Wenn Alkohol erlaubt ist, dann eben auch Killerspiele?

Natürlich haben wir jetzt wieder die Killerspiel-Diskussion – ich wusste es

Aber nur weil einzelne damit nicht umgehen können, sei das noch kein Grund für eine grundsätzliche Verbots-Diskussion, Alkohol sei schließlich auch noch erlaubt, meint Sympatexter:

Wenn mal wieder ein Betrunkener sein Auto mitsamt Beifahrer um einen Baum wickelt oder eine Massenkaramboulage mit vielen Toten und Verletzten verursacht, schreit kein Politiker nach einem Verbot von Alkohol. Wie sollte man auch Alkohol verbieten? Es hat unsere Gesellschaft durchdrungen und ist Teil unserer Kultur. Nur weil einige wenige damit nicht umgehen können, nicht wissen wo ihre Grenze sind, sich mit Alkohol in eine Phantasiewelt flüchten und dann Menschen in Gefahr bringen und töten, kann man doch nicht gleich Alkohol in seiner Gesamtheit verbieten. […] Diesen Genuss zu verbieten, nur weil einige Wenige mit den damit verbundenen Gefahren nicht umgehen können, wäre undemokratisch und zudem sinnlos. Wer Alkohol unbedingt haben will, der findet auch Wege, es sich zu beschaffen. Trotz Verbot.

Soviel zum Thema „Killerspiele“.

via Sympatexter rules the word.

Einerseits find ich deinen Vergleich interessant, andererseits hinkt er mir aber ein wenig.

Klar ist Alkohol (wie auch Autofahren übrigens) potenziell ein Gefahrenherd und geeignet Menschen zu töten (wie auch immer), aber ich finde es trotzdem auf ganz andere Art bedenklich, Kinder in einer pseudo-reellen Situation, die grafisch nahe an die reality herankommt, das Abknallen von Menschen in ihren Köpfen automatisieren zu lassen. Dass das dann bei der Kombination bestimmter Umstände zum Durchknallen kommen lässt, ist für mich nicht von der Hand zu weisen. Und mir reicht da ein Einzelfall, um die Diskussion vollkommen legitim werden zu lassen.

Dass man auch mit Alkohol restriktiver ausgeben sollte, da stimme ich dir sogar zu. Aber das eine hat nichts mit dem anderen zu tund und nur weil bei einem etwas falsch gemacht wird, legitimiert es ja nicht das andere.

Kurzum: Die Negativ-Beispiel-Argumentation klingt zwar gut, überzeugt mich aber gar nicht.

Natürlich muss auch in anderen Gesellschafts-Problemfeldern was getan werden, natürlich hapert es an schulischer Pädagogik bei demotivierten Lehrern, überfüllten Klassen, natürlich liegt es auch an der Arbeitssituation, bei der es heute notwendig oder eben Livestyle ist, möglichst schnell beide Eltern wieder im Job zu sehen und die Kids in Kindertagesstätten möglichst ganztätig abzuladen, und natürlich fehlt es in unser konsum- und materialismus-geprägten Gesellschaft, an echten Werten und Vorbildern.

Alles richtig, aber natürlich muss man auch das Phänomen Killerspiele immer wieder aufgreifen und sich eben nicht damit abfinden, dass es doch so viele gern tun und sogar viele Erwachsene das gerne daddeln. Und ich für meinen Teil glaube, dass Killerspiele in Kinderzimmern nichts verloren haben und wenn man nicht hinreichend sicherstellen kann, dass es nur Erwachsenen zur Verfügung steht (oder jedenfalls der Zugang auf ein gewisses Maß erschwert wird, was heute definitiv NICHT der Fall ist), dann muss man eben Killerspiele noch strenger limitieren.

Sorry, aber wenn ich mir ansehe, wie die Amok-Täter-Bilanz mit Killerspiel-Bezug aussieht, dann sollte man diesen Risikofaktor durchaus höchst kritisch hinterfragen.

Aber irgendwie hatten wir die Diskussion auch schon mal, aber nachdem Gras über die Geschichte wuchs machen Politiker und Medien ja nichts mehr:

Killerspiele – oder: Wie die Medien eine Diskussion kaputtmachen


P.S. Das blendet einem dann Google-Werbung als „kontextsensitiv“ ein:

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Noch Fragen?