31. Dezember 2008
Liebe Leserinnen und Leser, … oder so ähnlich muss dann so eine Ansprache beginnen üblicherweise, mit – je nach aktuellem Anlass – mildem Lächeln oder ernster, aber entschlossener Mimik vorgetragen. Doch dafür hab ich weder Mittel noch Zeit gerade, dennoch will ich schreiben.
2008 war ein ziemlich durchwachsenes Jahr für das Bloggen. Man hat sich im Wesentlichen nicht viel bewegt, das einzige was passiert ist, ist die geringere Aufregung zwischen den Bloggern und weniger naive Aktionen und entsprechend meist eher kompliziertere Rechtsproblematiken im Zusammenhang mit Abmahnungen. Allein der “Rechtsstreit” zwischen einem bloggenden Journalisten und dem DFB-Präsidenten wegen einer vermeintlich verunglimpfenden Äußerung in einem Kommentar (sic!) beschäftigte noch die Gemüter. Dabei ist zwar der Anlass schon wert, mal über Sinn und Unsinn von solchen öffentlichen verbalen und juristischen Scharmützeln nachzudenken, für mich viel interessanter war dabei aber etwas ganz anderes: Awareness.
Diese Awareness im Sinne von Public Awareness, also die Schaffung von Bewusstsein der Öffentlichkeit für ein Thema, war mindestens in den ersten Jahren des neuen Jahrtausend und gerade im Zusammenhang mit neuen Medien und auch Blogs das Thema schlechthin. Im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu sein und insoweit auch wahr genommen zu werden, schien das Ziel schlechthin zu sein. Nun, das haben wir nun wohl – aber ob wir es so wollten?
Ganz klar sind wir – und damit meine ich die “nicht journalistischen” Schreiberlinge aka Blogger im Netz – nun im Radar der Medien und damit auch der Öffentlichkeit. Gerade auch bei unserem Clubfans Blog weiß ich, dass Journalisten lesen, was wir so schreiben und welche Themen wir pushen. Aber neben den Medien als Zweitverwerter unseres Geschreibsels, als authentischer Blick auf den Puls der Zeit, schauen eben noch andere auf uns, wie eben Unternehmen, Rechteverwerter – und -bewahrer, Marktforscher, Politik-Berater und eben auch DFB-Präsidenten. Ich bin mir nicht immer sicher, ob sich jeder diese Art von Aufmerksamkeit vorgestellt hatte. Viele sahen das wohl romantischer, ruhmreicher, rebellischer. Die Welt hat die Blogs eingeholt, das ist eigentlich alles.
Apropos rebellisch: Das las ich auch von einem bloggenden Journalisten diese Tage, dass das am Anfang bei Erstkontakt mit Blogs so toll gewesen war, diese Rebellische. Ging mir irgendwie ja auch so. Aber – vielleicht war es die Zeit, vielleicht ist es auch nur die eigene Wahrnehmung – die Rebellion ist deutlich übersichtlicher geworden, zu leicht entpuppen sich die Worttäter als Papiertiger, die Reformatoren als Eintagsfliegen und die Punks als Blogmanager vor dem ersten Festgehalt. Man kann Blogger in der Regel eigentlich viel zu leicht einschüchtern und verschrecken, demotivieren und frustrieren – und manchmal auch kaufen oder zur Not eben einfach platt machen, da reicht ja oft die Klageandrohung schon aus. Und ich habe Verständnis dafür.
Dieses Jahr fühlte ich mich persönlich schon einige mal in meinem bloggenden, oder sagen wir besser “schreibenden” Dasein am Scheideweg. Mal wegen persönlicher Gründe, mal wegen rechtlicher Hintergründe, mal wegen Netzfrust an sich und ein ander mal vor der Sinnfrage stehend. Die Entscheidung fiel bisher immer pro “weitermachen”, bisweilen aus Bequemlichkeit etwas anders zu machen, manchmal durch gutes Zureden, manchmal weil einfach die Zeit vieles heilt, wenn man etwas nicht übers Knie bricht. Am Ende steht aber immer eines, und darauf werde ich gleich noch kommen.
2009 scheint wie ein Tsunami auf uns zuzukommen – jedenfalls wenn man den Prognosen glauben mag. Wenn man so sich umsieht, ist doch eigentlich alles friedlich und von Krise keine Spur. Aber sie scheint wohl anzurollen und man mag gar nicht dran denken, was es bedeuten würde, wenn die Welle tatsächlich aufschlägt. Aber wer kann das schon mit Sicherheit sagen?
Ich denke, man wird vor allem an sich selbst glauben müssen. Das verspricht zwar nicht, dass man deswegen vor allem gefeit ist, aber nur wenn man in seine eigenen Fähigkeiten Glauben setzt, wird man auch bei schwierigem Umfeld nicht die Nerven verlieren. Viel ist in diesem Wirtschaftssystem auf Phantasie und der Meinung Dritter aufgebaut: dem Berater, den Gläubigern, den Aktionären, den Händlern. Harte Fakten sind vielleicht noch im Kalkül, doch eigentlich zählt doch, ob die Firmen an ihre Produkte glauben (und glauben können), die Dienstleister an ihre Leistungen und die Investoren ihrer Investition eine Zukunft schenken, weil sie von einer Zukunft überzeugt sind.
Uns so wird man auch im Schreiben sich nicht darauf verlassen können, was andere in einem sehen oder ob andere an einen Glauben oder ob man die Erwartung anderer erfüllt. Zuspruch und guter Rat sind ganz wichtige Dinge im Leben, wie auch Kritik, am Ende aber wird entscheiden, ob man an sich selbst glaubt, wenn es um die ganz existenziellen Dinge geht. Nur wenn man überzeugt ist, dass man das richtige für sich macht, wird man auch schweren Wellengang überstehen – im Leben wie im Bloggen.
Ich fühlte mich dieses Jahr am Scheideweg unter anderm in der Richtung, ob ich dieses Blog nicht noch viel mehr auf mich persönlich zurückziehe und alle allgemeinen Themen auf das eigentliche Konzept “Zielpublikum” auslagere – um eine stringentere Trennung von Person und Meinung, von Einsichten und Ansichten zu haben. Vielleicht mache ich das auch, ich bin da noch gar nicht durch, gerade auch weil diese Art des Bloggens, das ich zur Zeit betreibe, dieses Bloggen frei nach Schnauze und mit der Freiheit auch mal ein Gedicht zu schreiben und dann wieder eine Review, immer sehr angreifbar und erklärungsintensiv ist. Es ist viel leichter ein gnadenloses Geschäftsmodell zu machen oder ein stringentes Nonsens-Blog als eine Mischung, die einen dann selbst wiederspiegelt. Aber vielleicht ist das ja auch eine Erkenntnis, dass zu viel Authentizität gar nicht so gut ist.
Ich wünsche jedenfalls allen Lesern einen guten Rutsch und einen guten Start in ein vielleicht turbulentes Jahr 2009. Vielleicht wird alles auch gar nicht so heiß gegessen, wie es gerade gekocht wird – die Vogelgrippe ging ja auch an uns vorbei ohne halb Europa dahinzuraffen und der Jahrtausendwechsel stürzte uns auch nicht in Computer-Chaos. Und wenn es doch mal schwieriger wird – vielleicht findet man dann eben heraus, wer an einen wirklich glaubt und mit wem man schwere Zeiten durchstehen kann.

Frankfurt Höchst – Dezember 2008
29. Dezember 2008

Das Christkind hat es gebracht!
Tatsächlich ist sie nun vor mir und das Arschgeweih muss erst mal unter den Schreibtisch als Reserve. Aus meinem Wunsch wurde nun Wirklichkeit und ich habe die dritte beleuchtete Tastatur nun vor mir und haue gerade fleißig in die Tasten. Bei Geschenken soll man zwar nicht auf den Preis sehen, aber interessant ist es natürlich trotzdem – auch um den Vergleich zu haben, denn wenn ich meine bisherigen zwei beleuchteten Tastaturen mal so vergleiche, dann muss man schon anmerken, dass das REVOLTEC LightBoard XL 2 mit 20 Euro deutlich preisgünstiger war und auch das Hama LED Brightboard Metal Combo Tastatur etwas günstiger (damals knapp über 55 Euro).

Das LOGITECH Illuminated Keyboard (Bild und Link zu Amazon) ist zwar nicht mehr für die angekündigten 79,99 Euro im Handel, sondern wird bei Amazon jetzt für 67,45 Euro gehandelt, aber dennoch ein stolzer Preis für eine Tastatur.
Aber was will ich sagen: Es lohnt sich. Jedenfalls auf den ersten Eindruck, ein Langzeittest wird erst noch zeigen müssen, ob das Geld gut angelegt ist. Die Materialanmutung ist erste Sahne, der transparente Rahmen um das sonst matt-schwarze Brett ist sehr elegant und der Gesamteindruck wirkt hochwertig. Der Tastenanschlag ist sehr gut und die Beleuchtung, die nicht einfach angeht, sondern dimmt, in drei Stufen regelbar. Die Sondertasten sind auch ohne Zusatz-Software sinnvoll vorbelegt und werden auch unter Windows Vista® problemlos erkannt. Mit Logitech-Software lassen sich die Sondertasten (die auf den Funktionstasten mit Hilfe einer zusätzlichen “FN” erreichbar sind) nahezu frei belegen – eine sehr schöne Sache. Die Tasten schlagen gut an, bieten genau die richtige Mischung aus sanften Anschlag und ausreichend Feedback, und insgesamt ist die Tastatur für mein Empfinden angenehm leise.
Kommen wir zu ein paar Minuspunkten. Was mir nicht 100% gefällt ist die Ausleuchtung einzelner Tasten. So ist die ESC-Taste wie bspw. auch die STRG-Taste etwas schwach ausgeleuchtet, bei den Funktionstasten leuchten die orangen Funktionssymbole, nicht aber die Standard-Bezeichnungen “F1, F2, …”. Im ausgeschalteten Beleuchtungsmodus sind die Tasten eher etwas zu dezent, man schaltet daher wohl auch am Tage das Licht besser an. Und beim Spielen, wenn man es sich etwas bequemer macht und zurücklehnt, statt im Schreibmodus eher gerade zu sitzen, scheint ab einem bestimmten Winkel unter den Tasten die Lichtquelle durch, was etwas irritiert.
Fazit: Für mich definitiv das beste, was ich bisher unter den Fingern hatte. Optisch war wahrscheinlich die Hama LED Brightboard Metal Combo Tastatur noch aufregender, aber eben nicht alltagstauglich (bei mir zumindest) und zudem durch die Tastenanordnung und dem Anschlag eher eine schöne “Diva”. Das REVOLTEC LightBoard XL 2 ist für den Preis ein sehr guter Kompromiss, aber man muss dafür mit einer eher “einfachen” Materialanmutung leben, ein Arschgeweih gut finden und auch beim Tippen nicht das Nonplusultra erwarten. Das LOGITECH Illuminated Keyboard bestätigt seine technischen Highlights (-> Details auch bei Logitech) in der Praxis:
- Hintergrundbeleuchtete Tastatur im ultraflachen Design
- Deutliche, lasergravierte und hintergrundbeleuchtete Tasten für einfaches Tippenauch bei Dunkelheit.
- Ultraflaches Profil mit 9,3 mm für mehr Eleganz
- Das PerfectStroke® Tastendesign bietet einen komfortablen, flüssigen und leisen Tastenanschlag
- Weiche Handballenauflage für ein komfortableres Tippen
Hier hat man eine hochwertige Tastatur vor sich, die die Beleuchtung on top hat und das ganze durch die Lasergravur auch noch sehr intelligent und hochwertig gelöst. Es macht Spaß sie zu benutzen und ich bin sehr gespannt, ob sie auch einer gewissen Belastung Stand halten kann. ![]()

Obacht! Übermorgen ist Silvester!
Böller- und Gute-Laune-Alarm. Depressionsgefährdete Bekannte weiträumig umgehen, gute Vorsätze bereitlegen, Aspririn- und Alka Seltzer-Bestände ® (gibt’s sicher auch was von ratiopharm) prüfen und ergänzen. Alte Jacken rauskramen und daran denken, dass das Handy nach 12:00 Uhr nicht zwingend verfügbar sein wird. Ggf. heute bereits Video/DVD ausleihen, da Fernsehprogramm in der Rückbetrachtung sicher noch schlechter als letztes Jahr – bei organisierten Feiern die Idee mit dem Fondue in der eigenen Bude nochmals bedenken (Stichwort: Feuer- und hitzefeste Unterlage bei Verwendung auf Holztisch vorhanden? Zusätzliche abwischbare Wachsdecke gegen Geschmacksbedenken der Frau durchsetzbar? Frage beantwortet, ob mit dem Fett- alternativ Käse-Schnapsgeruch in den nächsten Wochen gelebt werden kann?)
Der Blogger-Event-Frühwarndienst wird Ihnen präsentiert vom Blogger-Event-Frühwarndienst (ausgenommen Tiernahrung).
24. Dezember 2008
Ist doch komisch, wenn man sich so umhört, dann ist es oft überall genau das Gleiche. Vor lauter “Vorfreude” steigt der Spannungslevel. Liegt es daran, dass man zu viel will? Man projeziert es dann auf die Kinder, wahrscheinlich weil sie sich einfach vollkommen ungeheuchelt darauf freuen, dass ihnen nahezu alle Geschenke erwartungsgemäß auf dem Tablet serviert werden – und was nicht gefällt, wir gleich weggelegt, ohne Heuchelei, einfach ungefilterte Ehrlichkeit und im Zweifel sind noch die Eltern schuld, die die falsche Bestellnummer durchgegeben haben.
Will man zu viel? Erwartet man zu viel?
Einerseits hofft man sehr auf einen besinnlichen ungetrübten Tag, voller gegenseitigem Respekt und Zuneigung und dennoch gelingt es oft nur schwer bis holprig. Man merkt es ja an sich selbst, wie man verkrampft oder eben gerade versucht betont unverkrampft zu sein, was aber halb gelogen ist, wenn es mit dem Beisatz in Klammern erfolgt (“die können mich alle”). Oder man bemüht sich erst recht es allen Recht zu machen und merkt dann, dass man spätestens am Abend nach dem dritten Glas Wein oder wenn das Geschenk doch ziemlich enttäuschend ausfiel oder eben “nur” das erwartete umfasste, doppelt bitter aufstößt, weil das totale Bemühen eben Kraft gekostet hat und aufgesetzt war.
Wenn mich manchmal einer fragt, was ich am Glauben und eben damit dieser Weihnacht so verbinde, dann das, dass man seine Hoffnung aus dem Glauben ziehen kann und die Liebe von dort anzapft. Wenn einem das gelingt, ist es tatsächlich irgendwie anders – selbstloser (vielleicht da eben ja nicht von einem selbst kommend). Dann erträgt man alles, erduldet alles und es endet auch nicht um 22:30 Uhr am Abend, sondern scheint unerschöpflich.
Vielleicht bin ich auch nur Romantiker, aber das wünsche ich euch, denen die diese Zeiten lesen, einfach diese Art von Liebe heute zu erfahren und geben zu können. Keine die “will”, keine die aufrechnet, keine die vom kleinsten Gegenwind kapituliert.
Ich hab die paar Zeilen jetzt einfach für mich gebraucht, merke ich gerade.
Euch allen ein frohes Weihnachtsfest und ganz besondere Grüße an ein paar ganz besondere Freunde von mir, wie Frau Pfeffer, meinen Nachbarn und Buddy, Rozana und Stefan von Clubfans United (gewürfelte Reihenfolge *g), meinen Kollegen, aber auch vielen anderen Bekannten und Freunden aus der realen wie auch virtuellen Welt, mit denen ich dieses Jahr einiges erlebt habe oder die einem an bestimmten Dingen zur Seite standen, entweder weil man gebraucht wurde oder weil man jemand brauchte – und sei es nur als Ohr oder mit einem guten Wort.
Frohe Weihnachten!
23. Dezember 2008

Mein altes Dorf und seine Weihnachtsbräuche hatte ich irgendwie anders in Erinnerung.
{Dies ist die Fortsetzung von Teil 2}
Der Raum in dem die Anhörung stattfinden sollte war ziemlich groß und trotzdem wirklich bis auf den letzten Platz besetzt, was Martin dann fast klar war, schließlich war so ein Zwergenheim an Höhepunkten arm und so eine Anhörung war eben auch lange nicht vorgekommen. Worum es ging sollte eigentlich nicht vor der Anhörung öffentlich werden, aber wozu braucht man Feinde, wenn man Freunde hat, und so tat sich insbesondere Roland als einer der begehrtesten Zeitzeugen hervor, der jeden der es hören wollte (und ihm bisschen was zusteckte) in den schillerndsten Farben das erste Gespräch mit dem Weihnachtsmann berichtete inklusive diverse zum Teil nach Tageslaune mutierende Erläuterungen, was mit der Glocke tatsächlich wahrscheinlich passiert sei. Als tragfähigste Versionen setzten sich durch: Die Story mit dem diebischen Industriellen, der das ganze Fest verhindern wollte um Halloween als Konkurrenzprodukt neu durchzustarten, dann die Version mit dem Zwerg aus dem Reinigungstrupp, der die Glocke stahl und dann verhöckerte um sich abzusetzen (basiernd auf der Tatsache, dass kurz danach tatsächlich ein Zwerg den Dienst quittierte, allerdings ignorierten die Anhänger dieser Theorie, dass der besagte Zwerg dann schlicht einen anderen Dienst antrat und das sogar in der selben Gegend), und schließlich die absolut quere Verschwörungstheorie, die von einer geheimen Organisation der Engel handelte, die die Glocke selbst stahl um dann die Herausgabe vom Weihnachtsmann zu verlangen und weil er dass dann nicht kann ihn deswegen zu stürzen um so das Fest wieder zurück zu bekommen.
Doch das alles war in diesem Moment vollkommen unwichtig, der Weihnachtsmann erhob sich (er trug im Übrigen nicht den roten Mantel, es war ja gut geheizt im Saal) und Martin stand wie bei diesen amerikanischen Gerichtsfilmen mit Schauspielern wie Spencer Tracy vor einer Art Tribunal. „Martin“ sagte der Weihnachtsmann, „ich mach es kurz: Du weisst warum wir hier sind, was hast du uns zu sagen?“ Das nun fand Martin nahezu unsportlich kurz. Er erwartete jetzt keine ergreifende Rede, aber doch bisschen ausholen über das was geschah, so ein Abriß der letzten Jahre, Bedeutung der ganzen Thematik, Hintergrund über so eine Anhörung im Allgemeinen und Besonderen, das wäre schon angebracht gewesen. Entsprechend unvorbereitet traf die Antwort auf die Frage: „Ähm, wie?“ Was strategisch unklug war, wahrscheinlich zu lässig und man hätte daraus schließen können, dass Martin die Sache nicht wirklich richtig ernst sei – was irgendwie ja auch stimmte und auch wieder nicht – jedenfalls lief Weihnachtsmann gleich wieder rot an und Martin dünkte, dass eine unmittelbare Fortsetzung seiner Ausführungen vielleicht strategisch ganz gut passen würden. „Also das mit der Glocke kann ich mir spontan also überhaupt nicht erklären und ich bin mir auch nicht sicher, wie das damals noch war und vielleicht sollte man da auch noch mal die ganze Sache …“ Martin war kein Mensch mit sonderlichen empathischen Begabungen, aber dass der Ansatz bisher nicht dazu beitrug, die Lage zu entspannen wurde ihm selbst klar. „… wie dem auch sei, ich habe hier was dabei, was die Sache wieder entspannen dürfte“. Und dabei hielt er eine Art Knopf in die Höhe, was es immerhin schaffte, im Saal eine größere Unruhe zu erzeugen, geprägt von rückenden Stühlen und Bänken, weil Leute versuchten besser sehen zu können und sich gegenseitig zu erklären versuchten, was das wohl sein könne. Da sich die Laune des Weihnachtsmannes aber nicht unbedingt in Richtung neugieriger Gespanntheit zu entwickeln schien, wollte Martin nicht übertreiben mit dem Spannungsbogen. „Es ist eine – von mir übrigens entwickelte – Art Sensor, der in der Lage ist, Menschen auf 10 Meter zu erkennen und durch ein entsprechende Diodenanzeige anzuzeigen und …“ – und diese Pause gönnte sich Martin dann doch – “durch eine weitere Anzeige ein Näherkommen zu signalisieren, was gewissermaßen die Funktion der Glocke kompensiert.“. Eine Mischung aus Gemurmel aber auch anerkennenden Raunen setzte ein. Martin begann eine gewisse Zufriedenheit in sich aufsteigen spüren, bis er nun mit einem siegesgewissen Lächeln nach einem Rundumblick nun den Blick des Weihnachtsmannes wieder suchte.
Roland stand neben ihm, als Martin die letzten Sachen aus seiner Schublade in seinen Koffer verstaute. „Ich finde das nicht richtig, dass du gehen musst! Du musst da was gegen machen, Martin, da gibt’s doch bestimmt irgend so was wie Berufung oder so!“ … doch Martin war das alles gar nicht so unrecht eigentlich. Manche Dinge müssen eben unfreiwillig enden, dachte Martin, wenn man es freiwillig nicht auf die Reihe bekommt das richtige zu tun. Und hier raus zu kommen wäre eigentlich schon lange das richtige gewesen, eigentlich war Martin sogar froh. ‘Gut’, die Predigt vom Weihnachtsmann vor versammelter Mannschaft hätte er sich gern erspart und auch wenn er wohl im Grunde nach recht gehabt hatte, dass es hier gar nicht um das finden irgendeiner Alternativlösung gegangen sei, sondern um Verantwortung und Ehrlichkeit und den ganzen Kram eben – aber das hätte man vielleicht auch irgendwie anders kommunizieren können, fand Martin. Aber als dann noch dieser Johannes die Glocke auf den Tisch stellte, die er selbst damals „treusorgend“, wie er zu Protokoll gab, am nächsten Morgen an sich genommen hatte, bevor sie noch abhanden käme, war Martin ihm beinahe über den Tisch an die Gurgel gegangen. Aber nun alles schon wieder Vergangenheit und am Ende stand, dass alle Seiten es für das Beste hielte, wenn man getrennte Wege ginge. Das war kein echter Rauswurf also, so mehr so eine Vernunftstrennung auf Gegenseitigkeit, wie Martin fand. Am Ende hatte ihn der Weihnachtsmann sogar die Hand noch gegeben und ihm alles Gute für die Zukunft gewunschen. Nun war eben Zeit zu gehen und das tat er. …
Nun saß Martin in seiner neuen Bude, die sein Oheim ihm vermitteln konnte (der die Sache übrigens weit besser aufnahm, als er dachte, ja sogar irgendwie den Eindruck machte, er sei auch an allem irgendwie mit verantwortlich), schaukelte auf seinem Schaukelstuhl und starrte auf den kleinen offenen Kamin, der direkt neben dem kleinen Weihnachtsbaum vor sich hin flackerte. Es war heute Weihnachtsabend und Martin wusste nicht wirklich genau, wie es weitergehen sollte, aber es war eine positive, ja fast aufgeregte Unwissenheit, wie vor einer langen spannenden Reise. Faszinierenderweise war Martin auch nicht mehr so schlecht gelaunt, was ihm sogar selbst auffiel.
Er musste eingeschlafen sein, denn das Feuer war deutlich runtergebrannt, verbreitete aber noch Licht und Wärme. Er streckte sich – eine gute Zeit sich gleich noch mal hinzulegen, dachte er, es musste ja mitten in der Nacht sein, als er ein Ding unter seinem Baum entdeckte. Etwas rammdösig nahm er es in die Hand, eindeutig ein Geschenk. Er setzte sich wieder und packte es aus. Es war eine Flasche von in Zwergenkreisen äußerst geschätztem Zwergentee mit Schuß und dabei eine Nachricht. Sie war vom Weihnachtsmann:
Lieber Martin,
frohe Weihnachten und für deinen weiteren Lebensweg alles Gute.
Dein Weihnachtsmann
P.S. Ich hoffe der Zwergentee schmeckt dir, ich trinke ihn auch ganz gern – aber das bleibt unter uns.
P.P.S. Nur falls es dazu kommt: Ich bestelle vorsorglich 10 deiner Detektoren und dazu noch eine Option auf 20 weitere. Lass es mich wissen, wenn du das mal als Art Geschäft machen solltest, dann überweisen wir dir eine Anzahlung.
Martin öffnete die Flasche und goß sich ein Glas ein, erhob sein Glas und prostete in die Luft „Prost, Dicker, auf Dein Wohl“ und grinste dabei von einem Ohr zum andern “und frohe Weihnachten!”.
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