Impressionen aus der Hölle – Der Indoor-Spielplatz

Ich schreibe aus der Hölle.

Sie nennen es Indoor-Spielplatz, aber ich weiß jetzt dass das nur ein anderes Wort für Nervenhölle ist.

Wann euch diese Zeilen erreichen, weiß ich nicht.

Es klang alles ziemlich einfach, selbst für einen Mann und sogar wenn seine Frau für eine Fortbildung das WE nicht da ist: Samstag Fußballturnier des Großen (6) und die Kleine dazu mitnehmen und bespaßen – Sonntag wird der Große nach dem Kochen in der Hinterhaus-Kommune abgeholt – ein verspätetes Geschenk, für ihn, der Ausflug. Machbar!

Dann erfuhr ich die „kleinen“ Planänderungen. Statt bisschen Fußball-Kicken redeten wir nun von einem „Turnier“, das um 7:55 Uhr Abfahrt am Vereinsheim begann und gegen 15:00 Uhr wieder zu Hause (7 Stunden, in Worten sieben) endete.

Und dann der lustige Ausflug am Sonntag, der sich etwas anders gestaltete als das Füße-hochlegen am Sonntag nach Kochen in der Hinterhaus-Kommune. Der Große wurde nicht abgeholt, der Große musste hingebracht werden – auf die andere Seite der Stadt – quer durch – und dann wieder zurück – und dann wieder zum Abholen hin – und wieder zurück. Blieb Pest (Fahrerei) oder Cholera – ich nahm den Indoorspielplatz und packte auch meine Kleine mit ein.

Schon auf dem Hinweg war mir mulmig, das Betreten der Location erfüllte mich mit blankem Entsetzen. Der erste Stock einer Fabrikhalle, Millionen Kinder, der Geräuschpegel eines Flughafens neben der Startbahn, die Luft vollgesogen mit Frittenfett und der Boden, auf dem man mit Strümpfen gehen musste, um im Notfall die Kleinen aus Klettergerüsten zu befreien oder von Rutschen zu retten, getränkt von allem – man wattete durch diverse Essenreste und versuchten sich lange vergeblich vom Tritt in Papiertüchern aller Art zu retten … vergeblich. Dann das unvermeidliche: „Papa, Pippi“ … mit Tochter auf Herrentoilette, in Socken. …

Unvermeidlich auch die Groschengräber, die nur noch 50 Cent bis Euro-Stücke annehmen. Sogar das umkurven eines Mini-Parcours mit fußlahmen GoCard-Verschnitten kostete extra, von überdimensionierten Gastro-Bereich (Mitnahme von Speisen und Getränken nicht gestattet) reden wir gar nicht (-> siehe Frittenfett, das).

Doch wie man von Geiseln hörte, beginnt man sich selbst in dieser Situation zu aklimatisieren. Es bildet sich eine Art Zweckgemeinschaft mit seinem menschenwidrigem Umfeld. So saß ich gen Ende nur noch am Fuß einer Rutsche und versuchte meine immer mehr überdrehenden Kinder unter den anderen immer mehr überdrehenden Kinder halbwegs mit dem Auge zu folgen. Man verfolgte stoisch den Versuch einiger anderer Kinder, die Dreifach-Rutsche nach oben zu klettern und dabei mit herunterrutschenden Kindern kollidierten, die auch keine Freunde kannten. Da es den Eltern aber egal zu sein schien, verfolgte man das Geschehen apathisch, nur bei den eigenen Kindern maßregelte man oder sorgte verbal für freie Fahrt.

Nach drei Stunden begann der Trennungsprozeß. Geschenk hin oder her galt es nun den einladenden Eltern zu erklären, dass nun gut wäre, genug geschenkt. Die letzte Runde Getränke, noch einmal den Gang zu Pippi hinter sich bringen und dem Jungen zusehen, der sich gerade zentral zwischen Gastro-Bereich, Eingang und Riesenkletterburg auf den Teppich freistehend mehrfach übergab. Während andere Kinder durch die Pfütze stoben hielt ich meine nah bei mir und versuchte den Ausgang zu erreichen.

Muss nun mit meiner Frau reden, dass alle Socken konterminiert sind und leider entsorgt werden müssen.

Das Wetter war schön draußen, sicher wäre ein orderntlicher Spaziergang und ein Outdoor-Spielplatz auch eine Option gewesen, aber geschenkt ist eben geschenkt.

Meine Frau ist jetzt wieder da, ich werde wohl die Woche freiwillig einige Überstunden machen – ich brauch die Entspannung.

Männer, nur nicht unterkriegen lassen …