Fallenlassen um aufzufangen

Es wackelt nur, es fällt nicht – aber es wackelt nicht nur, es schwankt, es hat längst seine innere Stabilität verloren, das war mir klar, es wird nicht mehr von selbst zum stehen kommen, es wird jetzt umfallen oder runterfallen und dabei kaputt gehen oder noch schlimmer auf etwas anderes fallen und dort eine Delle hinterlassen oder eine riesen Sauerei hinterlassen. Man muss das vermeiden, denkst du dir, irgendwie, zupacken, bloss nicht runterfallen lassen, irgendwas tun.

Das Problem ist, wenn du panisch zugreifst, wirst du es vielleicht erwischen, also richtig erwischen, so dass du es wieder hinstellen kannst – aber was viel wahrscheinlicher ist, ist dass du es nicht packen kannst und du beim Versuch alles nur noch schlimmer machst, weil du andere Sachen auch mit runterreisst oder umwirfst.

Irgendwas in meinem Kopf tickt dann so, dass ich in den Sekundenbruchteilen, wo sich das Ganze abspielt, mich dafür entscheide es fallen zu lassen und mich darauf zu konzentrieren es beim runterfallen in der Luft zu fangen. Und das klappt – meistens -, aber doch oft genug.

Und irgendwie dachte ich mir heute so, als ich die Sache wieder auf seinen Platz stellte, dass es vielleicht oft im Leben so ist. Dass was in Instabilität kommt, in Begriff ist zu fallen und dabei alles kaputt zu gehen droht. Und dass es dann manchmal vielleicht besser ist, statt panisch danach zu greifen und dabei alles darum herum noch in Chaos zu bringen, es ein wenig fallen zu lassen und sich dabei darauf zu konzentrieren, den freien Fall im richtigen Moment zu beenden.

Manchmal klappt das, sicher nicht immer, aber wenn es klappt, stellt man die Sache einfach wieder zurück als wäre nichts gewesen. Außer vielleicht der Gedanke, nächstes mal etwas besser aufzupassen.