Menschsein – Ein vergebliches Streben nach verblassenden Erinnerungen

Das Leben im Hier & Jetzt ist das einzige was nach aller Abwägung Sinn macht. Nur ein Glaube an ein wie auch immer geartetes Leben danach kann diese Erkenntnis erschüttern.

Jedes Streben nach einem besseren Morgen ist wie der Versuch des Hundes, der sich versucht in den Schwanz zu beißen. Den Moment zu opfern für einen anderen zukünftigen Moment ist ein Nullsummenspiel, nur mit dem Risiko der grünen Null, dem Zéro.

Wie viel wir auch materiell einsetzen oder persönlich investieren, alles ist dem Vergänglichen unterworfen. Es wird zu einer verblassenden Erinnerung werden, wenn irgendwie möglich konserviert durch eigene Aufzeichnungen oder den omnipräsenten Digitalbildern aus allen erdenklichen Lebenssituationen. Doch auch diese werden nicht verhindern können, dass man sie über kurz oder lang betrachtet und sie einem wie Fragmente aus dem Leben eines anderen erscheinen. Man wird sich seiner eigenen Erinnerung fremd.

Das Bedürfnis nach Religion und dem Glauben an mehr als das was uns umgibt ist vielleicht mehr als nur eine nicht auszutreibende Tradition, es ist ein Schutz seiner Selbst vor der Verzweiflung seiner eigenen Vergänglichkeit. Und mancher, der nicht glauben will oder kann, flüchtet sich in den Versuch sich unsterblich zu machen, findet Trost in der Hoffnung sich selbst durch das Schreiben eines Buches oder die Gründung einer Organisation zu vererben.

Je älter wir werden, desto mehr verblasst das Jetzt, die Leichtigkeit des Heute geht, die Realität wird den Sachzwängen unterworfen, körperliche Einschränkungen hindern am Genuß des Moments. Tristesse wartet an manchen Abenden wie ein drohender Schatten auf den Moment des Endes all der gewohnten Ablenkungen des Tages.

Was bleibt? Ist alles dem Ende geweiht, des Asche zu Asche, Staub zu Staub? Lohnt es sich nicht zu leben, außer den Moment zu bestaunen um dann zu vergehen?

Vielleicht gibt es nur eine Sache, die jenseits von Glauben wirklich trägt und es sich lohnen lässt zu zu investieren: Der andere. Unsere Kinder, der Nachbar, der Freund, der Bekannte, der Mensch auf der Straße. Das Weitergeben von Gelerntem, das Vorleben von Gutem, die Erziehung für das Leben – um den anderen zu bereichern, damit er weitergeben kann, um das richtige Tun durch gelebte Praxis nicht aussterben zu lassen, um eine Basis weiterzugeben, selbst weitergeben zu können, selbst zu erziehen.

Die Menschlichkeit als das, was uns neben Glauben tatsächlich bleibt.

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One comment

  • 1
    Gast
    12. Februar 2009 - 12. Februar 2009 12:18 | Permalink

    Auch wenn Dein Artikel recht traurig anfängt, hat mir das Fazit, das Du aus unumstößlichen Tatsachen gezogen hast gut gefallen. Ich muss hinzu fügen, selbst wenn es etwas außerhalb unserer Welt gibt, von dem wir nichts wissen, kann man stolz auf sein Leben sein, wenn man es den Grundsätzen der Menschlichkeit gewidmet hat und muss sich seiner selbst nicht schämen.

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    Ich glaub, das war's.