Avatar – Aufbruch nach Pandora (Review)

Sagt sich so leicht: Prädikat “Muss man gesehen haben!” – und natürlich in 3D! Liest sich auch so leicht, wie damals beim Buch Harry Potter – und natürlich da nur in english – Aber dann muss man am Ende doch (s)einen Zugang zu finden, was bei Potter mir einfach fiel, da ich des englischen ausreichend mächtig bin und eine Vorliebe zu Geschichten der Phantasie-Klasse vorhanden ist. Bei Avatar (Der Film) von James Cameron musste ich da schon länger in mich gehen.

Es gibt bessere Filmkritiker als mich, daher versuche ich mich gar nicht wirklich darin und verweise auf die, die es können. Aber ein, zwei Dinge doch so von meiner subjektiven Sicht:

Die Story von Avatar ist sowas von grottenschlecht, dass ich am Ende mehr nur aus leicht irrwitziger Faszination bis zum Ende blieb (meine Frau wäre wohl sonst gegangen). Wobei “grottenschlecht” vielleicht noch das Kernproblem verfehlt, es ist eine Beleidigung des Intellekts – auch auf die Gefahr hin hier arrogant zu wirken.

Haben Amerikaner wirklich keine andere Botschaft als diese? Weißer Mann kommt in fremde Jagdgründe und verfällt der Gier des Goldes, aber einer der ihren freundet sich mit dem ausgebeuteten Urvolk an und führt sie (natürlich, schließlich brauchten sie ja einen so strammen Burschen und Ledernacken als Führer) zum Sieg. Das ganze angereichert mit absehbarer Love-Story und bisschen Mythologie und am Ende der Kampf Gut gegen Böse mit ungleichen Mitteln bis zum Finale Mann gegen Mann, wo guter Mann den bösen Mann mit Pfeil und Bogen gegen Monster-Tötungsmaschine besiegt.

Kennt man woher? Klar! Mindestens 1.000.000 mal schon verwurstet und James Cameron hat quasi die 1:1 Replik von “Der mit dem Wolf tanzt” nur ins blaue Weltall genudelt. Aber auch sonst ist die Geschichte ein Wiedersehen mit allem was der amerikanische Film so hergibt – allen voran die Szene von Independence Day oder auch eben Matrix (im Dritten Teil glaub ich): Einer steht auf einem Podest, die Lage ist aussichtslos und mit ner kernigen Ansprache und gutem Willen stürzen sich die Jünger in den Kampf, von denen die meisten hingemetzelt werden – tja, Opfer braucht es halt auch.

Es spiegelt meiner Ansicht nach einfach das amerikanische Weltbild wieder: One brave man wird gebraucht, um das Böse zu besiegen. Dass der eine Auserwählte dann aus dem eigenen Volk stammt, ist ein Ausdruck von Selbstverständnis als Eliteklasse der Welt. Man selbst ist generell der Nabel der Welt. Man zieht aus und erobert (selbstverständlich schafft man das auch), unterdrückt (selbstverständlich schafft man das auch), reflektiert sein eigenes Fehlverhalten (selbstverständlich schafft man das auch) und überwindet zum Guten (selbstverständlich schafft man das auch). Man selbst ist das Schicksal in persona und wenn es mal schwierig wird hilft der liebe Gott God’s Own Country zum Sieg – und sei es sogar im Kampf gegen einen selbst, also dem Schlechten in einem. Selbst fremde Götter dürfen das manchmal einsehen, da ist man nicht so…

Amerikanische Filme die ohne so einen “Geist” auskommen und statt dessen eine geistreiche Story kreiieren sind selten. Genannter Film Matrix hatte so Ansätze im ersten Teil, aber offenbar erschrak man derart über so viel Komplexität, dass man gleich zwei Folgefilme brauchte, um alles wieder auf die alte Formel zurückzubomben, was dann auch gelang.

Sicher, am Ende wird man sagen: Prädikat “Muss man gesehen haben!” – wegen der virtuell so noch nie dagewesenen Animationen, die Realität von Animation teilweise endgültig verwischen lassen. Allerdings muss man die wenigen Brotkrumen interessanter Gedankenansätze, wie die “denkenden Wälder” oder eben die “Verkörperung einer virtuellen Identität in einen lebendigen Avatar”, in Ehren halten und den Rest der Story mit einer gewissen Fröhlichkeit und Ironie goutieren, sonst werden die 161 Minuten plus 30 Minuten Vorlauf und Pause ein wenig lang.

Ich schließe mit einem Zitat von einem, der es eben doch besser kann als ich – das Filme kritisieren meine ich.

Batzman meint: Vielleicht wird die von Camerons Crew mitentwickelte Technik schon bald einen wirklich großen Film hervorbringen. Das Potential dazu hat sie durchaus. Dazu braucht es dann aber auch jemanden, der genauso viel Zeit in sein Drehbuch steckt, wie in die Technik. Denn wenn diese Art von Bildern bald ganz gewöhnlich ist, kommt es wieder darauf an Geschichten zu erzählen. Zumindest wenn man der König der Welt sein möchte.

Disclaimer: Nein, sowas schreibe ich nicht während meiner Arbeitszeit, hab es nur gerade rüberkopiert vom Handy und noch finalisiert.

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Facebook-Kommentare

9 Comments

  • 1
    6. Januar 2010 - 6. Januar 2010 16:37 | Permalink

    Dass ‘Der mit dem Wolf tanzt’ von Cameron sein soll, war mir bisher auch nicht bekannt. ;-)

    Oder sollte ich nur die Formulierung missverstanden haben?

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  • 2
    6. Januar 2010 - 6. Januar 2010 16:43 | Permalink

    Ne, hast Recht, da hatte ich was falsch im Kopf, aber tut der Sache keinen Abbruch. Dennoch danke für Hinweis.

    Aber ist auch mal wieder Beleg der alten Weisheit: Willst du eine Reaktion, baue einen Fehler ein. :-P

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  • 3
    7. Januar 2010 - 7. Januar 2010 09:45 | Permalink

    Bezeichnest du die Story von “Der mit dem Wolf tanzt” eigentlich auch als grottenschlecht? Immerhin ist es ja eine 1:1-Kopie, über die Wolfs-Story hab ich aber nie jemanden meckern hören.
    Darum versteh ich nicht, warum die Story immer als so schlecht dargestellt wird. Klar, sie ist alt und daher mehr als vorhersehbar, aber darum muss sie ja nicht unbedingt schlecht sein. Ist ja noch die selbe Story. Und wenn sie oft kopiert wird, kann sie ja nicht so übel sein.
    Und wenn ich die Wahl hätte, wie ich mir diese Story gerne angucken würde (oder jemandem vorstellen würde, der sie noch nicht kennt), würde ich sicher Avatar wählen, da es wirklich verdammt gut aussieht.

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  • 4
    7. Januar 2010 - 7. Januar 2010 10:02 | Permalink

    Andreas, auf dein Feedback hab ich schon gestern gewartet ;-)

    Hatte gesehen, dass du den Film recht hoch bei dir gerankt hattest, daher …

    “Der mit dem Wolf tanzt” ist bei mir schon mit schwerem Stand aufgrund der Besetzung, dennoch fand ich ihn eigentlich nicht schlecht. Der Unterschied (trotz ähnendelnder Story) ist, dass die Story in die Zeit passt. Es ist eine Rückschau auf Geschehenisse, eine Aufarbeitung der Geschichte. Avatar würde entsprechend aussagen, dass die Menschheit auch in der Zukunft nichts gelernt hat, sich aber trotzdem (wie früher) am eigenen Schopfe dank bekehrte Ledernacken zurück zur Tugend führt. Bis zum nächsten Gesellschafts-GAU … and the story goes on and on. Aber selbst dieser Fatalismus wäre ja eine Story wert gewesen, aber hier tut man so, als würde es funktionieren.

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  • 5
    7. Januar 2010 - 7. Januar 2010 10:07 | Permalink

    Diclaimer: Ja, sicher sind mir auch die Bemühungen aufgefallen den eigenen Imperialismus kritisch zu beleuchten, Umweltthemen einzubauen, einen Helden in einen Rollstuhl zu setzen oder zu zeigen, dass der Schutz Fremder wichtiger ist als die eigene Versorgung. Für Amerikaner vielleicht schon ein großer Schritt, für mich deutlich zu dünn ausgefallen für einen Film, der epochal hätte werden können.

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  • 6
    7. Januar 2010 - 7. Januar 2010 10:15 | Permalink

    Zum Wolf kann ich nicht viel sagen, da ich ihn nie (ganz) gesehen habe, mich hat halt nur gewundert, dass oft Parallelen zu diesem Klassiker gezogen wurden, im gleichen Atemzug aber die Story als grottig genannt wird.
    Ich gebe ja zu, dass man mit so einer alten Story heute keinen Blumentopf mehr gewinnen kann (außer bei den jungen Leuten, die die Story eben doch noch nicht kennen) und wegen eben jener Kritiken bin ich dann auch mit einer “naja, dann guck ich halt nur Bilder”-Einstellung ins Kino gegangen.
    Und da fand ich die Story dann aber doch einigermaßen solide. Vergleicht man es mal mit Filmen wie “The Cell”, den ich ausschließlich wegen der Bilder toll finde, der aber schauspielerisch und storytechnisch eher mau ist, so kann man die Story doch gebrauchen. Man wird nicht überrascht, aber enttäuscht wurde ich auch nicht.
    Und dass die Menschheit auch in der Zukunft nichts gelernt hat, ist doch nur realistisch. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie sich genau so verhalten würde, wenn sie einen Planeten mit vielen tollen Rohstoffen finden würde.
    Und dass die Menschheit sich zurück zur Tugend führt, interpretierst du da ja nur rein. Du kannst es ja gerne auch so sehen, dass da ein paar Menschen waren, die die Tugend gefunden haben und diese eine Schlacht gewonnen haben, aber das der Krieg noch lange nicht vorbei ist.
    So wie ich glaube, dass die Menschheit in Zukunft genau so handeln würde, glaube ich eben auch, dass sie am Ende des Films eben nur heimfliegt, dort ordentlich aufstockt und dann mit viel Power zum Gegenschlag ausholt. Nur weil 4-5 Verräter in den eigenen Reihen waren, muss man ja nicht die ganzen Rohstoffe aufgeben. Man muss sich nur auf einen anderen Kampf einstellen.

    Aber ich denke das ist gar nicht das eigentliche Problem, sondern dass ich im Kino nicht intellektuell gefordert sein muss. Klar mag ich auch anspruchsvolle Filme, aber ich kann mich auch einfach von schönen Bildern tragen lassen und mich einfach mal einem seichten Geplänkel hingeben. Und da gibt es wie gesagt deutlich seichtere Gewässer als Avatar…

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  • 7
    7. Januar 2010 - 7. Januar 2010 10:25 | Permalink

    @donvanone: Ja, verstehe ich, sehe ich dem Grunde nach auch so. Es gibt auf der nach unten offenen Skala Schlimmeres.

    Wahrscheinlich hast du auch Recht mit dem “Lernen” und Cameron bastelt schon an “Avatar II – Das Imperium schlägt zurück” oder so. :-P

    Aber mal ganz abgesehen von der Basisstory – warum hat man denn nicht nur so ein bisschen (ganz klein bisschen) weitergedacht und sich was anderes einfallen lassen als mit Pfeil und Bogen auf den Weltall-Pferdchen anreiten lassen. Man hatte ja schon so Ansätze, wie das neuronale Netz zwischen den Bäumen und das Verständnis der Na’vi für diese Zusammenhänge. Warum gibt es denn dann nicht andere Ideen der Verteidigung, muss ja nicht ganz neu sein, vielleicht mal Magnetismus, Störung der Gravitation, Energiefelder …

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  • 8
    7. Januar 2010 - 7. Januar 2010 10:42 | Permalink

    @Alexander: Das mit “Avatar II” wollte ich jetzt nicht so direkt schreiben, bin nicht sicher, ob das so eine gute Idee wäre, vermute aber, dass es tatsächlich so kommen wird.
    Und ja, ein wenig weiterdenken fände ich auch nicht schlecht (auch wenn es sowas wie Magnetismus/Energeifelder ja leicht gab, halt diese gestörte Ortung in der Nähe des Baumes).
    Die Vernetzung der Bäume wurde irgendwie gar nicht genutzt (nur um die Tiere zu rufen? Ne…), was mir auch gefehlt hat. Und auch de Optik der außerirdischen “Tiere” und “Menschen” hätte ruhig weiter weg von den Vorbildern sein dürfen (wobei man natürlich auch argumentieren kann, dass Mensch und Na’vi schon ähnlich sein mussten, damit die genetisch überhaupt kombiniert werden können.
    Aber wenn man sich z.B. “Pans Labyrinth” anschaut, kann ja wohl doch noch etwas weiter weg denken und fantasievollere Geschöpfe kreieren. Aber damit muss man sich wohl abfinden, dass auch Außerirdische in Filmen fast immer einen Kopf mit Augen, Nase Mund und Ohren und zwei Arme und Beine haben werden. Die Zuschauer wollen ja auch nicht überfordert werden… (ja, da würde ich dann doch manchmal mehr gefordert werden).
    Treffen wir uns also in der Mitte…

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  • 9
    7. Januar 2010 - 7. Januar 2010 20:36 | Permalink

    Danke, da hast Du genau meine Gedanken getroffen.

    Ich fand die Geschichte zwar nicht übermäßig schlecht, aber was mich wirklich gestört hat – und das klang in Deinem letzten Kommentar auch schon an – war, dass es auf Gewalt scheinbar nur eine Lösung gibt: Gegengewalt. Und noch mehr nervt mich dann, dass diese immer als zielführend hingestellt wird – da hat der Film wirklich einiges links liegen lassen …

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    Ich glaub, das war's.