Die Park-Parabel

Direkt um die Ecke unseres sympathischen Büros in Frankfurt zwischen Messe und Bahnhof gibt es die Mainzer Landstraße und dort einen ziemlich breiten Gehweg. Nun ist das noch nichts wirklich besonderes in einer Stadt – eher ist ungewöhnlich, dass es dort keine besonderen Parkregeln gibt.

Nun ist – das weiß man ja – Platz für Parken in so einer Stadt ein ziemlich begrenztes und daher begehrtes Gut. Nun parkten die Fahrzeuge – und ich konnte das ja nahezu täglich begutachten seit Jahren – dort brav hintereinander in einer langen Reihe. Und das war dem Grunde nach ziemlich dumm.

Wenn man nur mal kurz drüber nachgedacht hat – denn der Gehweg ist wirklich breit – passen hintereinander einfach sehr viel weniger Autos als nebeneinander, also idealerweise schräg versetzt nebeneinander. Einige Rebellen wagten das paar mal und wurden mitunter wüst eingeparkt, doch irgendwann setzte sich dann doch die Idee durch und bis wirklich nur noch wenige (siehe Bild oben) Ausreißer etablierte sich nach langen Jahren die Effizienz. Man könnte sagen: Ein Triumpf des Darwinismus!

Und so wäre die Geschichte zu Ende und sie parkten glücklich bis in alle Tage.

Doch dann es fehlt in unserer schönen Geschichte aus Bedarf und Gemeinsamkeit und Zusammenrücken und Optimierung ein klitzekleines Detail: ich nenne es mal Faktor Mensch.

Wenn man nämlich so ein großes teures Auto fährt, wie einen BMW z.B. (siehe Bild, im Hintergrund), dann hat man natürlich vor allem Angst, dass man hinten seine teuren Blech-Arsch zu sehr in die Straße strecken könnte. Und da man es zudem eh nicht so mit den Abmessungen seines Boliden hat, orientiert man sich einfach daran, was man so sehen kann – ergo die Wand vor einem. Dass man dabei faktisch dem Gehweg seine Legaldefinition beraubt, denn zum Gehen braucht es auch ein Mindestmaß an Platz, muss man ja nicht bedenken. Auch sollen die Mütter mit ihren Kinderwägen doch eh besser zu Hause bleiben, ist ja vielleicht auch schon dunkel (zumindest war es das vielleicht, als man den Wagen abstellte…). Und wenn mal ein paar mit anfangen, machen es die anderen natürlich nach (Mensch = Herdentier) und bald ist vom Gehweg nichts mehr da.

Und so wird die Geschichte ihren Lauf nehmen: Eines Tages wird ein treuer Gesetzeshüter den Zustand erblicken und dem Ordnungsamte zuleiten – oder besser noch: ein Parkender erspäht einen Kratzer an seiner Motorhaube – von vorbeilaufenden Passanten erzeugt, die ja viel zu knapp an seinem Wagen vorbeiliefen – und macht bei seiner Vollkasko-Versicherung Wirbel und es kommt zur Ortsbegehung durch Gutachter etc. pp.
Wie es auch kommen mag: Man wird sich die Situation ansehen und zum Schluß kommen, dass hier alles grundsätzlich geregelt werden müsse. Man wird wahrscheinlich Linien aufmalen und gleichzeitig auf die tolle Idee kommen, dass man die Linien ja durch Parscheinautomaten refinanzieren könnte. Und dann werden die, die gestern noch glücklich waren, wenn sie bei ihrer rastlosen Suche nach einen Platz zum Parken hier fündig wurden, sich ärgern, denn gebührenpflichtiges Parken ist für die, die eh schon keinen firmeneigenen Parkplatz zugewiesen bekamen, meist finanziell nicht machbar.

Das wird dem fetten BMW egal sein, der freut sich dann eher, dass er jetzt hier immer einen freien Platz findet und sich dank der Linien auch nicht mehr optisch an der Wand orientieren muss und auf die paar Peanuts für’s Parken kommt es ihm ja auch nicht an.

Und der Mob schreit im Chor: Scheiß Bürokratie!