Die Internetpartei „Piraten“ piratet bisschen zu viel im Internet

Recht hat der Filzo – auch wenn diese Wahrheit nicht jedem schmecken wird:

Die Piratenpartei ist die Internetpartei in Deutschland. Im Netz entstanden, gewachsen und an Bedeutung gewonnen präsentiert sich die Partei nun aber wie die Botschafter der Netzgemeinde, die uns Webnutzer den anderen gegenüber politisch vertritt. Ihre Mitglieder versuchen das Bild zu schaffen, die gesamte deutsche Webszene und Blogosphäre stünde hinter ihnen. Um diesen Eindruck zu unterstützen, kapern sie die ursprünglich politisch neutralen, auf den reinen Lustgewinn ausgelegten Flashmobs und instrumentalisieren so auch die nicht politisch motivierten Flashmobber für ihre Zwecke, frei nach dem Motto “Wenn neben dir jemand eine Piratenfahne schwingt, dann bist du auch einer”.

[…] Ausgehend von der Annahme, die deutsche Webszene stelle die Ruderer im Bauch der Piraten-Trireme spürt man förmlich die ungläubige Empörung der Piraten, wenn sich jemand im Internet kritisch über diejenigen äußert, die uns an die Ruderbänke des Orange beflaggten Schiffes ketten wollen. Es wird hoffentlich nicht mehr zu viel Zeit vergehen, bis den Piraten klar wird, dass sie zwar die einzige Internetpartei in Deutschland sind, aber deshalb nicht im Namen aller Netzuser sprechen dürfen. Liebe Piraten: Wir segeln auf dem selben Ozean, aber nicht im selben Boot! Ihr seid nicht die einzigen im Netz, es gibt viele außer euch und die Wenigsten segeln in die gleiche Richtung wie ihr. Ihr tut gut daran, nicht jede kleine Netz-Insel zu überfallen und mit eurem Banner zu schmücken.

viaDie Piratenpartei hat keine Ahnung vom Web — filzo.de.

Das ist mir im Speziellen schon in den Yeaah!-Tagesthemen aufgefallen, bei der allein die Seiteninterviews mit Vertretern der Partei diesen Eindruck erweckten, flankiert von den schier omnipräsenten Transparenten und Fahnen im Bildbericht.

Nichts gegen gemeinsame Ziele, nichts gegen Interessengemeinsamkeiten – aber Yeaah! hatte aus meiner Sicht mit den Piraten relativ wenig zu tun und die Kombination tat beiden Dingen auch nur bedingt gut.

So sehr ich die Piraten an sich – in einer Demokratie – für gut befinde (umso mehr, wenn sie mal die seltsamen Interview-Ausflügler in den Griff bekommen), so sehr ist mir eine Vereinnahmung meiner Selbst als Teil des Internets so nicht geheuer.

Für den beschriebenen Eindruck kann die Piratenpartei vielleicht nicht mal immer was, sie lässt aber auch keine Gelegenheit aus, den Eindruck, „die Internetpartei per se“ zu sein, aufrecht zu halten.

Das Internet ist eben keine homogene Masse und es ist mindestens so unmöglich sie unter einem Deckel zu bringen (oder gar „zu vertreten“) wie die Bloggerszene, „die Twitterer“ oder eben die Gesellschaft an sich.