Warum uns das Wetter depressiv macht (unter anderem) – Honduranische Sichtweisen auf Deutschland
Warum uns dieses nasskalte Winterwetter depressiv macht, hat mir mal einleuchtend ein Austauschschüler mit den schon blumigen Vornamen Terencio Garcia erklärt.
Sein honduranisches Gemüt litt damals nämlich offenkundig unter den widrigen Bedingungen. Das ganze Problem begänne nämlich schon auf der Straße, so Terencio, denn in Mittelamerika liefe man mit erhobenen Kopf durch die Straßen, mit breiter Brust und breiten Schultern. Das würde jedem (er war ja einer) Mann schon mehr Selbstwertgefühl geben, Offenheit ausstrahlen und das ganze spiegele sich dann eben auch in der Laune wieder.
Hier liefe man bei so einem Wetter eben mit eingezogenem Kopf, der tief im Mantel verborgen ist, durch die Gegend, starrte dabei allein aus Haltungsgründen nur auf den Boden, die Schultern zusammengezogen, damit die Hände tief in den Taschen sind. So könne man gar nicht guter Laune sein, so eine Haltung mache ihn depressiv, zudem schotte sie ab statt offen in die Augen der anderen zu blicken und Kontakt-Freudigkeit zu zeigen. Der Winter hier wäre definitiv nichts für ihn und das eben nicht wegen des Schnees oder der Temperaturen, sondern wegen der Haltung.
Kluges Kerlchen.
Terencio fiel im übrigen so einiges auf. So dass man zum Beispiel in Honduras und allgemein in Mittelamerika fast immer allein ‘in’ eine Kneipe ging, aber selten allein wieder rauskam. In Deutschland ginge man immer im Pulk los und mit dem gleichen Pulk auch wieder zurück. Und dieser Pulk wäre schon an sich so abgeschlossen nach Außen, dass sich da gar keiner ran traue um Kontakt aufzunehmen. In Honduras suche man immer den Tisch, an dem die meisten sitzen, in Deutschland setzt sich jeder an den noch freien Tisch. In Honduras fände man immer jemand, wenn man alleine loszog, in Deutschland wäre das schwierig, allein wegen dieser Grüppchen-Bildung. Man schließe dort schnell und unkompliziert Freund- und Bekanntschaften, allerdings hielten die dann oft nicht über die nächste Ecke hinaus. Schon in der nächsten Kneipe verliert man sich schnell wieder und man trifft eben wieder andere. Das wäre in Deutschland auch ganz anders. Wenn man da einen als Bekannten oder gar als Freund habe, dann wäre das schon mal was, etwas worauf man sich echt verlassen könne, das wäre bei ihnen leider nicht immer so, eigentlich oft die Ausnahme. Und das, so Terencio, habe er hier doch sehr schätzen gelernt.
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Warum uns dieses nasskalte Winterwetter depressiv macht, hat mir mal einleuchtend ein Austauschschüler mit den schon blumigen Vornamen Terencio Garcia erklärt.
Sein honduranisches Gemüt litt damals nämlich offenkundig unter den widrigen Bedingungen. Das ganze Problem begänne nämlich schon auf der Straße, so Terencio, denn in Mittelamerika liefe man mit erhobenen Kopf durch die Straßen, mit breiter Brust und breiten Schultern. Das würde jedem (er war ja einer) Mann schon mehr Selbstwertgefühl geben, Offenheit ausstrahlen und das ganze spiegele sich dann eben auch in der Laune wieder.
Hier liefe man bei so einem Wetter eben mit eingezogenem Kopf, der tief im Mantel verborgen ist, durch die Gegend, starrte dabei allein aus Haltungsgründen nur auf den Boden, die Schultern zusammengezogen, damit die Hände tief in den Taschen sind. So könne man gar nicht guter Laune sein, so eine Haltung mache ihn depressiv, zudem schotte sie ab statt offen in die Augen der anderen zu blicken und Kontakt-Freudigkeit zu zeigen. Der Winter hier wäre definitiv nichts für ihn und das eben nicht wegen des Schnees oder der Temperaturen, sondern wegen der Haltung.
Kluges Kerlchen.
Terencio fiel im übrigen so einiges auf. So dass man zum Beispiel in Honduras und allgemein in Mittelamerika fast immer allein 'in' eine Kneipe ging, aber selten allein wieder rauskam. In Deutschland ginge man immer im Pulk los und mit dem gleichen Pulk auch wieder zurück. Und dieser Pulk wäre schon an sich so abgeschlossen nach Außen, dass sich da gar keiner ran traue um Kontakt aufzunehmen. In Honduras suche man immer den Tisch, an dem die meisten sitzen, in Deutschland setzt sich jeder an den noch freien Tisch. In Honduras fände man immer jemand, wenn man alleine loszog, in Deutschland wäre das schwierig, allein wegen dieser Grüppchen-Bildung. Man schließe dort schnell und unkompliziert Freund- und Bekanntschaften, allerdings hielten die dann oft nicht über die nächste Ecke hinaus. Schon in der nächsten Kneipe verliert man sich schnell wieder und man trifft eben wieder andere. Das wäre in Deutschland auch ganz anders. Wenn man da einen als Bekannten oder gar als Freund habe, dann wäre das schon mal was, etwas worauf man sich echt verlassen könne, das wäre bei ihnen leider nicht immer so, eigentlich oft die Ausnahme. Und das, so Terencio, habe er hier doch sehr schätzen gelernt.
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Ich glaub, das war's.
2 Comments
Kluges Kerlchen.
An dem Terencio ist durchaus ein Philosoph verloren gegangen…
Aber das mit dem freien Tisch und nicht anschließen ist nun mal in den allermeisten Fällen gerechtfertigt