Robert Basic ist bald nicht mehr Basic Thinking

Im Gegensatz zu anderen spektakulären Bloggern, deren spektakuläre Aktionen sich in der Regel als „kleiner Joke“, „PR-Gag“ oder irgendsoeine „virale Aktion“ in Luft auflösen und alle anderen dann blöd sind, weil keiner lachte, macht Robert aus einer Idee/einem Gedanken nun Realität: „Zeit das sich was dreht“ – Robert Basic will sein Basic Thinking Blog nun tatsächlich verkaufen.

Offenbar ‚ist es Zeit‘ für bloggerexistenzielle Fragen, über Sein oder Nicht-Sein und wann ein Blog sich von einem selbst emanzipiert oder man sich von seinem Blog. Auch mich bewegte das die letzten Monate enorm und ich schrieb paar Zeilen zu, der Unterschied ist natürlich der – ganz unweinerlich festgestellt -, dass sich bei Robert jemand dafür interessiert, genauer gesagt die halbe Welt inkl. SPON, das ist doch schon mal was (wenn auch nicht das, was es mal war…).

Dass Robert nun Taten Folgen lässt, überrascht mich nicht wirklich, denn Robert hat sich – und das machte ihn (neben seiner immens hohen Posting-Frequenz, seinem Fach- und Insiderwissen und seiner ganz eigenen Schreibe, die man eben mochte oder eben nicht) zu dem Blogger, den eigentlich fast jeder Blogger in D kennt. Robert machte kein Ballyhoe, Robert machte einfach. Auf Filzos Gedanken, es könne sich (rein theorethisch) um einen dieser oben beschriebenen „Scherze“ handeln, kam ich daher erst gar nicht (was nicht ausschließt, dass es sich am Ende dann doch als solcher entpuppt, das Leben ist immer für Überraschungen gut).

Ich kann Roberts Gedanken gut nachvollziehen und sehe in seinem Verkaufsprojekt auch durchaus Potenzial. Viele größere Blogs sind längst dazu übergegangen (manchmal lauter, manchmal leiser) Gastautoren einzuschleusen und so die Schreiblast auf mehrere Schultern zu verteilen, aber eben auch um aus einer One-Man-Show eine Publikation/ein Magazin zu machen. Dass Robert nicht diesen Schritt vor dem anderen gegangen ist, zeigt eigentlich nur, dass er authentisch ist, dass er seine Gedanken offen ausspricht und nicht taktiert. Das kann man belächeln, das kann man kritisieren, das muss man aber auch respektieren – und ich schätze es sogar, jedenfalls mehr als die „guten Scherze“ anderer oder die auch bei Blogs längst üblichen politischen Scharaden oder die semi-marketingorientierten ‚Schachzüge‘.

Der Verkauf kann gelingen, denn das Basic Thinking Blog hat imho Potenzial auf einen guten Preis und auch Zukunft. Jedenfalls mit den geschäftsüblichen Vorgängen flankiert, wie eine mittelfristige Bindung Roberts an das Blog mit einem klaren Übergabeplan. Für Robert aber wird es vielleicht eine schwerere Trennung werden, als man das vielleicht gerade (zumindest aus den Zeilen) ableiten kann: Das ist kein Zweitprojekt, dieses Blog, das ist sein Baby, ein Teil von ihm, ein Stück seiner Persönlichkeit. Dieses Blog hier ist mein Baby, mein Ich, Clubfans United ist auch eine Herzensangelegenheit, aber nicht so untrennbar mit mir verbunden wie „dieses mein Blog“. Es wird vielleicht so schmerzlich sein wie die Trennung von einem langjährigen Lebenspartner. Eine Trennung, bei der man sicher positive Seiten finden wird: neue Freiräume, das Aufbrechen von festgefahrenen Strukturen, frische Eindrücke, neue Liebe. Aber genau so wird man merken, wie sehr einem das Vertraute fehlen wird, wie schwer es wird, die alten Deals, die man mit sich schon ausgekämpft hatte, im neuen Umfeld wieder durchzukämpfen. Man wird merken, wie einem die Sicherheit (des Erfolgs?) fehlt, wie man spürt, dass es eben auch ganz daneben gehen kann und man gerade noch alles hatte und nun steht man vor dem Nichts, eben noch eine feste Größe, ein Leuchtturm, nun nur noch einer von vielen.

Es ist ein Risiko, aber auch eine Chance. Diese Tage brachte sich ein Großindustrieller in seiner Mutlosigkeit vor der Zukunft um, nachdem ihn sein Mut zum Risiko (oder doch eher: seine unersättliche Gier?) an den Rand des Ruins brachte – hier will ein kleiner (in Bezug auf die große Welt) großer (in Bezug auf Bloggersdorf) Blogger sich (ohne einen Zwang zu haben) in ein Wagnis werfen aus Lust auf neue Ufer. Hier verspekulierte sich einer aus einer schier grenzenlos mächtigen Position heraus, um noch mächtiger und reicher zu werden, dort ist einer bereit Ruhm und (vielleicht) Macht aufzugeben, weil er neue Herausforderungen sucht, bevor ihn der alte Ruhm zu etwas macht, was er gar nicht mehr ist/sein will.

Andreas zum „Tod eines Spekulanten“ mit einem Friedrich Nietzsche-Zitat:
Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, daß er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.

Auch wenn man es pietätslos bezeichnen will, hier Parallelen zu ziehen, für mich haben solche kleinen großen Begebenheiten dieser Tage durchaus Signalcharakter – und das Signal Roberts gefällt mir da eindeutig besser und sollte allen Mut machen, die eine Idee haben und an sich glauben.

Update 09.01.2009:
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