Das Internet – Eine Bestandsaufnahme jenseits von Umsätzen, Fakten und Statistiken

Viel hat man erwartet vom World Wide Web – was ist daraus geworden? Wie würde man es heute beschreiben, ganz jenseits von Ausführungen über gigantische Kommunikationstransfers, eCommerce-Bilanzen oder Medienverschiebungen.

Was hat das Internet aus uns Menschen gemacht, was haben wir daraus gemacht?

Eine subjektive Bestandsaufnahme

Das Faszinosum ist und bleibt das Internet, das Netz selbst. Man klinkt sich ein in eine Welt, eine andere Welt, die nach anderen Regeln zu ticken scheint. Das ist gestern wie heute so, auch wenn es sich für viele schon so anfühlt wie gewohnt. Online-Welten wie Second Life oder World of Warcraft sind nur Facetten des Internets, es sind keine eigenen neuen Gebilde, sie bilden nur einen speziellen Teil des Internets ab, nutzen es. Die Anziehungskraft ist und bleibt aber das Netz selbst. Warum?

Müßte man ein gedankliches Bild malen, um es jemanden Dritten zu vermitteln, würde man es mit der Besiedlung/Erforschung eines Planeten beschreiben. Nur, dass man schnell feststellt, dass die, die man für aufregend außerirdische Außerirdische gehalten (oder besser: wahr genommen) hat, auch keine Außerirdischen sind, sondern eben ziemlich irdische Erdlinge, wie man selbst. Alle wollen diesen fremden Planeten bevölkern, manche ernsthafter, anderer nur mal zu Besuch ab und an vorbeisehen. Einzig ist anders als auf Mallorca: Man kann nicht aussteigen, man bleibt vor/hinter seinen Tasten, die Welt kann nur im Raumanzug erlebt werden.

Aber unter ihren Raumanzügen stecken Menschen wie du und ich. Jetzt könnte man sagen/sich fragen: Also ist es einfach nur die Welt wie wir sie kennen? Ein Upgrade? Eine Erde 2.0? Ein neues Feature einer realen Welt?

Nein, denn dieser „neue Planet“ hat bestimmte und ganz gravierende andere Rahmenbedingungen. Eine davon ist, wie eben beschrieben: Man kann seinen Raumanzug nie ablegen, man kann also nicht wirklich spüren, tasten, riechen. Dafür ist man schwerelos und kann Raum und Zeit überwinden, man kann sich selbst jederzeit neue Gestalt geben, man kann sich ausschalten und einschalten und man kann ohne gesellschaftliche Barrieren oder auch Verpflichtungen mit jedem kommunizieren – ohne Vorlauf, ohne Regeln und meistens ohne Konsequenzen.

Es entsteht eine geistige Welt, die aber reale Menschen, Emotionen, Bedürfnisse wiederspiegelt – die aber nicht 1:1 befriedigt werden können. Das birgt viel Potenzial, in alle Richtungen.

Aktuell könnte man mindestens zwei Strömungen ausmachen:

Die einen, die beginnen dieses neue Medium für neues zu begreifen.
Die anderen, die versuchen Altes in das Neue zu holen oder das Neue mit dem Alten zu verweben.

Es entsteht dabei ein Spannungsfeld, denn die Welt wird jetzt in Richtungen gezogen, instrumentalisiert, monetarisiert und politisiert. Was am Anfang beschaut, bestaunt, erforscht und erlebt wurde, wird nun urbar gemacht. Claims werden abgesteckt, Rechte verteilt, Hierarchien aufgebaut, Strukturen geschaffen. Das ist menschlich, so wurde jedes Land eingenommen und „kultiviert“, so auch dieses neue virtuelle Land, da lernt der „alte Hund ‚Mensch‘ nicht auf seine alten Tage neue Kunststücke“. Doch beraubt diese Urbarmachung, Assimilierung, wie es schon immer war die Chancen der vorhandenen Möglichkeiten. Die Walze des Menschen ist Gleichmachung, Unterwerfung und Kommezialisierung.

Noch ist aber vollkommen offen, ob es zu einer Symbiose der Strömungen kommt, ob der neue Geist etwas Neues gebiehrt oder das Vorhandene die jungen Triebe einfangen kann. Den Jüngern des Neuen stehen aber auch jenseits der Bestandswahrer kritische Stimmen gegenüber, die nicht nur das Neue aus Angst ob des Verlusts des Alten kritisch gegenüber stehen, sondern um deren Tendenzen und Potenzial, vor allem „manipulier- und instrumentalisierbaren“ Potenzials.

Ein Auszug aus einer Schrift der BüSo – dessen Inhalt ich mir aber nicht zu eigen machen will – sie aber doch Gedanken in diese Richtung verdeutlichen:

Angesichts der heutigen Weltlage ist es erschreckend zu beobachten, wie die Mehrheit der heutigen Jugend ihre kostbare Zeit in fast ständiger Abwesenheit von der Realität verbringt. Ob iPod, Laptop, wLAN, Killerspiele, Second Life usw.; wer sich diese Art von Zeitvertreib a la MySpace, StudiVZ oder SchülerVZ mal genauer anschaut, wird schnell feststellen, daß er hier auf ein virtuelles Massengrab gestoßen ist, in dem wirklich jede Form von Dekadenz ihre Nische gefunden hat, bis hin zur Nekro- und Pädophilie. Das Verbrechen geht also über bloße Zeitverschwendung und Volksverdummung hinaus, denn wo die 68er-Generation mit „sexueller Befreiung“, LSD-Trips und meschugge machender Rockmusik nur der Vorgeschmack waren, beobachten wir jetzt eine Art „kultureller Endlösung“: den Ausbruch einer zutiefst satanischen Kultur, wo Amokläufe an Schulen, gegenseitiges Abschlachten bei Parties und Selbstmord mehr und mehr zum Alltag gehören. Dabei sollte man im Hinterkopf behalten, daß es vor allem Lyndon und Helga LaRouche waren, die bereits vor Jahrzehnten warnten, daß solch eine Form eines „neuen dunklen Zeitalters“ ausbrechen würde, wenn man dem sogenannten „Wertewandel“ nicht Einhalt geböte.
Aus der Broschüre: Steckt der Teufel in deinem Laptop?
Zum Download unter www.bueso.de/publikationen

Mit den enthaltenen Wertungen der Broschüre kann man (und muss man) sich differenziert auseinandersetzen, die sicher gewollte Polarisierung aber außer Acht lassend spiegeln viele beschrieben Eindrücke der Broschüre vieles wieder, was man jenseits des Standard-Kommerz-Internets tatsächlich auch wiederfindet. Wie das dann zu werten ist und ob das nicht nur einfach auch wieder ein Spiegel der Menschheit ist, oder eine Art Hubble-Teleskop auf das eigene Sein, wird erst die Zukunft zeigen.