Als ich eine solche Andeutung bei Facebook von Johnny gestern Nacht las, hatte ich schon so eine Vorahnung, aber die bestätigte sich leider schnell. Der SPIEGEL hat tatsächlich den Amokläufer von Winnenden auf der Titelseite. Ein 17-jähriges Kind wird abgebildet (ich verzichte bewusst darauf an dieser Stelle), darunter die Headline “Wenn Kinder zu Killern werden”.
Ich schließe mich dem Tenor des Unfassbaren ob dieses journalistischen Affront an.
Wäre ich mit meinem Leben mehr als 70 Prozent unzufrieden, fühlte ich mich vom anderen Geschlecht missachtet, hätte ich einen Hass auf blinde Lehrer, Kollegen, Vorgesetzte, würden mich körperlich überlegene Assis quälen, sähe ich überhaupt keine Perspektive, dann wäre das aktuelle Titelbild des Spiegel für mich eine Aufforderung, wenigstens noch unsterblich zu werden.
law blog» Archiv » Die Verantwortung der Presse.
Nicht nur, weil es ein Kind ist, aber eben auch, aber auch weil es genau das ist, was man in den Köpfen der Nachahmer und Trittbrettfahrer frei Haus liefert: Der Weg unsterblich zu werden, einmal alle Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich zu ziehen, einmal es allen gezeigt zu haben.
Vielleicht – auch das sollten wir uns alle fragen, wenn wir uns wundern, warum solche Taten häufiger werden – liegt es auch genau daran. Daran, dass wir alle, die wir Medien machen und damit Öffentlichkeit schaffen, wir den Nährboden für Phantasien verzweifelter Menschen bereiten.
Als Hooligans in England fast zur täglichen Sportberichterstattung gehörten und die Situation zu eskalieren drohte, beschloss man im fast unglaublich (da nicht für möglich gehaltenen) Schulterschluß der Medien, die Berichterstattung auf ein Minimum zu reduzieren. Eben um den Tätern das Podium zu entziehen – und die Maßnahme griff.
Heute ergießt man sich in Details wie genau wer exekutiert wurde, wie der Täter andere Schüler mit Kopfschüssen ermordete – und man liefert so das Drehbuch für die Phantasien des nächsten Täters. Und man feiert es als Twitter-Durchbruch, weil nun sich nicht nur die Medien an ihrer Sensationslust ergötzen und getrieben von Umsatzdruck , sondern nun auch die breite Masse ihre Schaulust zum kollektiven Massen-Gewalt-Voyeurismus gegenseitig ermuntern.
Vielleicht sollten wir uns gerade an dieser Stelle die Frage stellen, ob und wo der Grad zwischen Informationsbedürfnis und Berichterstattung und sinnvoller Diskretion und Zurückhaltung verläuft. Wo es Sinn macht, nicht alles in der Öffentlichkeit breit zu treten. Das angebliche Argument des Rechts der Öffentlichkeit auf Information ist doch längst enttarnt und Journalismus und Web-Community ringen längst nur noch um den ersten Platz in der Reihe der Sensationslust. Offenbar gilt das Motto: Je niedriger die Messlatte, umso näher an der breiten Masse.
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Als ich eine solche Andeutung bei Facebook von Johnny gestern Nacht las, hatte ich schon so eine Vorahnung, aber die bestätigte sich leider schnell. Der SPIEGEL hat tatsächlich den Amokläufer von Winnenden auf der Titelseite. Ein 17-jähriges Kind wird abgebildet (ich verzichte bewusst darauf an dieser Stelle), darunter die Headline "Wenn Kinder zu Killern werden".
Ich schließe mich dem Tenor des Unfassbaren ob dieses journalistischen Affront an.
Wäre ich mit meinem Leben mehr als 70 Prozent unzufrieden, fühlte ich mich vom anderen Geschlecht missachtet, hätte ich einen Hass auf blinde Lehrer, Kollegen, Vorgesetzte, würden mich körperlich überlegene Assis quälen, sähe ich überhaupt keine Perspektive, dann wäre das aktuelle Titelbild des Spiegel für mich eine Aufforderung, wenigstens noch unsterblich zu werden.
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Nicht nur, weil es ein Kind ist, aber eben auch, aber auch weil es genau das ist, was man in den Köpfen der Nachahmer und Trittbrettfahrer frei Haus liefert: Der Weg unsterblich zu werden, einmal alle Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich zu ziehen, einmal es allen gezeigt zu haben.
Vielleicht - auch das sollten wir uns alle fragen, wenn wir uns wundern, warum solche Taten häufiger werden - liegt es auch genau daran. Daran, dass wir alle, die wir Medien machen und damit Öffentlichkeit schaffen, wir den Nährboden für Phantasien verzweifelter Menschen bereiten.
Als Hooligans in England fast zur täglichen Sportberichterstattung gehörten und die Situation zu eskalieren drohte, beschloss man im fast unglaublich (da nicht für möglich gehaltenen) Schulterschluß der Medien, die Berichterstattung auf ein Minimum zu reduzieren. Eben um den Tätern das Podium zu entziehen - und die Maßnahme griff.
Heute ergießt man sich in Details wie genau wer exekutiert wurde, wie der Täter andere Schüler mit Kopfschüssen ermordete - und man liefert so das Drehbuch für die Phantasien des nächsten Täters. Und man feiert es als Twitter-Durchbruch, weil nun sich nicht nur die Medien an ihrer Sensationslust ergötzen und getrieben von Umsatzdruck , sondern nun auch die breite Masse ihre Schaulust zum kollektiven Massen-Gewalt-Voyeurismus gegenseitig ermuntern.
Vielleicht sollten wir uns gerade an dieser Stelle die Frage stellen, ob und wo der Grad zwischen Informationsbedürfnis und Berichterstattung und sinnvoller Diskretion und Zurückhaltung verläuft. Wo es Sinn macht, nicht alles in der Öffentlichkeit breit zu treten. Das angebliche Argument des Rechts der Öffentlichkeit auf Information ist doch längst enttarnt und Journalismus und Web-Community ringen längst nur noch um den ersten Platz in der Reihe der Sensationslust. Offenbar gilt das Motto: Je niedriger die Messlatte, umso näher an der breiten Masse.
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