Abschiedsbrief eines Hedge Fond Managers

Bei Jochen Hoff die Langfassung des »Abschiedsbrief von Hedge Fond Manager Andrew Lahde« – eine absolute Leseempfehlung von mir.

Hier Auszüge:

„Was ich über das Hedge-Fonds-Geschäft gelernt habe? Dass ich es hasse.“ Das kann ich so unterschreiben.
Ich habe das Spiel wegen des Geldes mitgemacht. Die Low-Hanging Fruits – sprich: die Idioten, deren Eltern für Yale und den Harvard-MBA blechen – warteten nur darauf, gepflückt zu werden. Diese Leute waren (häufig) wirklich die Ausbildung nicht wert, die sie (angeblich) erhalten haben, aber sie stiegen trotzdem in Unternehmen wie AIG, Bear Stearns und Lehman Brothers sowie in alle Ebenen unserer Regierung auf. Dieses die Aristokratie stützende Verhalten machte es mir letztlich nur einfacher, Leute zu finden, die dumm genug waren, meine Verluste auszugleichen. Gott segne Amerika.

[…] Einige Leute meinen, meinen Nettowert annähernd ausgerechnet zu haben, und wundern sich vielleicht, dass ich mit einer so verhältnismäßig kleinen Kriegskasse aussteige. Aber das ist in Ordnung, ich bin zufrieden mit dem, was ich bekommen habe.

Sollen doch andere ein neun-, zehn- oder elfstelliges Vermögen anhäufen. Aber bis dahin ist ihr Leben nichts wert. Ein Termin nach dem anderen, immer drei Monate im Voraus ausgebucht, im Januar zwei Wochen Urlaub, wo sie die ganze Zeit auf ihren Blackberry starren. Und wozu? In 50 Jahren sind sie doch ohnehin alle vergessen. Niemand wird sich an Steve Ballmer, Steven Cohen und Larry Ellison erinnern. Dieses ganze Getue, ein Vermächtnis zu hinterlassen, verstehe ich nicht. Fast jeder wird vergessen, also versucht doch gar nicht erst, euch unsterblich zu machen. Werft den Blackberry weg, und genießt das Leben!

Das war’s dann also, ich steige aus. Bitte erwarten Sie auf E-Mails oder Anrufe keine Reaktionen. […]

Was die US-Regierung anbelangt, hätte ich einen Vorschlag. Zunächst möchte ich auf die offensichtlichen Fehler aufmerksam machen: In den vergangenen acht Jahren wurden dem Kongress wiederholt Gesetzentwürfe vorgelegt, die den räuberischen Kreditvergabepraktiken der jetzt meist nicht mehr existenten Institute Einhalt geboten hätten. Diese Kreditinstitute haben mit schöner Regelmäßigkeit die Säckel beider Parteien gefüllt, und als Gegenleistung lehnten diese Gesetze ab, die den einfachen Bürger schützen sollten. Das ist ein Skandal, aber niemanden scheint es zu kümmern, oder niemand scheint auch nur darüber Bescheid zu wissen.

Lahde schließt seinen Brief mit Ausführungen zum Hanf-Anbau, was der Sache etwas Groteskes gibt und eine Steilvorlage für Spötter sein dürfte (frei nach dem Motto: daher weht der Wind, ein Kiffer, kein Wunder), doch beim genauen Hinsehen schließt er damit den Kreis: die Unterdrückung von alternativer Medizin (gerade auch Psychopharmaka), alternativer Energiegewinnung und der Kampf der Industrie den Menschen von Methoden und Mitteln fernzuhalten, die eigentlich jedermann offen stehen – statt dessen wird die Umwelt zerstört wider besseres Wissen.

Es sind Worte eines ‚Insiders‘, die in erschreckendem Maße alles belegt, was die Kritiker von der Straße längst munkelten und die man als „Verschwörungstheorien“ gerne vom Tisch wischt. Doch die Wahrheit ist wohl so, wie Lahde dies formuliert, nüchtern, sachlich, aber doch nicht ohne Ausweg:

Ich glaube, es gibt eine Lösung, aber in jedem Fall ist das System derzeit eindeutig kaputt.

»Abschiedsbrief von Hedge Fond Manager Andrew Lahde«