King of the Gehweg – Überholen im Rollsplitt

Die Situation war natürlich längst absehbar und jetzt ist sie da. Bereits ab Ausgang Bahnhofspassage wurde deutlich, dass man eindeutig schneller als die Frau vor einem ist. Aber der Untergrund ist aufgrund der Witterungsbedingungen schwer begehbar und so bietet nur eine schmale Bahn auf der Idealspur so etwas wie Traktion, Überholen fast unmöglich.

An der Postkurve scheint es dann soweit zu sein. Man hat aufgeschlossen, ja klebt förmlich am Heck der Frau. Doch was tun? Rankommen ist ja das eine, überholen das andere. So dicht dran erkennt man, da die Frau ihre Hand etwas seltsam in die Seite stützt, dass offenbar ein technisches Problem bei ihr vorliegt, was auch den deutlichen Leistungsunterschied erklären würde. Vielleicht eine Spätfolge von einem vorangegangenen Ausritt ins Rollsplitt-Bett, was bei diesen Bedingungen nun wirklich nicht verwundern würde.

Jetzt spitzt sich die Lage zu und man entschliesst sich zum Manöver. Durch einen späteren Bremspunkt schliesst man in der Postkurve jetzt dicht auf, zieht kurz vor dem Kurvenscheitelpunkt in den Randbereich der Spur, verliert dabei zwar Grip, kann aber durch Gegenlenken die Kurve nehmen und zieht im Randbereich aufgrund der höheren Endgeschwindigkeit vorbei – ja wenn … ja wenn die Frau jetzt die Gasse nicht zumacht oder sich unfreiwillig nach außen treiben lässt. Die Frau wackelt bedenklich in der Kurve, hat das Manöver offenbar noch nicht einmal bemerkt, fällt dabei wirklich leicht nach außen um dann … … doch noch gegenzusteuern und dabei die Gasse freizumachen. Man fliegt förmlich nun an ihr vorbei, kommt wieder auf die freiere Gehspur und mit der jetzt wieder vorhandenen vollen Traktion, die die Leistung auf die Strecke bringen kann, ist die Finte geglückt.

Was für ein Moment! Ab da ist es ein ungleicher Kampf, man gewinnt sofort Meter um Meter und setzt sich schließlich noch vor dem nächsten Block klar ab.

Man ist noch adrenalin-geschwängert ob des Manövers. Aber man ist auch ein wenig stolz.