Meiner virtuellen Exekution persönlich beigewohnt – die Google PageRank-Strafe

Manchmal kann man einfach auch „Glück“ haben! Eher per Zufall mal wieder für einen Kunden den Future Page Rank gecheckt und auch mal seinen eigenen durchlaufen lassen: Und siehe da! Ich durfte/darf wohl meiner eigenen Google-PR-Exekution beiwohnen. (Sozusagen live, denn nach und nach verschwinden die PR3-Einträge und ein uneinheitliches Bild beim Blick auf die Google Server bedeutet eine bevorstehende Veränderung)

Kurz zur Erklärung: Der Google™ PageRank™ sollte einst ein Indikator der Wichtigkeit einer Website sein und berechnete sich aus einem Algorithmus, der im Wesentlichen darauf sich gründete, wer auf dich verlinkt und wie wichtig wiederum der Verlinkende ist. Durch diese Konstellation wurde der PageRank bald zu einem „Wert“, der auch monetarisierbar war: Wer einen hohen PageRank (kurz: PR) hatte, galt demgemäß als begehrter Linkpartner – eine Anziehungskraft, die auch Geschäftsmodelle blühen ließ, dem Link-Handel. Und das war letztendlich auch das Ende der guten Idee des PR, denn natürlich wurde das auch gemacht und wird gemacht. Gekaufte Rezensionen und Link-Verkäufe sind vor diesem Hintergründe daily business im Web und wer eben einen hohen PR-Wert hatte, war ganz oben bei den Link-Head-Huntern.

Ich muss zugeben: Rein nüchtern betrachtet verstand ich den Groll, der seitens Google entstand. Da wird also versucht ein Algorithmus, der eigentlich dazu dienen soll, die Suche zu verbessern, zu unterwandern um des schnöden Mammons willen. Zugleich – aber das sagt man bei Google natürlich nicht laut – will man das Geschäft des Vermarktens von Websites ja selber machen. Ergo griff Google ein: Erst drohend und feinjustierend, zwischenzeitlich mit Rute und zur Not Verbannung. Wer sich nicht an die Regeln hält, der kriegt eben einen niedrigen PR und damit ruiniert man diese Einnahmequelle schlichtweg, denn eine PR0- oder PR2-Seite ist für den Linkpartner uninteressant.

In den Fokus rückten insbesondere auch in der deutschen Blogosphäre bekannte und verbreitete Geschäftsmodelle wie Linklift und Trigami. Es entstand damals schon eine mehr als nur hitzig zu bezeichnende Grundsatzdebatte, ob man generell sich dem Mammon hingeben dürfe als Blogger für Geld. Einen Konsens gab es damals nicht – es blieb bei verhärteten Fronten und einem fast kalten Krieg, der immer wieder in Bosheiten und Seitenhieben hochkocht.

Davon unberührt ob solcher verbalen Scharmützel des Mobs zieht Google seine Linie offenbar weiter durch. Frei nach dem Motto: We are good. Und was „gut“ ist, bestimmen wir. Ich hab mir damals das alles angesehen und meine eigene Meinung gebildet, die im wesentlichen auf zwei Thesen fußt: 1. Linkverkäufe sind in der reinen Lehre nicht gut, was die Suche käuflich manipuliert, schadet im weitesten Sinne uns allen – und 2. Jeder hat das Recht darauf nach eigener Entscheidung seine Website zu vermarkten und darf nicht von Marktführern und Quasi-Monopolisten darin beinträchtigt werden.

Beide Thesen zusammen ließen mich zu einem Schluß kommen: Spiele nach den Spielregeln.

Und diese Spielregeln sind:
– Werbung machen ja, aber außerhalb des redaktionellen Contents und gekennzeichnet
– Rezensionen ja, aber gekennzeichnet und die Links mit rel=nofollow, damit es den Algorithmus nicht manipuliert (ein mit rel=nofollow gekennzeichneter Link sagt Suchmaschinen, dass sie den nicht für den Algorithmus berücksichtigen sollen)
und
– keine Linkverkäufe

Ich beendete damals daraufhin meine Partnerschaft mit Linklift, arbeitete aber weiter bspw. mit Trigami zusammen, die rel=nofollow voll unterstützen. Werbeangebote im redaktionellen Content lehnte ich ab, Linkangeboten erteilte ich eine Absage. Bis heute jedenfalls.

Ich informierte Google über die Webmaster Tools mehrfach, dass ich entsprechend reagierte und auch rückwirkend alle Rezensionen überarbeitet habe (mit rel=nofollow). Die Reaktion war: keine. Reaktion auf was? Reaktion auf meinen Antrag, meine Website schlicht wieder normal erfassen zu lassen, denn Google hatte ganz offensichtlich an meinen PR „Hand angelegt“. Statt PR 4 ging es auf PR 2 und auf meiner Hauptdomain gar auf PR0. Und (siehe oben) nun wurde aus dem händischen PR3 für das Weblog offenbar auch ein PR0. Begründung: keine. Dass der Wert manuell modifiziert wurde, lässt sich leicht belegen, da andere Domains von mir, als google-unbedenkliche Weiterleitung angelegt, selbst höhere Werte haben. Die Gründe sind aber unklar.

Faktisch ist es so, dass man meines Wissens gegen meine Interpretation der Spielregeln nichts einwenden kann, man mag anderer Auffassung sein, aber ich bewege mich innerhalb der Regeln. Warum reagiert Google dennoch nicht nur „nicht“ sondern sogar „noch negativer“? Zwei Erklärungen fallen mir dazu nur ein: 1. Ich berichte hier sehr kritisch über Google und die zunehmende Konzentration von Universal- und Individual-Wissen in einem Unternehmen – und 2. Google geht es nicht um die Einhaltung irgendwelcher Fake-Regeln, man will schlicht nur seine eigenen Regeln spielen und die heißen: Wir bestimmen wo es lang geht und wer was im Netz mit Werbung verdient. – Was sich schon wieder nach Verschwörungstheorie anhört (vor allem beim ersten Punkt) mag man mal in dem Lichte sehen, warum andere bereits betroffene Blogs, die bereits einmal „ein bisschen“ abgestraft wurden, ihre Praxis knallhart weiter durchzogen und dennoch bei noch moderaten PR wie 3 oder 4 blieben. Warum? Was macht den Unterschied im „Google Unrechtsbewußtsein“?

Heul doch! Wir jetzt mancher Kritiker denken und sich ins Fäustchen lachen. Und das darf der Kritiker auch. Ich könnte nicht wie Robert Basic mit Inbrunst sagen: So what! Mich stört es, weil ich es auch ungerecht empfinde, schlicht ungerecht in Bezug auf den kleinen Mann und das große Unternehmen. Ich kann auch nicht sagen, dass mir das Geld von Rezensionen egal wäre, das ist es nicht, das Zubrot durch Web-Einnahmen sind nicht für die Spielgeld-Kasse vorgesehen. Aber sie würden mich sicher nicht umbringen, wenn sie wegfielen. Ich finde es ungerecht, weil man versucht seinen Weg zu gehen und feststellen muss, dass die anderen sich nicht an die eigenen Regeln halten und gerade die, die sich selbst als die Guten gerieren. Und genau die haben über kurz oder lang den größten Wissenschatz der Welt in ihren Händen. Da sage ich nur: Gnade uns Gott!

Noch hat ein PR übrigens ganz offensichtlich keine Auswirkungen auf die Suchmaschinenerfassung, das berichten unisono auch andere Betroffene, die ich aber hier jetzt nicht zitiere aus gutem Grund. Noch dient der PR für Google offenbar als reines Belohungs- und Bestrafungsmittel und das funktioniert auch solange die meisten Werbe-Partner weiter den PR als relevant erachten (was er aber eigentlich nicht mehr ist). Aber darauf verlassen würde ich mich nicht. Wenn diese Rute nicht mehr ihre Wirkung tut, wird Google nachlegen und die Schrauben anziehen. BMW durfte das schon mal zu spüren kriegen, als man den Autobauer kurzerhand aus dem Index warf. Und heute ist eine Nicht-Erfassung bei Google – wenn man nicht bereits exzellent im Web 2.0 aufgestellt ist, was die allerwenigsten sind – wie ein Versetzung zum Eremiten-Dasein im Netz. Aber klar ist: Wenn Google dies durchzieht und bspw. auch „größere“ Unbelehrbare (wie vielleicht Robert) aus dem Index werfen, dann geht es ans eigene Eingemachte und Google würde sich selbst um die Allwissenheit berauben und dem Anspruch, wirklich alles zu finden – denn am Ende ist nicht die Suchmaschine der Schatz, sondern die erfassten Websites. Dann geht es wirklich um die Glaubensfrage und ein Wirtschaftsunternehmen kennt da keine Freunde mehr und auch kein Gut oder Böse, sondern nur Gewinner und Verlierer.

Nicht nur aus eigener Betroffenheit prangere ich diese Missstände an, die natürlich nur meine eigene subjektive Sichtweise sind. Prangere an, dass wir im Netz bereits ein derartiges Monopol-artiges Gebilde haben, dass nicht nur über Erfolg und Misserfolg eines Online-basierten Unternehmens entscheiden kann (und dazu zählen auch werbe-finanzierte Angebote), sondern generell über die Awareness, die Möglichkeit eine Stimme im Netz zu haben. Und wer heute dabei weiter diebisch grinst, weil es eben zufällig im Ergebnis gerade mal zur eigenen façon passt, wird vielleicht morgen an seine eigenen Grenzen kommen, wenn vielleicht nicht mehr die Werbe- und Link-Spielregeln von Google definiert werden, sondern vielleicht die Meinungs-Spielregeln oder man um seiner politischen Ausrichtung direkt oder indirekt (Erklärungen bekommt man ja nie) mehr oder weniger im Netz präsent sein darf.

Nein, ich werde nun nicht bockig irgendwelche Konsequenzen ankündigen und sagen: So, aber jetzt nach meinen eigenen Regeln, who the fuck is … Dazu bin ich viel zu sehr Gerechtigkeitsfanatiker und tue nichts, was ich nicht selbst richtig oder falsch halte. Aber wenn Spielregeln nicht von beiden Seiten eingehalten werden, machen sie keinen Sinn. Man muss daran arbeiten, sich von diesem ganzen System zu emanzipieren! Wenn das nicht gelingt, geraten wir alle über kurz oder lang in eine brutale Abhängigkeit. Und das sage ich auch, wenn morgen die Begnadigung käme. Mir ist nicht wohl bei der ganzen Geschichte, ich hab da ein ganz ungutes Gefühl.

[Und dafür opfere ich meine Mittagspause …]