, indem eine fremde Mailadresse angegeben wird und die Benachrichtigungen über neue Kommentare landen dann bei jemandem, der sie nicht bestellt hat. Das klingt für manche sicher harmlos, aber genau diese Lücke im System ist der mögliche Auslöser einer Abmahnung.
Quelle: upload-magazin.de

Es ist reiner Zufall, dass wir das Thema hier in den Kommentaren gerade thematisierten: Es muss ja nicht immer Missbrauch sein, manchmal ist es Unachtsamkeit, fehlendes Unrechtsbewusstsein oder schlicht Unkenntnis oder ein “Jux”, der dazu führt, dass andere mit solchen Einträgen falscher E-Mail-Adressen faktisch belästigt werden. Und das darf man nicht außer Acht lassen bei aller Empörung, dass nun wieder ein nützliches und sinnvolles Feature im Web 2.0 rechtlich bedenklich und abmahnbedroht ist.

Tatsache ist, dass ein »Subscribe to Comments« durch die nun bekannt gewordene Abmahnung neue Brisanz birgt. Die Abmahnung an sich ändert ja nichts an der rechtlichen Beurteilung, eine Abmahnung dokumentiert im Wesentlichen nur eine Rechtsauffassung, die vor Gericht nicht halten muss. Aber durch die Abmahnung wird der Finger auf die Wunde gelegt und könnte andere zum Trittbrettfahren einer weiteren Abmahnung ermuntern. Es ist ja nicht so, dass man noch nie davon gehört habe, dass es auch unredliche Anwälte geben soll (… sicher nur so ein Gerede …), die solche Fälle, die zur Abmahnung führen könnten, wenn nicht initiieren so doch aktiv sich herbeiwünschen … Kurzum: Ich sehe das Plugin genauso rechtlich bedenklich wie vorher, aber das Risiko, dass man deswegen belangt wird, ist sicher deutlich gestiegen – ich werde daher vorerst darauf hier im Blog verzichten und dies auch so als Empfehlung weitergeben.

Es ist sicher eine Krux, dass der rechtliche Bedenkenträger vieles im Netz behindert und das Risiko auf Abmahnungen viel Dynamik und Spaß an der Sache nimmt, gerade die Kommentarbenachrichtigung war für mich enorm wichtig um verschiedenen Threads folgen zu können, bei denen ich mich selbst mit einem Kommentar beteiligte. Aber jammern gilt nicht. Man darf eben nicht vergessen, dass es tatsächlich für manche eine Belästigung sein kann, dass ist nicht von der Hand zu weisen. Und man kann da nicht vom Belästigten verlangen, dass er alle Störer erst mal anschreibt und den ganzen Ärger der Nachverfolgung hat, vielleicht am Ende nur um dann von der Quelle ne blöde Antwort zu kriegen mit dem Hinweis: Dann wende dich doch an den, der die Adresse eingetragen hat – wohl wissend, dass dies in der Regel faktisch nicht möglich ist.

Auch wenn ich diese Abmahnpraxis für eine Plage halte: Das Übel steckt darin, dass solche Tools faktisch missbraucht werden können und missbraucht werden. Vor diesem Hintergrund muss man die Kröte wohl schlucken und sich anderes einfallen lassen. Eine gute Lösung wäre sicher, wenn man das Plugin so erweitern könnte, dass man nur als “Subscriber”, der seine Mail persönlich einmal bestätigt hat, diese Funktion nutzen kann. Wäre prima, wenn das der Plugin-Autor integrieren könnte.

Nachtrag/Anmerkung: Wie auch von donvanone und anderen Orts empfohlen, bietet das Plugin CommentMailer24 einen ganz entscheidenden Vorteil an dieser Stelle: Eine Opt-In-Mail, die man erst anklicken muss, um dann wirklich die Benachrichtigung zu erhalten. Das müsste der von der Justiz als bis dato akzeptablen Newsletter-Option jedenfalls sehr nahe kommen und das Risiko senken. Ich hab es jetzt hier mal eingebaut und getestet. Leider enthält die Benachrichtugung aber nur einen Hinweis, dass es nen neuen Kommentar gibt, aber nicht welchen. Das hat sicher sein Für und Wider. Einerseits war es – gerade um die Kommentare moderieren und überwachen zu können – wichtig, per Mail lesen zu können, was kommentiert wurde, andererseits war die Kombination mit dem Plugin »Edit Comments« ein gewisses Problem, da man nicht unbedingt die letzte Version las. – Kurzum: Eine Übergangslösung allemal, eine Vereiningung beider Plugins inklusive der Benachrichtigung bei Änderungen bestehender Kommentare wäre aber der Traum …

Update: Bei donvanone gibt’s die Anleitung zum Glücklichsein – oder: Wie bringe ich meine Benachrichtigung zum Reden, also zur Wiedergabe des Kommentarinhalts. Sollte Don unbedingt mal dem Plugin-Autoren schicken! Merci bien!