Warum ich glaube

Atheisten-Advisory – Die folgenden Zeilen können religiöse Inhalte haben und sind somit für empfindsame Atheisten im Zweifel nicht geeignet.

Manchmal frag ich mich, warum ich glaube und andere nicht. Ich hab lange aufgehört mich für Glauben zu rechtfertigen und ertappe mich auch nur noch selten dabei, dass ich überhaupt über religiöse Themen Grundsätze diskutiere, was vor 10 oder 15 Jahren vielleicht noch zur regelmäßigen Übung gehörte. Wenn man aber nicht diskutiert und sich auch nicht mehr erklärt verliert man manchmal selbst die Frage – und die Antwort. Irgendwann ist es ein Zustand und für manchen ist der Zustand nicht mehr herleitbar und er zweifelt. Ich zweifle nicht an meinen Glauben, ich kann das gar nicht weil ich den Zustand zu glauben eben habe, ich kann ihn nicht vor mir selbst abstreiten. Aber ich bin froh wenn ich aus welchem Grund auch immer wieder einmal erinnert werden, was die Frage und was die Antwort ist. Oder besser: Eine der Frage und eine der Antworten – von vielen.

Ich tu Peter Fox vielleicht keinen Gefallen damit, aber er hat mich mit dem Song Das zweite Gesicht wieder an etwas erinnert, an eine Antwort auf eine Frage: »Warum ich glaube?«

Die Stimme bebt und der Blick ist Eis
gleich geht jemand hier zu weit
die Zunge ist geladen und bereit
die Wörter von der Leine zu lassen, sich Feinde zu machen

Die Pfeilspitzen voller Gift
der Feind wackelt, wenn du triffst
du triumphierst, wenn er kippt
doch morgen um diese Zeit tut es dir leid

Hahnenkampf um einen Haufen Mist
jemanden opfern für lau nen witz
eine Spinne tot-duschen, wenn du in der Wanne sitzt
einem Dummen zeigen, dass du schlauer bist

Denn es steckt mit dir unter einer Haut
und du weißt, es will raus ans Licht
die Käfigtür geht langsam auf und da zeigt es sich:
Das zweite Gesicht

Ein Biest lebt in deinem Haus
du schließt es ein, es bricht aus
das gleiche Spiel jeden Tag
vom Laufstall bis ins Grab

Als ich Jugendlicher war kannte ich „mein Biest“ und es kam jeden Tag, ich schloß es ein und es brach aus, jeden Tag das gleiche Spiel – und es war nicht cool und hatte auch nichts von irgendwie geartetem heroisch-martialischem. Es war der traurige und verzweifelte Kampf gegen sich selbst, die Unfähigkeit das zu tun was man will und statt dessen daran zu verzweifeln in einem Fahrwasser zu sein, das einem treibt und in dem man erkennt, dass man zwar kurz gegen seinen Strom sich stemmen kann, aber nicht dagegen zu schwimmen vermag. Ein Ritt ins eigene Verderben, sich selbst immer und immer wieder zum Trottel zu machen, nicht heraus zu können und nicht heraus gelassen zu werden. Und man hatte Angst, dass es immer und immer so weiter gehen wird.

An dem einen Tag war das Biest weg. Und es kam nicht wieder. Es mag andere Biester geben im Leben, aber dieses Biest, das mich damals verfolgte und ich dachte, ich würde es nie mehr los, war in einem Moment weg.

Als ich zu glauben begann, verschwand das Biest, und weil es verschwand, glaubte ich. Das muss keiner verstehen außer mir.

Ach ja, wer den Song mal hören will, ist ein klasse Lied, auch wenn man sich für die Frage und Antwort gar nicht interessiert: [Link zu YouTube]