Er hat nur seinen Job gemacht

… und den nicht mal zu Ende.

Liest man die Reaktionen zum Rücktritt von Horst Köhler, so könnte man glauben er wäre verstorben oder unter bedauerlichen Umständen unfähig sein Amt weiter auszuüben. Da facto hat Horst Köhler aber aus freien Stücken und ohne wirkliche Notwendigkeit sein Amt des Bundespräsidenten mit sofortiger Wirkung niedergelegt – ein bisher nie dagewesener Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Erst Koch, dann Köhler. Ist denn die Moral unsere Berufspolitiker so gesunken, dass sie ihr übernommenes Amt so einfach aus persönlichen Gründen mal so mir nichts dir nichts aufgeben? Hat denn der Amtseid nicht auch eine gewisse Bindungswirkung? Der Bundespräsident nach Artikel 56 GG: „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

„Pflichten gewissenhaft erfüllen“ klingt für mich auch nach „zu Ende bringen“ – und dafür sollte mangelnde Kritikfähigkeit (oder ein Pöstchen in der Wirtschaft) nicht als Grund ausreichen, diese Pflichten abzubrechen.

Ich persönlich habe nicht das Bedürfnis mich im Pathos vor Dankbarkeit bei Horst Köhler zu bedanken, wie das manchen Reaktionen andeuten, die meinen, Deutschland sei Horst Köhler zu Dank verpflichtet. Zunächst mal muss man sagen, dass er vor allem seinen Job gemacht hat und für ‚den Job ordentlich machen‘ wird auch sonst keinem Arbeitnehmer in Deutschland tiefe Dankbarbeit zu Teil. Und den Job des Bundespräsidenten ist nun auch nicht gerade ein Pöstchen, vor dem einen grauen sollte – gerade wenn man generell an Amt und Würde Gefallen findet, was man auch Herrn Köhler durchaus unterstellen darf, sonst hätte er das Angebot auch nicht angenommen.

Es ist also kein Nachtrauern angesagt, sowohl bei Herrn Koch (unabhängig davon, dass ich nie einen Hehl daraus machte, mit seinen speziellen Wahlkampftaktiken nie einverstanden gewesen zu sein) wie auch bei Herrn Köhler, sondern es ist im Gegenteil ein „ungenügend“ auszustellen. Ein „Ungenügend“ für die Nicht-Erfüllung ihrer übernommenen Pflicht aus Motiven, die dem Amt – in meiner bescheidenen Meinung als politisch interessierten Menschen – viel weniger Respekt erwiesen haben, wie die von Herrn Köhler bspw. angeprangerte Kritik an seinen Äußerungen zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr.

Meine Meinung.